Impfdose

Zwischen Corona-Zertifikaten und Impfdosen: So geht es Apothekern in der Region

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Von Januar an sollen auch Apotheken gegen Corona impfen – So gehen sie in Laupheim mit der Situation um
Veröffentlicht:18.12.2021, 05:00
Aktualisiert:18.12.2021, 12:04

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Der Gesetzesentwurf liegt bereits vor: Apotheken sowie Tier- und Zahnarztpraxen sollen demnach ab Januar Volljährige impfen dürfen. Dabei haben auch Apotheken in der Region durch Schnelltests und Impfzertifikate schon jetzt alle Hände voll zu tun. Die „ Schwäbische Zeitung “ hat in Laupheim nachgefragt, was die Impfungen für Apotheken bedeuten würden.

Das sagen Apotheker und Apothekerinnen aus Laupheim

„Jede Mitarbeiterin, die für die Impfung eingeteilt ist, fehlt mir an anderer Stelle“, sagt Bärbel Fritz . Sie führt die Familien- Apotheke am Bronner Berg und befürchtet, dass Impfungen massiv Personal binden. Das sei problematisch, weil die Apotheke jetzt schon mit Schnelltests und dem Ausstellen der Impfzertifikate stark ausgelastet sei. „An ein normales Tagesgeschäft ist gar nicht zu denken“, sagt sie. Bis zu 100 Zertifikate seien es am Tag. „Meine Damen sind wirklich gut, aber am Ende des Tages gehen wir auf allen Vieren nach Hause.“

Rund fünf Minuten könne man normalerweise pro Zertifikat rechnen, sagt Fritz. Deutlich zeitaufwendiger werde es bei Serverproblemen, die immer wieder aufträten. Zur Überprüfung wird der Impfpass digital beim Robert-Koch-Institut dahingehend überprüft, ob Impfstoffcharge, Tag der Impfung und Ort zusammenpassen.

Impfpass

Waldseer Apotheker: „Gefälschter Impfpass grenzt an Körperverletzung“

qBad Waldsee

„Gefälschte Impfausweise hatten wir hier noch keine“, berichtet Fritz. „Wir machen zwar immer wieder Stichproben, aber um jede Impfung überprüfen zu können, fehlt uns die Zeit und das Personal.“ Verdächtig seien jedoch nagelneue Impfbücher, in denen nur die Corona-Impfung vermerkt sei. „Wenn die Leute in Laupheim wohnen, aber beide Impfungen in Hamburg erhalten haben, prüfen wir das aber auch nach“, sagt Fritz.

Für die Impfung ist vieles noch unklar

Und künftig also auch noch impfen. „Mein Team und ich sind gespannt, wie unsere Arbeitstage dann aussehen“, sagt Fritz. Allerdings sei aktuell noch nicht geklärt, wie die dafür nötigen Schulungen aussehen. „Eine Spritze zu verabreichen, ist nicht das Problem“, beschreibt sie. Auch die nötigen Räumlichkeiten seien vorhanden.

Ob eine Impfung jedoch verabreicht werden dürfe, komme auch auf die medizinische Vorgeschichte des Kunden an, oder ob er derzeit Medikamente einnehme. All das müsse vorher geprüft werden. Auch das Thema Haftungsausschluss sei noch nicht geklärt. „Und ich bezweifle, dass sich das alles bis Weihnachten ändert“, sagt Bärbel Fritz.

Ärzte können nur begrenzte Zahl an Impstoff bestellen

Ähnlich sieht es in der Ratsapotheke in Laupheim aus. Renate Berg , Pharmazeutisch-Technische Assistentin, erklärt: „Wir haben alle viel zu tun und sind gut beschäftigt.“ Von Ärzten werde mehr Impfstoff benötigt, als geliefert werden könne. Ärzte könnten immer maximal fünf Impfstofffläschchen bestellen – sogenannte Vials (eines enthält sechs Impfdosen). „In der Regel kommen aber vielleicht zwei bis drei Vials auch tatsächlich an.“

Massenstart

(Noch) kein Massenstart beim Impfen

qLaichingen

„Ohne die Mengenbeschränkungen des Biontech-Impfstoffs könnte man mit der Impfaktion schon viel weiter sein“, glaubt Andreas Buck. Er ist Inhaber der Neuen Apotheke und der 7-Schwaben-Apotheke. „Wenn der Gesetzgeber uns auffordert, beim Impfen zu unterstützen, dann machen wir das natürlich“, sagt er. „In strukturschwachen Regionen können die Apotheken hier mit Sicherheit eine Hilfe sein.“

Arbeitsbelastung ist hoch

Von der Politik wünsche er sich, dass der Zeitraum zwischen der Entscheidung und Umsetzung von Maßnahmen nicht so kurz wäre, sagt er und gibt ein Beispiel: „Der Zwang, den Impfnachweis nur noch in Form eines QR-Codes vorlegen zu können, hat massenhaft Leute in die Apotheken gespült.“

An manchen Tagen könnten die Mitarbeiter wegen der hohen Arbeitsbelastung zwischendurch nicht einmal einen Schluck trinken. „Wir hatten sogar den Fall, dass eine Mitarbeiterin ihren Urlaub abgebrochen hat, um uns bei der Arbeit zu unterstützen“, schildert er die Situation.

Buck glaubt: Wenn genug Impfstoff da wäre, würde sich ein Großteil der Ärzte und Apotheken zusammentun und auch am Wochenende impfen. „Die Apotheken und die Ärzteschaft sind hier in Laupheim und Umgebung gut vernetzt“, erklärt er.

Apotheker warten auf Schulungen

Buck und sein Team bereiten sich nun auf die bevorstehenden Impfungen vor. „Die entsprechenden Schulungen werden gerade durch die Landesapothekerkammer und die Kassenärztliche Vereinigung entwickelt“, sagt er. „Sobald wir diese Schulungen absolviert haben, sind wir bereit.“