Wohnbebauung

Geplante Wohnungen auf Steinbruch-Gelände sorgen für Diskussion

Riedlingen / Lesedauer: 5 min

Verkauf städtischer Grundstücke für Wohnbebauung im Steinbruch wird zugestimmt – Parkplatzverlust wird beklagt
Veröffentlicht:30.06.2022, 05:00
Aktualisiert:30.06.2022, 09:19

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Kontrovers und mit teils heftigen Formulierungen gestaltete sich die Diskussion im Riedlinger Gemeinderat um die Wohnbebauung des Steinbruchs. Dabei ging es aktuell lediglich um den Verkauf der 3486 Quadratmeter städtischen Flächen, dem schließlich mit 13 Ja-Stimmen, bei sieben Gegenstimmen und einer Enthaltung zugestimmt wurde.

Als Bauherrin ist auf den im Ratsinformationssystem veröffentlichten Entwürfen die Bock und Partner GmbH aus Saarbrücken genannt. „Unser Schwerpunkt liegt in der Projektierung, Durchführung und dem Vertrieb von Bauvorhaben, insbesondere von Seniorenresidenzen, Seniorenpflegeheimen sowie Wohn- und Gewerbeimmobilien“, stellt sie sich auf ihrer Homepage im Internet vor. In der Gemeinderatssitzung selber wurde sie als Geheimsache behandelt.

Wunsch nach kleineren Wohnungen

Am 20. Dezember 2021 hatte sich der Gemeinderat nach ebenfalls langer Diskussion mit 16 Ja- und drei Neinstimmen und fünf Enthaltungen für die Wohnbebauung ausgesprochen, allerdings Bedingungen genannt. Sie waren von dem mit der Planung befassten Architekturbüro – Graf Freie Architekten PartGmbB Steißlingen - Singen - Aach – bearbeitet und kommentiert worden. So äußerte es zur gewünschten Schaffung von zwei Auto-Stellplätzen pro Wohnung, dies sei nicht möglich und auch nicht sinnvoll.

Steinbruch

Wohnhäuser im Steinbruch geplant

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Mit 86 Stellplätzen werden jeweils eineinhalb pro Wohneinheit ausgewiesen. Dazu wird, wie angeregt, das Erdgeschoss als Parkraum genutzt, neben Abstellräumen, die reduziert wurden. Der vom Rat damals gewünschten Verringerung der Wohnungen kamen die Investoren mit dem Verzicht von einem Vollgeschoss nach. Dadurch entstünden zwölf Wohnungen weniger „und das städtebauliche Erscheinungsbild tritt im Bereich der Stadtmauer deutlich weniger massiv in Erscheinung“. Dem Wunsch nach kleineren Wohnungen will der Vorhabenträger ebenfalls nachkommen und in einem der Häuser die nord-westlichen Wohnungen in Zwei-Zimmer-Wohnungen aufteilen. Damit werde der Anteil der Wohnungen unter 60 Quadratmeter erhöht, was aber auch Einfluss auf die Gesamtzahl der Wohneinheiten mit jetzt 57 habe. Bei den größeren und dem weiteren Geschoss waren es ursprünglichen 65.

Wegfall von Parklätzen beklagt

Nach der Entwurfsplanung sollen insgesamt vier Häuser entstehen mit einem Aufzug zur Stadt. Einmal 19, zweimal 15 und einmal acht Wohnungen zwischen 40 und 102 Quadratmeter sollen sie beherbergen.

Der Wegfall öffentlicher Parkplätze – derzeit stehen 150 zur Verfügung – wurde bei dem Vorhaben am meisten beklagt. Reiner Henn (Mut tut gut!) empfand dies als großen Verlust und forderte das Aufzeigen von Alternativen, gerade auch für die in der Altstadt Beschäftigten. Er hätte im Vorfeld das Erstellen eines Verkehrskonzeptes gewünscht, führte er aus.

Frühere Bebauung des Platzes

Bürgermeister Marcus Schafft wies auf die frühere Bebauung des Platzes und Bemühungen von Nutzungen – auch gewerbliche – hin, die sich alle zerschlugen. Einbezogen gewesen seien auch Studenten der Hochschule Biberach, vermerkte er zu einem Antrag für einen Ideenwettbewerb. Man spreche über eine „lebendige Altstadt“. In ihr müssten auch Menschen wohnen.

Er erkannte in nicht genutzten Autostellplätzen in der Tiefgarage und beim Sportheim ausreichendes Park-Potenzial. Stadtbaumeister Wolfgang Weiß vermittelte die positive Haltung des Altstadt-Beraters Reiner App zu dem Vorhaben. Aktuell gehe es nur um die Verkaufszusage, dem – voraussichtlich am 25. Juli – der Aufstellungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan folge, in denen alle Punkte geklärt werden könnten.

Verhandlungsspielraum ist „ausgereizt“

Parallel widme man sich dem Gesamtverkehrskonzept, in das alles einbezogen werden müsse: der Ziel- und Quellverkehr, wie der ruhende, aber auch Fahrrad- und Fußgänger-Wege. Dazu gebe es ein Auftaktgespräch am 13. Juli, in welches neben Planern der Lenkungskreis „lebendige Altstadt“ einbezogen werde, informierte er. Der Verhandlungsspielraum sei „ausgereizt“, so Weiß. Dies bezog sich auch auf den Grundstückspreis, der von Stadtrat Hans-Peter Selg (WiR) als „absurd“ und „nicht marktüblich“ bezeichnet wurde. Auf der „Klinge“ verlange man Bauherren 150 Euro pro Quadratmeter ab und hier lasse man sich mit einem „Alibi-Preis“ abspeisen. Dass beide Flächen nicht vergleichbar seien, hielt ihm Stadtrat Rolf Blatter von der Bürgerliste vor, der den Preis als „gerechtfertigt“ wertete. Die einen Grundstücke seien voll erschlossen, bei den anderen wisse man nicht, was im Boden stecke. Er zeigte sich erfreut, dass es „endlich Leute“ gebe, die hier investierten.

Dorothea Kraus-Kieferle (WiR) schlug vor, um „Schaden von der Stadt“ abzuwenden, die Fremd-Grundstücke für einen Euro mehr abzukaufen und einen Ideenwettbewerb auszuschreiben. Zu dem von ihr genannten Begriff des „Dumping-Preises“ vermerkte Bürgermeister Schafft, das sei „eine ganz gefährliche Kiste“. Er hielt denn auch für fraglich, ob es den Prozess beschleunige, wenn die Stadt die Flächen aufkaufe. Er gab zudem zu bedenken, dass die Zahl der Wohnungen reduziert wurden, der Preis aber bestehen bleibe.

Hospitalstiftung wird Verkauf empfohlen

Auf die Anregung von Stadtrat Joachim Reis (Bürgerliste) wurde in dem letztlich dem Verkauf zustimmenden Beschluss eine Rückübertragung vermerkt, sollte nach längstens fünf bis sieben Jahren nicht mit der Bebauung begonnen worden sein. Zudem soll auf dem Verhandlungsweg geregelt werden, dass die Parkplätze bis zum Baubeginn genutzt werden können. Vertraglich festgelegt werden soll überdies, dass der Stadt zwei Wohnungen für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Das war Stadtrat Josef Martin (Bürgerliste) wichtig. Auch der Hospitalstiftung, der im Steinbruch 28 Quadratmeter gehören, wird der Verkauf empfohlen.

Vor der Zustimmung zum Verkauf hatte der Rat über den Antrag von Dorothea Kraus-Kieferle zu befinden, der den Kauf der Flächen im Fremdeigentum durch die Stadt und die Entwicklung eines Ideenwettbewerbs vorsah. Er wurde mit fünf Ja-Stimmen und vier Enthaltungen mehrheitlich abgelehnt.