StartseiteRegionalRegion BiberachRiedlingenDiese Musiker aus Riedlingen sind in ganz Europa gefragt

Berühmte Flötisten

Diese Musiker aus Riedlingen sind in ganz Europa gefragt

Riedlingen / Lesedauer: 6 min

Das kleine Riedlingen gilt eigentlich nicht als Hochburg der klassischen Musik. Doch hier wohnt ein Ehepaar, das regelmäßig in den großen Konzerthäusern Europas zu hören ist.
Veröffentlicht:25.12.2023, 17:00

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Wenn Andreas Sommer und Lisa Keaton-Sommer in der Dunkelheit am Wiener Bahnhof sitzen und auf ihren Nachtzug warten, dann befinden sie sich in einer ihrer zwei Welten. „Es ist nicht immer alles glamourös“, sagt Lisa Keaton-Sommer und lacht dabei.

Oft seien ihre Wochenenden verplant – mit Auftritten bei Konzerten, Opern oder mit Aufnahmen in Studios. Und das von Barcelona bis nach Prag.

Doch egal, ob die Eheleute in der Elbphilharmonie in Hamburg, beim Deutschen Mozartfest in Augsburg oder im Wiener Konzerthaus sind, eins haben sie in ihrem Zuggepäck immer dabei: Ihre Traversflöten. „Und am nächsten Tag stehst Du dann wieder hier und unterrichtest“, sagt Andreas Sommer.

Da haben sie dem kleinsten Kind das größte Tenorhorn gegeben, weil das übrig war.

Lisa Keaton-Sommer

An der Riedlinger Conrad Graf-Musikschule zu lehren, sei eben das Kontrastprogramm zu den Auftritten in Europas Konzerthäusern. „Das sind einfach unsere zwei Welten und beide haben ihre schönen Seiten“, erklärt der Musiker.

Ein langer Weg bis an die Spitze

Doch der Weg in die großen Orchester war für die Musiker nicht von klein auf vorgezeichnet. „Wir kommen beide nicht aus den klassischen Musikerfamilien“, sagt Lisa Keaton-Sommer und ergänzt: „Mein Vater war zwar ein Jazz-Freak, er hat selber aber nichts gespielt.“

Dass sie einmal Riedlingen ihre Heimat nennen wird, war für die 54-Jährige ebenfalls nicht klar. Denn der Weg aus ihrer ursprünglichen Heimat Sydney bis an die Donau war ein weiter.

Die Faszination für die Musik entwickelte sie in der dritten Klasse durch ihr Schulorchester. „Da haben sie dem kleinsten Kind das größte Tenorhorn gegeben, weil das übrig war“, sagt Lisa Keaton-Sommer und lacht dabei.

Für mich ist es faszinierend, in einem Orchester zu spielen. Vor allem wegen des Gesamtklangs und wegen des Volumens.

Andreas Sommer

Der Ulmer Andreas Sommer machte seine ersten musikalischen Schritte ebenfalls in der Grundschule, bevor in der Ulmer Knabenmusik die Querflöte das Instrument seiner Wahl wurde.

„Es ist eben immer die Freude an irgendwas, egal ob du jetzt in Richtung Sport oder in Richtung Musik gehst“, erklärt der 55-Jährige. Der Spaß an der Musik bewegte Andreas Sommer schließlich dazu, in Trossingen die Querflöte zu studieren.

Koch-Lehre unterbricht die Musik-Karriere

Seine Ehefrau hätte diese Laufbahn aber beinahe nicht weiterverfolgt, denn der Weg an die Spitze ist bekanntlich nicht einfach. „In Australien gibt es in diesem Bereich sehr viel Konkurrenz für wenig Arbeit. Da musst du wirklich kämpfen und zu dieser Zeit habe ich mich gefragt, ob ich dafür aggressiv genug bin“, sagt Lisa Keaton-Sommer.

Ihr Querflöten-Studium in Sydney unterbrach sie zeitweilig sogar, um eine Ausbildung zur Köchin zu machen. Nach einer Europa-Reise zog es sie aber unweigerlich wieder zu ihrer Leidenschaft, der klassischen Musik, zurück.

Diese Leidenschaft ist es auch, was die Eheleute bis heute miteinander verbindet. „Für mich ist es faszinierend, in einem Orchester zu spielen. Vor allem wegen des Gesamtklangs und wegen des Volumens“, schwärmt Andreas Sommer.

„Wir sind da reingekommen und dann hat sich unser Repertoire von der Klassik, über den Barock bis hin zur Romantik immer mehr verbreitert und wir haben in immer größeren Ensembles gespielt. Eines ist zum anderen gekommen und das hat einfach Spaß gemacht“, ergänzt Lisa Keaton-Sommer.

Studium im „Mekka der Alten Musik“

Beide entschieden sich, ihr Studium in den Niederlanden weiterzuführen, wo sie sich kennenlernten und schließlich ein Paar wurden. „Dann waren wir plötzlich in dieser ,Alten-Musik-Szene´ und wenn du dich da vertiefst, ist es das Ziel in Den Haag zu studieren“, sagt Lisa Keaton-Sommer.

In diesem „Mekka der Alten Musik“ spezialisierten sie sich endgültig auf die Traversflöte. Diese sei das Instrument, was der Querflöte zu Zeiten Bachs oder Mozarts entsprochen habe. Die Stücke auf solchen Flöten wiederzuentdecken, mache den besonderen Reiz an der Alten Musik aus.

„Wenn du heute eine Schubert-Sinfonie auf einem modernen Instrumentarium hörst, dann klingt das natürlich viel gerader als das, was wir machen“, erklärt Andreas Sommer.

Gefragt in ganz Europa

Mittlerweile sind die Flötisten bei vielen Orchestern Europas gefragt. Doch trotz der häufigen Auftritte sei jedes Konzert immer noch ein Erlebnis. „Gerade, wenn man zum Beispiel in Hamburg in der Elbphilharmonie auf der Bühne sitzt, dann ist das schon spektakulär, denn es ist sehr steil und es sitzen über 2000 Leute vor einem“, schwärmt der Musiker.

An Stätten wie dem Wiener Konzerthaus wandeln die Flötisten zudem auf den Spuren großer Musiker und Komponisten. „Das macht ein bisschen Druck, wenn man sich dann fragt: ,Wer hat vielleicht schon auf dem Platz gesessen, auf dem ich jetzt sitze´“, sagt Lisa-Keaton Sommer.

Die Elbphilharmonie in Hamburg, hier saßen die zwei Riedlinger auch schon mit ihren Traversflöten.
Die Elbphilharmonie in Hamburg, hier saßen die zwei Riedlinger auch schon mit ihren Traversflöten. (Foto: Elbphilharmonie)

Um dafür gewappnet zu sein, üben sie beide regelmäßig auf der Traversflöte. „Nur um fit zu bleiben, proben wir beide jeden Tag eine Stunde. Wenn ein großes Programm auf uns zukommt, mehr“, so die 54-Jährige.

Vom Konzertsaal ins Klassenzimmer

Dabei ist das Konzert-Leben nicht ihr einziges. In ihrer zweiten Welt unterrichtet das Paar nämlich an der Conrad Graf-Musikschule in Riedlingen. Nach ihrem Abschluss in den Haag hätten sie sich dazu entschieden, wieder nach Deutschland zu ziehen.

„Ich habe damals sehr viele Bewerbungen an Musikschulen geschickt, denn es war klar, dass wir nicht nur von den Konzerte leben werden“, erinnert sich Andreas Sommer. Im Jahr 2000 landeten sie schließlich in Riedlingen.

Jedes Mal, wenn ich zurückkomme, denke ich: ,Ach endlich zu Hause´.

Lisa-Keaton Sommer

Der Unterricht an der Musikschule sei für sie eine notwendige Abwechslung zur Konzertwelt, die sehr perfektionistisch eingestellt sei. „Da denkt man sich:, Oh nein, ich habe einmal in dem zwei Stunden langen Programm das Fis nicht so schön gespielt.´ Das ist fast schon ein bisschen verrückt“, sagt Lisa Keaton-Sommer und lacht dabei.

Daheim genießen sie die Ruhe

Wenn sie dann in Riedlingen die Anfänger auf dem Weg zu ihren ersten Tönen begleiten, halte das einen selbst am Boden. Ihre Erfahrung bei großen Konzerten helfe ihnen sogar, sich in die Lage ihrer Schüler hineinzuversetzen, wenn diese vorspielen müssten.

Sie wüssten selbst, was Nervosität bedeute und auch, wie schwer es sei, regelmäßig zu üben. „Da freut man sich dann umso mehr, wenn sie es schaffen und Erfolg haben“, so Lisa-Keaton Sommer.

Von den großen Konzerten in ihre Wahlheimat Riedlingen zurückzukehren, sei für sie immer wieder eine Entspannung. „Jedes Mal, wenn ich zurückkomme, denke ich: ,Ach endlich zu Hause´“, sagt die 54-Jährige.

An der Donaustadt schätzen sie die Landschaft und die dortige Abwesenheit von Musik, wie Andreas Sommer betont: „Wenn die Woche so voll mit Musik ist, dann genießt man manchmal auch einfach die Ruhe.“