Amokalarm

Amok-Fehlalarm hinterlässt bei Schülern Spuren

Riedlingen / Lesedauer: 3 min

Durch ein Versehen löst ein Lehrer an der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule in Riedlingen den Alarm aus. Die Maschinerie wird in Gang gesetzt - und die Verunsicherung ist groß.
Veröffentlicht:16.11.2017, 19:13
Aktualisiert:23.10.2019, 00:00

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Amokalarm an der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule in Riedlingen am Donnerstagmorgen. Auch wenn sich der Alarm innerhalb von 13 Minuten als Fehlalarm herausgestellt hat und die Polizei Entwarnung geben konnte – bei Schülern und Lehrern hat das Geschehen, die Ungewissheit doch Spuren hinterlassen.

Um 10.37 Uhr wurde der Amokalarm ausgelöst. Versehentlich. Eine Lehrkraft wollte den Rollladen nach oben lassen und hat aus Versehen den Amokalarmknopf gedreht – und damit die Maschinerie in Gang gesetzt. Automatisch kommt die Durchsage vom Band in alle Klassenzimmer: „Aufgrund einer unklaren Gefahrenlage“ sollen die Klassenzimmer abgeschlossen werden.

Parallel dazu läuft automatisch ein Alarm in einer Zentrale in München auf, die wiederum sofort die Polizei informiert. Auch Schulamt und Schulträger erhalten eine Mitteilung. Innerhalb kürzester Zeit waren Beamte aus Riedlingen da, Streifenwagen von anderen Revieren waren nach Riedlingen unterwegs.

Schulleiter erhält SMS

Doch innerhalb kürzester Zeit konnte die Entwarnung ausgesprochen werden, berichtet Schulleiter Martin Romer. Auch wenn dieser selbst gar nicht in der Schule war. Er und die kommissarische Konrektorin Susanne Bochtler befanden sich am Donnerstag auf einer Fortbildungsveranstaltung und wurden über eine SMS von den Geschehnissen in Riedlingen informiert.

Demnach hat ein Mitarbeiter der Stadt anhand des Systems den Ort der Alarmierung identifiziert, so dass nachgefragt und der Alarm aufgehoben werden konnte. Gegen 10.50 Uhr sei die Bestätigung der Beamten vor Ort gekommen, dass es sich um einen Fehlalarm handle, so Judith Wolf, Pressesprecherin im Ulmer Polizeipräsidium.

Stimmung angespannt

In den Klassenzimmern war in diesen 15 Minuten derweil die Stimmung höchst angespannt. Als die Ansage kam, hätten die Schüler zunächst gelacht, erzählt eine Lehrerin. Doch als sie die Zimmertür abgeschlossen habe und die Schüler aufgefordert wurden, in einen bestimmten Bereich im Klassenzimmer zu gehen, sei die Stimmung umgeschlagen. Plötzlich waren sich alle des Ernsts der Lage bewusst. Die Schüler wurden komplett ruhig, eine Schülerin habe angefangen zu weinen. Und sie haben gewartet.

Und diese Klasse, wie andere auch, mussten noch etwas länger im Zimmer ausharren, weil die Durchsage mit der Entwarnung nicht in jedem Zimmer ankam. Sie habe den Gong gehört, aber dann kam keine Durchsage. Irgendwann habe sie wieder etwas Leben auf dem Gang gehört, so dass sie davon ausging, dass es kein Ernstfall ist, erzählt die Lehrerin. Dann habe es auch von außen geklopft, doch es ist in solchen Fällen untersagt eine Tür zu öffnen. Erst als eine Kollegin von außen aufgeschlossen habe, um die Entwarnung weiter zu geben, konnten alle tief durchatmen.

Anspannung fällt ab

Auch wenn alles glatt gelaufen ist, auch wenn alles gut funktioniert hat und sie selbst von Anfang an eher von einem Fehlalarm ausging, einfach abschütteln kann sie das Geschehen nicht. „Da bleibt was zurück, auch wenn gar nichts war“, erzählt sie. Am Nachmittag ist sie etwas durch den Wind, als die Anspannung dann abfällt.

Dies war der zweite Fehlalarm an der Riedlinger Gemeinschaftsschule innerhalb eines Jahres. Im vergangenen Schuljahr konnte er allerdings früher als Fehlalarm rückgemeldet werden, so dass auch viel früher Entwarnung gegeben werden konnte. Auch in Ulm wurden dieser Tage zwei Fehlalarme ausgelöst. Ursache dort: technisches Versagen.