Postwagen

Dank Postwagen an die Welt angeschlossen

Riedlingen / Lesedauer: 2 min

Wechselausstellung 2016: Aus Riedlingens 400-jähriger Postgeschichte
Veröffentlicht:30.03.2016, 19:40
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Sicher keinen „Metzgergang“ machen Besucher der aktuellen Wechselausstellung 2016 in der „Schönen Stiege“. Das dritte Obergeschoss platzt fast aus allen Nähten mit Exponaten in vielfältiger Form zur Postgeschichte der Stadt selbst und des Umlandes Riedlingens. Die Ausstellung wird am Freitag, 1. April, um 19 Uhr eröffnet.

Es ist ein außerordentlicher Glücksfall, dass die ehrenamtlich tätige Museumsmannschaft einen Mitarbeiter in ihren Reihen hat, der nicht nur pensionierter Postbeamter ist, sondern auch der letzte Dienststellenleiter der Deutschen Post AG in Riedlingen war. Werner Selg war und ist einer der bekanntesten Sammler von Gegenständen in jeder Form zur Postgeschichte. Dazu kommt eben das notwendige und fundierte Fach- und Sachwissen zum Thema. So ragt die diesjährige Wechselausstellung sowohl in ortsbezogener wie fachlich aufgearbeiteter Thematik heraus und fasziniert. Einblicke in den Versand von Poststücken im 19. Jahrhundert gewährt der Briefmarkensammlerverein Riedlingen mit interessanten Exponaten.

Lange Jahre waren es Viehhändler und Metzger, die auf ihren Wegen von Hof zu Hof und von Dorf zu Dorf Post mitnahmen und so sicher den einen oder anderen, weil unerledigten „Metzgergang“ machten. Doch die Riedlinger Postgeschichte tritt deutlich später ins Rampenlicht, als 1624 Martin Gluiz, „Cronenwirt“ und Bürgermeister, als Vorgänger des Posthalters Melchior Kleber genannt wird. Die Witwe Gluiz hatte Kleber geheiratet. Im gleichen Jahr wird Melchior Kleber, Posthalterei zu den „Drei Kronen“ im heutigen Gebäude Weilerstraße 15 genannt und 1630 ist Georg Holl, genannt Beckh, Postreiter der Vorderösterreichischen Regierung. Die weitere Entwicklung des Postwesens verläuft parallel der allgemeinen Geschichte der Nachrichtenübermittlung und Personenbeförderung. Immerhin war Riedlingen schon 1764 an die große Welt angeschlossen: Der Postwagen Wien-Paris fuhr über Riedlingen –Tuttlingen.

Es ist ungewöhnlich, dass über 226 Jahre lang in neun Generationen das Riedlinger Postwesen in Händen von zwei Familiennamen lag: Fuchs und Mennet. Interessant ist ferner, dass beide Namen nicht aus Riedlingen stammen, sondern zugezogen waren. Der erste Fuchs kam aus Wurzach und versah den Postdienst von 1690 bis 1734, ehe sein Sohn Johann Christoph Fuchs diesen hochangesehenen Posten übernahm. Das zweite Namensgeschlecht waren die Mennet, zugewandert vor 1700 aus Innsbruck. Ein Mennet heiratete die Tochter des Posthalters Fuchs und so ging die Tradition auf die Familien Mennet über. 1805 verlegten die Mennet ihre Posthalterei in den Zwiefalter Klosterhof (heute Kreissparkasse). Mit Josef August Mennet endete 1916 die Posthaltertradition in Riedlingen.

Öffnungszeiten: Fr./Sa. 15-17 Uhr; So. 14-17 Uhr.