Bibliothekssaal

Oper vermischt sich mit Comedy

Ochsenhausen / Lesedauer: 3 min

Annette Postel gastiert mit Pianist Peter Schnur in Ochsenhausen
Veröffentlicht:30.10.2018, 14:23
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Oper, Chanson und Comedy harmonieren prächtig - das hat die „Operncomedienne“ Annette Postel bei ihrem Auftritt im Bibliothekssaal in Ochsenhausen bewiesen. Wie sie eingangs erzählte, sind ihr Pianist Peter Schnur und sie mit ihrem „Best-of“-Programm in die Rottumstadt gekommen und sie wird an der Landesakademie auch einen Chansonkurs geben.

Die Sängerin eröffnete den Abend mit dem Lied von Zarah Leander von 1937 „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“, nicht wie gewohnt in Leanders Kontra-Alt-Bereich, sondern in Postels Höhenlage. Der Zuhörer erlebte etwas Besonderes, nämlich eine Chansonette, die singen kann. Die Künstlerin präsentiert eine faszinierende Mischung aus Parlando und großen Gesangslinien.

Dann wieder ein Schlager aus den 1920er-Jahren: „Wo sind Deine Haare, August, August“ und sie fixierte textgemäß einige vorne sitzende Männer. Was sie interpretiert, klingt glaubwürdig, und mit allen körper- sowie verbalen Showeffekten weiß sie sich und ihre Songs exzellent zu verkaufen. Beweglich nimmt sie das komplette Podium in Beschlag, jeder Schritt sitzt zu Musik und Text – hoch professionell.

Sie erzählt eine Kurzgeschichte, spricht über ihre ungarische Gesangslehrerin Evamaria Molnár und deren Anweisungen: „Mit Jeans kommst Du mir nicht in den Unterricht.“ Und: „Vor dem Auftritt kein Verkehr“, dazu präludiert der Pianist drei Takte des Tristan-Motivs. Peter Schnur spielt zwischendurch wunderschöne Soli mit lyrischen Phrasen und perlenden Sextolen. Dann zwei Songs von der Knef, „Heut gefall ich mir“ und „So oder so ist das Leben“.

Aus dem Schlager von 1928 „O Donna Clara“, damals weltberühmt durch die „Comedian Harmonists“, wurde eine durchbohrende Persiflage auf einen alten Verehrer. Sie treibt es zu Clownerien, zwingt ihren Kehlkopf zu Geräuschen einer alten zerkratzten Schellackplatte. Sie zieht eben alle theatralischen Register bis in die Fingerspitzen und in die Stimmlippen.

Nach einer Pause erzählt sie, dass sie zur Oper wollte, dazu spielt der Pianist Mimis Arie aus „La Bohème.“ Sie hat mehrfach Oper gesungen. So sind in ihrer Vita die Mozart-Partien Pamina und Doña Elvira vermerkt. Sie plaudert boshaft über Soubretten („Soubretten können super kochen“), fetzt im Höllentempo den Song der Köchin aus „Das Feuerwerk“ herunter und besingt den Ochsenmaulsalat. Auch gab es mal große Oper: „Dido und Aeneas“, schön großbogig und empfindsam.

Auch erklang „Ach, warum bin ich nicht die Carmen, die jeden Macho haben kann.“ Sie holt sich selbst vom Podest des männermordenden Vamps. Das begeisterte Publikum bekommt als Zugabe ein ernsthaftes Chanson mit dem Titel „Keiner weiß, wie ich bin, nur Du“.

Was sie aus ihrer Mischung von klassischem Gesangskönnen und schier entfesselter Komödiantik macht, ist aller Bewunderung wert. Peter Schnur war ihr ein großartiger Begleiter. Der virtuose Meister der Sprache, der Mimik und des bissigen Chansons, der Wiener Georg Kreisler, schrieb Annette Postel: „Glückwunsch zu Ihrem komödiantischen Talent und Ihrer Stimme! Beides zusammen ist selten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.