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Serie "Rent a Redakteur"

Mit Video: Redakteurin schiebt bei Rollstuhlausflug an der Rottum mit

Ochsenhausen / Lesedauer: 4 min

Jede Woche machen die „Rottuminsel–Roller“ einen Ausflug mit den Rollstühlen. Dieses Mal ist auch Redakteurin Maike Daub dabei und schiebt mit.
Veröffentlicht:12.09.2023, 17:00

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Geduldig müssen die Autofahrer am Kreisel vor dem Wohnpark Rottuminsel warten, während 16 Rollstühle einer nach dem anderen die Straße überqueren. Es ist Mittwochnachmittag, die Sonne scheint, und die „Rottuminsel–Roller“ sind unterwegs.

Das Ganze ist eine Aktion des Fördervereins des Wohnparks. Jede Woche kommen Freiwillige im Altenheim vorbei und begleiten so viele Bewohner wie möglich auf einer Ausfahrt in den Rollstühlen. In dieser Woche geht es an der Rottum entlang zum Aldi–Parkplatz, wo eine kühle Belohnung wartet. Mit dabei ist auch SZ–Redakteurin Maike Daub.

Im Rahmen der Aktion „Rent a Redakteur“ hat der Förderverein sie für diesen Ausflug gebucht. Die SZ–Aktion läuft den Sommer über und Reporter und Reporterinnen können für eine Stunde engagiert werden, um bei der Arbeit zu helfen — oder wie in diesem Fall: beim Ehrenamt zu unterstützen.

Roller sind nicht zu übersehen

Nach und nach trudeln im Foyer des Heims die Bewohner und die Rollstuhlschieber ein. Die Stimmung ist ausgelassen, bei tollem Sommerwetter verspricht der Ausflug wirklich schön zu werden. Die Pflegerinnen verteilen Strohhüte an alle, schließlich soll niemand einen Sonnenbrand bekommen, dann setzt Fördervereinsvorsitzender Franz Baur auch schon zur Begrüßung an: „Unterwegs sieht jedes Kind, dass wir coole Roller sind“, reimt er.

Bevor es für mich losgehen kann, bekomme ich noch eine Schnelleinweisung in Sachen Rollstuhl: Handbremsen, Standbremsen und an Bordsteinen leicht kippen. Kriege ich hin, denke ich, und stelle mich erst einmal bei Paula vor, die ich heute schieben darf. Sie lebt seit drei Jahren im Altenheim, erzählt sie mir. Eigentlich kann sie noch gut laufen, aber weil sie aktuell Probleme mit einem Fuß hat, ist sie ausnahmsweise beim Rollstuhlausflug dabei.

Rollstuhlschieben ist (fast) kinderleicht

Sigfrid Wadien hat die Gruppe vor etwa 15 Jahren ins Leben gerufen. „Wir sind eine zuverlässige Gruppe“, sagt er heute — auch wenn es nicht immer ganz so viele freiwillige Schieber sind, wie in dieser Woche. „Wir haben nicht so viele Möglichkeiten, wo wir hinfahren können“, erklärt er weiter. Denn das Gelände muss möglichst flach sein, damit die Schieber gut zurecht kommen.

Denn so ein Rollstuhl schiebt sich nicht von allein, wie auch ich schnell merke, sobald es auch nur ein bisschen bergauf geht. Aber Paula hat zum Glück Nachsicht mit mir und viel Geduld, und Franz Baur redet mir gut zu, dass ich ruhig mit Schwung den kleinen Anstieg hochfahren soll. So klappt das Ganze dann auch ohne Probleme.

„Es ist für die Leute in erster Linie Abwechslung“, sagt er, während er auf dem Schotterweg neben mir hergeht. „Wir gucken, dass wir immer ein Programm auf die Füße kriegen, auch bei Regen.“ Das kann auch mal einfach Kaffee und Kuchen sein. An einem so schönen Tag wie heute zieht es aber alle nach draußen. „Bei der Hitze haben wir einen Schattenplatz reserviert“, kündigt er an.

Abkühlung bei musikalischer Unterhaltung

Und tatsächlich: Auf dem Aldi–Parkplatz erwarten uns schon Bierbänke, auf denen sich die Schieber erholen können und genug Platz, um alle Rollstühle im Kreis aufzustellen. Dann gibt es nochmal einige Gedichteinlagen — etwa über Medizinprofessor Wunderlich, dem seine Studenten ausreden müssen, das Herz einfach nur als „Pumpe“ zu bezeichnen — und schließlich packt einer der Wohnpark–Bewohner sogar eine Mundharmonika aus und alle stimmen ein Lied an.

Das eigentliche Highlight kommt dabei erst danach: Der Förderverein spendiert allen noch ein Eis. Mir auch, was eigentlich schon reichen würde, um diesen Termin zu einem Lieblingstermin zu machen. Aber einen schönen Spaziergang hatte ich ja auch noch, durfte nette Leute kennenlernen und vor allem sehen, wie sich die Bewohner des Altenheims über den Ausflug gefreut haben.

Lebensfreude bei allen Beteiligten

Am liebsten hätten sie wohl gar nicht mehr aufgehört zu singen, aber irgendwann müssen wir doch wieder aufbrechen. Auch auf dem Rückweg wird sich weiter unterhalten. Paula hat wirklich volles Programm an diesem Nachmittag, erfahre ich: Später kommt noch ihre Freundin zu Besuch, erzählt sie mir. Gerade noch pünktlich ein paar Minuten vorher sind wir zurück am Wohnpark.

Wieder müssen die Autos warten, aber das scheint keinen zu stören. Gut gelaunt winken sie uns Rottuminsel–Rollern zu. Bei Sonnenschein sind doch alle entspannter — vor allem, wenn es Eis dazu gibt.

Neue Helfer willkommen

Der Förderverein ist immer auf der Suche nach neuen ehrenamtlichen Helfern für die Rollstuhlfahrt. Die Gruppe trifft sich immer mittwochs um 13.30 Uhr für die einstündige Ausfahrt im Wohnpark Rottuminsel.