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Kein Stück wie das andere

Holz aus der Region: Dieses Geheimnis steckt hinter „Bewusst Besonders“

Mietingen / Lesedauer: 6 min

Regional, nachhaltig und besonders. Das zeichnet den Holzbetrieb von Joshua Hänn und Julian Kögel in Mietingen aus. Welches Konzept die beiden verfolgen.
Veröffentlicht:24.12.2023, 17:00

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Der Geruch von Holzspänen liegt in der Luft. Inmitten seines Ausstellungsraumes in Mietingen steht Joshua Hänn und streicht über eine frisch gefertigte Tischkante.

Zusammen mit Freund Julian Kögel hat der 28-Jährige Schwendier vor mehr als zwei Jahren die Schreinerei gegründet und ihr den Namen „Bewusst Besonders“ gegeben. Die beiden haben sich zum Ziel gesetzt, jeden Tisch individuell zu gestalten und dabei insbesondere auf regionale Rohstoffe zu setzen.

Auf die Regionalität kommt es an

„Unsere Region gibt so viel her, regional muss nicht langweilig sein“, erklärt Joshua. Das Holz für die Tische und Bänke stamme aus der Gegend, nicht weiter als 80 Kilometer entfernt – egal ob Eiche, Esche, Buche, Walnuss oder Bergahorn. Stellenweise komme es auch vor, dass er mit seinem Kollegen selbst zur Säge greife, ehe die Hölzer dann in der Trockenkammer lagern und in der Werkstatt in Schwendi verarbeitet werden.

Unsere Region gibt so viel her, regional muss nicht langweilig sein.

Joshua Hänn

Die Regionalität ist ein Teil der Philosophie von „Bewusst Besonders“ – der andere Teil, der es den beiden Freunden angetan hat, ist die Individualität. Ihr Anliegen ist es, jedes Produkt an die Wünsche des Kunden anzupassen. Keines soll einem anderen gleichen.

Die Arbeit an einem Metallgestell läuft. Von der Fertigung bis zur Auslieferung übernimmt das Zwei-Mann-Team alles selbst.
Die Arbeit an einem Metallgestell läuft. Von der Fertigung bis zur Auslieferung übernimmt das Zwei-Mann-Team alles selbst. (Foto: Heiko Bauer)

Kein Stück wie das andere

Und tatsächlich: Blickt man sich um, stellt man fest, dass jeder Tisch das gewisse Etwas an sich hat. Ein Exemplar ist rund, eines eckig, ein anderer Tisch hat ein Gestell aus Stein, wieder ein anderer eines aus Metall. Eine Platte glänzt in hellem Holz, eine andere durchzieht tiefschwarzes Harz in der Mitte. Auch Outdoor-Tische aus Naturstein sind im Sortiment.

Wenn Kunden kamen, war das immer richtig peinlich, wenn ich sie in die Gartenhütte meiner Oma führen musste.

Joshua Hänn

„Der Tisch ist feuerverzinkt und pulverbeschichtet, sodass er nicht rosten kann“, erklärt Joshua. Auch für Firmen fertigt „Bewusst Besonders“ Tische an, hierbei integrieren Joshua und Julian zudem einige Extras in die Möbel: Beispiele hierfür sind USB-Anschlüsse als Schnittstellen für externe Geräte, induktive Ladestationen, um Handys ohne Kabel aufzuladen, oder auch das jeweilige Firmenlogo.

Julian Kögel bei der Arbeit: Die Tische bestehen alle aus einem Stück Holz.
Julian Kögel bei der Arbeit: Die Tische bestehen alle aus einem Stück Holz. (Foto: Heiko Bauer)

Begonnen hat es im Gartenhaus der Großmutter

Der Betrieb ist in den vergangenen Monaten stetig gewachsen. Begonnen hatte alles im kleinen Rahmen: Nach dem Studium für Wirtschaftsingenieurwesen und Bautechnik begann Joshua im Garten seiner Großmutter mit heimischem Holz zu arbeiten. „Wenn Kunden kamen, war das immer richtig peinlich, wenn ich sie in die Gartenhütte meiner Oma führen musste“, erzählt der 28-Jährige und lacht. Mittlerweile stellt das Zwei-Mann-Team in Mietingen aus, die Werkstatt ist in Schwendi. Von der staubigen Werkbank, über eine Oberfräse, dutzende weitere Werkzeuge bis hin zu reichlich Sägespänen findet sich dort alles, was das Handwerkerherz begehrt.

Das Holz ist zwischen 100 und 300 Jahre alt.

Joshua Hänn

Trotz der steigenden Nachfrage bleiben die beiden ihrem Muster treu. Leim kommt für sie nicht in Frage, die Möbel bestehen aus einem Stück. „Das Holz ist zwischen 100 und 300 Jahre alt“, sagt Joshua und blickt auf die Holzplatten, die im Ausstellungsraum in bis zu sechs Metern Höhe aufgereiht sind. „Wir fertigen Tische aus Holz, Stein und Metall.“ Meist sind die Möbelstücke rund drei Meter lang.

Mir ist wichtig, dass ein Produkt zu 100 Prozent ´Bewusst Besonders´ ist.

Joshua Hänn

Zuletzt fertigte Joshua auch einen Acht-Meter-Tisch und erfüllte sich damit einen langjährigen Traum. Der neue Tisch dient den beiden nun für Besprechungen. Dass sich sein kleiner Betrieb mit individueller Arbeit dennoch gegen die große und kostengünstigere Konkurrenz behauptet, führt Hänn darauf zurück, dass Menschen langlebige Produkte suchen. Dafür seien sie bereit, tiefer in die Tasche zu greifen. Die Preise bei „Bewusst Besonders“ beginnen bei rund 4000 Euro.

Bis zu sechs Meter sind die Holzplatten lang, die später zu Tischen verarbeitet werden.
Bis zu sechs Meter sind die Holzplatten lang, die später zu Tischen verarbeitet werden. (Foto: Heiko Bauer)

Lieferungen teilweise ins Ausland

Bis jetzt stemmen Joshua und Julian den Betrieb weiterhin zu zweit, von der Fertigung, bis zur Auslieferung. Massenproduktion kommen für sie nicht in Frage. „Das geht nicht, das passt nicht zu ´Bewusst Besonders´“, erläutert Joshua. „Mir ist wichtig, dass ein Produkt zu 100 Prozent ´Bewusst Besonders´ ist.“ Daher nehmen sich die beiden meist mindestens eine Stunde Zeit, um mit den Kunden über ihre Wünsche zu sprechen und beginnen erst im Anschluss mit der Fertigung.

Unsere Generation kann viel, man muss nur den Mut haben.

Joshua Hänn

Bis der Tisch dann ausgeliefert werden kann, vergehen rund zehn Wochen. Auch die Lieferungen übernehmen Hänn und Kögel selbst, stellenweise bis nach München oder auch in die Schweiz und nach Liechtenstein. Dennoch bleibt Zeit für die ein oder andere kleine Herzlichkeit: So schreiben die beiden beispielsweise den Namen des Kunden unter die Tischplatte oder verschicken eine Postkarte, sobald sie mit der Produktion begonnen haben.

Die Arbeit mit Holz ist die Leidenschaft der beiden Freunde.
Die Arbeit mit Holz ist die Leidenschaft der beiden Freunde. (Foto: Heiko Bauer)

Viel ehrenamtliche Unterstützung

Insgesamt sei man vor allem dankbar über die große Nachfrage, erklärt Joshua. Außerdem betont er, dass sein Betrieb ohne die zahlreichen Freunde im Hintergrund nicht funktionieren würde. Denn: Joshua und Julian bekommen Unterstützung, egal ob beim Polstern, beim Programmieren der Website oder auch beim Designen von Werbeprospekten. Heiko Bauer unterstützt die beiden außerdem als professioneller Fotograf.

Ich denke aber, dass es viel besser ist, mit regionalen Partnern zusammenzuarbeiten.

Joshua Hänn

Und auch sonst suchen die Freunde die kurzen Wege. „Wir haben so coole Rohstoffe und Partner hier in der Nähe“, sagt Joshua und nennt einen Pulver-Beschichter in Schwendi. Es könne gut sein, dass es günstiger wäre, sich auf Dienste im Ausland zu stützen, sagt der 28-Jährige, fügt dann aber an: „Ich denke aber, dass es viel besser ist, mit regionalen Partnern zusammenzuarbeiten. Wenn es etwas zu besprechen gibt, kann man zum Beispiel einfach vorbeigehen.“

Den Mut für etwas Besonderes haben

Es wird deutlich: Joshua und Julian gehen ihren eigenen und besonderen Weg. „Junge Menschen sollen das machen, was sie wirklich wollen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man alt ist und etwas bereut“, erklärt Joshua seinen Antrieb, den nicht ganz herkömmlichen Weg zu gehen. Wenn es nach ihm ginge, sollten viel mehr Menschen etwas „Besonderes“ beginnen. „Unsere Generation kann viel, man muss nur den Mut haben.“