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Online-Dating: beliebt, aber womöglich sogar schädlich

Riedlingen / Lesedauer: 3 min

Forschungsprojekt an der SRH-Fernhochschule Riedlingen fordert Erstaunliches zu Tinder & Co. zu Tage
Veröffentlicht:07.07.2020, 17:16
Aktualisiert:07.07.2020, 20:32

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Rund 16,8 Millionen Singles leben in Deutschland und viele von ihnen sehnen sich nach der großen Liebe. Gutes Kapital für die über 2500 Singlebörsen hierzulande, denn bereits heute nutzen 82 Prozent der Singles Online-Dating-Plattformen, um den oder die eine kennenzulernen.

Auf den ersten Blick verlockend, doch wie wirkt sich eine Plattform wie Tinder auf unsere Persönlichkeit und unser Leben aus? Philipp Lange studiert an der SRH Fernhochschule Riedlingen im Master Wirtschaftspsychologie und hat dies in einem repräsentativen Forschungsprojekts untersucht.

Die Studie, die sich rein auf weibliche Nutzer der Dating-Plattform Tinder beschränkt, förderte Erstaunliches zu Tage: Obwohl Online-Dating das Leben einfacher machen soll, bewirkt es oftmals das Gegenteil.

Denn die Kontaktaufnahme auf Tinder mit einem Swipe nach rechts oder deren Ablehnung nach links scheint erstmal einfach – aber nicht mehr bei rund 2,3 Millionen potenziellen Partnern.

Je länger Frauen tindern, desto unsicherer werden sie

Obwohl Online-Dating bei der Partnersuche eine immer größere Rolle spielt, hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass Online-Dating besonders von introvertierten und kontaktscheuen Personen genutzt wird.

Die Frauen, die Tinder tatsächlich nutzen, sind aber tendenziell offen, extrovertiert und haben eine höhere Bereitschaft für Kontakt mit fremden Menschen als der Durchschnitt.

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Je länger frau jedoch tindert, desto unsicherer und verschlossener wird sie. Eine hohe Anzahl von Treffen mit potenziellen Partnern pro Monat wirkt sich ebenso negativ aus.

Diese negativen Auswirkungen können bis zu depressiven Begleiterscheinungen in Abhängigkeit der Nutzung reichen. Das Online-Dating wird von 84,4 Prozent der Nutzerinnen als nicht hilfreich wahrgenommen, sodass sich die investierte Zeit im Hinblick auf eine Beziehungssuche negativ auf das Selbstbild auswirkt.

Die gemachten Erfahrungen werden negativ interpretiert, wodurch depressive Erscheinungen und Selbstentwertung auftreten.

Trotz den rasant steigenden Nutzerzahlen ist es ist bisher mangelhaft erforscht, was langfristig mit den Nutzern passiert.

Philipp Lang

Weiterhin auf Partnersuche könnte frau im „echten“ Leben den ersten Schritt wagen und einen potenziellen Partner oder eine potenzielle Partnerin anflirten. Allerdings nehmen trotz der negativen Erfahrungen die Kontaktversuche über Plattformen weiterhin zu und der reale Sozialkontakt nimmt ab.

Wer also eine Freundin kennt, die tindert, sollte sie ruhig dazu ermutigen, das Handy beiseite zu legen und die Augen offen zu halten – ob in der Bahn, beim Bäcker oder beim Sport.

Philipp Lange zu seinem Forschungsprojekt: „Trotz den rasant steigenden Nutzerzahlen ist es ist bisher mangelhaft erforscht, was langfristig mit den Nutzern passiert. Meine Studie soll den Grundstein für weitere Forschung in diesem Feld legen.

Ein Trend, der in den folgenden Jahren bis zu 2,35 Millionen Menschen betreffen wird, sollte auf seine potenzielle Schädlichkeit hin analysiert werden."

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