Orgelsommer

Musik für Giuseppe

Ochsenhausen / Lesedauer: 3 min

Viel Applaus für Franz Raml beim dritten Konzert des Orgelsommers Ochsenhausen
Veröffentlicht:29.07.2022, 12:16

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Mit „Musica per Guiseppe“ ist das dritte Konzert des Orgelsommers Ochsenhausen erklungen. Organist Franz Raml widmete das Konzert „Guiseppe“ Gabler – wissend, dass das Werk den Meister lobt.

Raml begann seine künstlerische Karriere vor gut 30 Jahren als Spezialist für die historisch orientierte Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts. Vor allem die süddeutsche Orgelmusik jener Zeit liegt ihm am Herzen. So hatte er für das Konzert Orgelwerke ausgesucht, die zur süddeutschen-italienischen Orgelmusik gehören und zur Erbauungszeit der Gabler-Orgel in Beziehung stehen. Man war gespannt, wie er die Musik der engen musikalischen Epoche im kleinen regionalen Raum gestalten würde. Bietet doch die Gabler-Orgel von der Renaissance bis zur Moderne Klangmöglichkeiten, die man auf so einer Orgel nicht vermutet.

Franz Raml beginnt mit Johann Caspar Kerlls Toccata I in d-moll. Bewegte Klangflächen mit dissonanten Vorhalten und chromatischen Durchgängen und einem kontrastierenden virtuosen Laufwerk erklingt in vollem Werk von Solo- und Hauptwerk. Man erkennt schnell Ramls präzises Spiel. Als Kontrast erklingt nach der Toccata eine Capriccio cucu, in der erst einzelne Flötenregister mit den Kuckucksterzen beginnen, die sich zu einem heiteren Kuckucksorchester steigern.

Von Georg Muffat , der auf einer Studienfahrt nach Rom italienische Musik kennenlernte, stammt das zweite Opus des Konzerts, die Passacaglia in g. Die Passacaglienform gibt ein strenges, meist achttaktiges Schema vor, ein Thema oder eine Akkordfolge, das höchst kunstvoll mit Gegenstimmen, Akkordbrechungen und virtuosem Tonleiterspiel ausgeschmückt wird. Raml gelingt es, die Klangmöglichkeiten der Orgel auszuschöpfen.

Erster Lehrer Gottlieb Muffats war, wie damals üblich, sein Vater Georg. In seinen Toccaten überrascht er mit kontrastierenden Elementen. So auch in seiner Toccata prima mit Versetten. Im ersten Teil erklingt das volle Orgelwerk, während die zwei- bis vierstimmigen Versetten zu verschiedenen Klangmöglichkeiten der Register einladen. Johann Pachelbel, einziger evangelischer „norddeutscher“ Komponist des Abends, ist bekannt für Bearbeitungen lutherischer Choräle. Doch kannte er die süddeutsche-italienische Orgelmusik von einem Aufenthalt in Wien. Raml spielt von ihm einen Choral ohne Titel mit Dur in den Außenteilen und Moll im Mittelteil, was dem Komponisten viele Farbmöglichkeiten bietet. Nach der Vorstellung des Chorals folgen vier Bearbeitungen. So wird das Thema rhythmisch umspielt oder mit Akkordbrechungen und Tonleiterspiel verziert: ein Klangspiel durch alle möglichen Register.

Mit Johann Ernst Eberlin (sein Vater stammt aus Laupheim) geht es ins Zentrum süddeutscher Orgelmusik nach Salzburg. Er war ein Freund der Familie Mozart, seine Musik beeindruckte den kleinen Wolfgang Amadeus. Seine Toccata in e Fuga prima löst sich von der barocken polyphonen Musik und weist mit den einfachen Akkordfolgen den Weg zur Wiener Klassik. Das ruhige Tempo, das Raml wählt, lädt zum Träumen ein. Mit den Drei Stücken für Flötenuhr von Joseph Haydn findet Raml wieder einen Kontrast zum vorigen Stück. Den Schluss bilden vier Orgelwerke Mozarts: Grave, Allegro Fuge, Fuge in g und Marcia. Mozart ist für jeden Interpreten eine Herausforderung, doch auch die meistert Raml, wie es auch bei Mozart wichtig ist, spielerisch leicht.

Mit viel Applaus bedankte sich die zahlreiche Zuhörerschaft.