Gedichtband

„Die Worte flossen aus mir heraus“

Riedlingen / Lesedauer: 4 min

Die Musikerin Ute Giese hat ihren ersten Gedichtband veröffentlicht
Veröffentlicht:29.09.2019, 18:51
Aktualisiert:29.09.2019, 19:39

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Ute Giese ist eigentlich Musikerin und als Mitglied von „La Fluterie“ in Riedlingen bekannt. Jetzt hat sie ihren ersten Gedichtband veröffentlicht.

Ute Giese ist Musikerin per Professionalität – sie hat Blockflöte als künstlerisches und pädagogisches Fach an der Musikhochschule studiert, unterrichtet Kinder und Erwachsene seit vielen Jahren und ist auch bekannt durch öffentliche Auftritte als Solistin oder mit ihrem Ensemble „La Fluterie“. Die Düsseldorferin lebt seit 23 Jahren in Altheim. Wenn man ihr Wohnzimmer betritt, fallen viele Originalgemälde an den Wänden auf. Seit über 15 Jahren malt sie und hat sich autodidaktisch einen Zugang zu den Bildenden Künsten geschaffen. Ihr drittes und neuestes künstlerisches Standbein ist die Sprache. Seit Beginn dieses Jahres schreibt sie Gedichte und hat bereits im Sommer im Eigenverlag einen ersten Gedichtband veröffentlicht.

„Die Worte flossen aus mir heraus“, erzählt sie und empfand und empfindet eine „große Lust zu schreiben“. Ihr Gedichtband besteht aus 34 Gedichten, die allesamt illustriert sind mit eigenen Fotografien und eigenen Acrylbildern, passend zum Thema bzw. zu dem Motiv des Gedichts. Sie haben alle einen Titel, der meist nur aus einem einzigen Wort besteht und teilweise wenige Verse beinhaltet. Ein Beispiel sei genannt: „Kontraste: Im Schnee die Wärme spüren. /Auch sengende Hitze lässt schauern/und mit Eiseskälte versehen/den Kontrast/des Fühlens wähnen. / Eine Ahnung der Unermesslichkeit.”

Ute Gieses Heimat ist Düsseldorf und ihr rheinischer Schalk spiegelt sich in kleinen Beobachtungen wie etwa dem Karneval: „Es sammeln sich oft Zeitgenossen, / zu lästern über Zeitungspossen. / Aus Pappmaché die Nasenformen / gehört jetzt zu den schönsten Normen”. Geordnet sind die Gedichte chronologisch, wenige sind gereimt, denn „die Sprache der Gegenwart soll sich nicht dem Reim anbiedern“, meint Ute Giese. Ihre Sprache darf ihrer Meinung nach „fließen und nicht holpern“. Ihre Art zu schreiben ist Besonders. Sie orientiert sich an keinen wissenschaftlichen Normen und lässt sich nicht einengen durch bestimmte gebundene Formen wie Haikus. „Das ist wie Musik intuitiv erklingen zu lassen, ohne genaueren theoretischen Kenntnisse oder Bezüge“, sagt sie. Der Leser mag ihre Lyrik erspüren, genießen und freie Assoziationen einfließen lassen – völlig zwanglos.

Wann und wo schreibt Ute Giese? Sie hat keinen festen Schreibplatz daheim – im Gegenteil, viele Gedichte entstehen außerhalb des Hauses. Ihr ständiger Begleiter ist ein kleines schwarzes Notizbuch im DIN A 6 Format und ein Bleistift. „Da kann es auch mal passieren, dass ich im Supermarkt stehe und etwas zu Papier bringe“, schmunzelt sie. Viel entsteht in der Natur, und wenn man ihre Gedichte einordnen möchte, kann man dies der „Natur- und Gedankenlyrik“ zuordnen. Beim näheren Betrachten ihres Notizbüchleins fällt auf, dass sie ganz wenig überarbeiten muss, kaum mal findet man Durchgestrichenes, und auch wenn das Geschriebene in den PC übertragen wird, wird wenig korrigiert.

Ihr Buch nimmt Ute Giese selten zur Hand. Keines ihrer Gedichte kann sie auswendig und sie muss suchen, wenn sie eine bestimmte Illustration oder eine besondere Fotografie zeigen möchte. Gewidmet hat Ute Giese diesen Gedichtband mit dem schönen und treffenden Namen „Klangbilder“ ihrer Mutter zum 90. Geburtstag. Die geistig rüstige Dame liebt die “wunderbare Ästhetik” der Gedichte und hat sie sich zur täglichen Lektüre zurechtgelegt.

In Arbeit ist Band 2 mit dem Titel „Klangvolles“. 25 Gedichte sind bereits fertig gestellt. Ihre Inspiration holt sich Ute Giese auch bei Künstlerinnen, die sie bewundert und menschlich schätzt: Dr. Anca Jung und Pfarrerin Julia Kaiser aus Ertingen sowie Elisabeth Geray aus Bad Saulgau. Es gibt Ideen für gemeinsame Projekte, wo Musik Malerei inspiriert und diese wiederum Lyrik. Diesen Begriff definiert sie für sich so: Es sind freie Gedanken, die neue Wortkonstellationen, Bilder und /oder Töne zulassen. Doch „ich bin keine Lyrikerin!“ betont Ute Giese zusammenfassend, ich mache Gedichte. Diese kreative Ausdrucksform ist für sie wichtig geworden.