Laupheim

Wenn man nicht weiß, wie’s weitergehen soll

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Sechs Familienhebammen im Landkreis helfen Eltern mit Neugeborenen in schwierigen Lebenssituationen
Veröffentlicht:29.08.2014, 18:23
Aktualisiert:24.10.2019, 10:00

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Sechs Familienhebammen gibt es derzeit im Landkreis Biberach . Ihre Aufgabe: die psychosoziale und medizinische Beratung von Müttern, Familien und Kindern (bis zum vollendeten ersten Lebensjahr) in schwierigen Lebenssituationen. „Der Bedarf wächst“, sagt Elisabeth Liebhardt-Böhm, eine der sechs Familienhebammen, „auch weil es immer bekannter wird, dass es uns gibt.“

Nicht immer wird die Geburt eines Kindes sofort zum grenzenlosen Familienglück. Mitunter sind die Eltern mit der neuen Situation überfordert – aus unterschiedlichen Gründen. „Die Mütter sind alleinerziehend, krank oder noch im Teeniealter, oder die Kinder selbst sind krank“, nennt Elisabeth Liebhardt-Böhm einige Beispiele, „im Grunde begleiten wir alle Eltern, die sagen: Wir bekommen das alleine nicht hin.“

Das, sagt ihre Kollegin Annette Merkle , komme heute immer häufiger vor als früher: „Früher war der Familienverband oft größer, auch Oma und Opa waren im Haus und haben mitgeholfen.“ Heute indes gebe es mehr Einzelkinder und Patchwork-Familien oder Familien mit Migrationshintergrund, in denen unterschiedliche Kulturen mit unterschiedlichen Vorstellungen vereint seien. „Da braucht man viel Fingerspitzengefühl“, meint Merkle. Elisabeth Liebhardt-Böhm fügt an: „Uns ist wichtig, dass wir bei unserer Arbeit auch die Väter der Kinder mit einbeziehen – oder die Großeltern, zum Beispiel bei einer Teenie-Schwangerschaft.“

Breites Klientel

Wer glaubt, Probleme gebe es nur in unteren sozialen Schichten, täuscht sich. „Wir haben ein breites Klientel“, sagt Liebhardt-Böhm, „dazu gehören auch gut situierte Eltern, deren Kind schwer krank ist oder acht Stunden am Tag schreit.“ Manchmal beginnt der Einsatz der Familienhebammen schon in der Schwangerschaft, wenn besondere Probleme erkennbar werden. „Es kommt vor, dass wir bei einer Familie als ganz normale Hebammen tätig sind und dann merken, da ist umfangreichere Hilfeleistung nötig“, erklärt Terhas Woldeyohannes.

Sie hat, wie alle anderen Kolleginnen, den Beruf der Hebamme gelernt, langjährige Erfahrung gesammelt und schließlich in einer 200-stündigen Weiterbildung das Zertifikat als Familienhebamme erworben. Ihre zusätzlichen Qualifikationen liegen vor allem im psychologischen und pädagogischen Bereich – und in der Vernetzung mit anderen Hilfseinrichtungen. „Die Frauen sollen einfach wissen: Kein Kind fällt in den Brunnen. Wir bemühen uns, immer zu helfen“, sagt Terhas Woldeyohannes. Oft geht es zuerst um die zentrale Frage: Wie kriege ich mein Leben in Griff? „Wie koche ich? Wie organisiere ich den Haushalt? Wie vermeide ich Schulden? Wie bekomme ich eine Struktur in meinen Tag? Solche für viele Menschen banalen Dinge versuchen wir zu erklären“, meint Karin Lüke.

Vertrauen des Jugendamts

„Und wenn wir selbst nicht helfen können, empfehlen und vermitteln wir Hilfen“, fügt Ilse Offermann-Bartnik an. Das reicht über die Organisation von Haushaltshilfen bis hin zum Kontakt zu Gynäkologen, Krankenhäusern, Kinderärzten oder Psychotherapeuten. Das Ziel: „Niemand soll in ausweglose Situationen kommen.“

Besonders wichtig ist den Familienhebammen das Vertrauen des Kreisjugendamts. „Das ist sehr groß und es hilft uns, gute Arbeit zu leisten“, sagt Elisabeth Liebhardt-Böhm. Eltern, die Angst davor haben, das Jugendamt könnte ihnen die Kinder wegnehmen, beruhigt sie: „Wir müssen dem Jugendamt nichts melden, denn auch wir haben unsere Schweigepflicht, zu allen Ämtern.“

Der Landkreis zahlt’s

Wer die Unterstützung einer Familienhebamme in Anspruch nimmt, muss dafür nichts bezahlen. Die Kosten übernimmt der Landkreis, der wiederum Zuschüsse aus der Bundesinitiative „Frühe Hilfen“ erhält. Elisabeth Liebhardt-Böhm: „Wer unsere Begleitung haben möchte, braucht nur direkt bei uns anzurufen, einen Termin vereinbaren, einen Antrag auszufüllen – fertig.“

Familienhebammen im Landkreis Biberach sind: Annette Merkle (Raum Biberach, Telefon 0176/ 43 03 20 55); Karin Lüke (Riedlingen, 0170/ 541 93 72); Ilse Offermann-Bartnik (Riedlingen, 0171/ 262 13 93), Terhas Woldeyohannes (Bad Schussenried und Bad Buchau, 07583/ 92 64 42), Silke Kyas (Laupheim bis Ochsenhausen, 07392/ 96 77 12, 0157/ 71 43 01 96), Elisabeth Liebhardt-Böhm (Laupheim bis Ochsenhausen, 07392/ 181 51.). Weitere Informationen: www.biberach.de/fruehehilfen.html