StartseiteRegionalRegion BiberachLaupheimZum Welt-Aids-Tag: Entstigmatisierung von HIV-positiven Menschen gefordert

„Safer Sex“

Zum Welt-Aids-Tag: Entstigmatisierung von HIV-positiven Menschen gefordert

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Die Zahl der Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten steigt in Deutschland an. Wie die Lage im Landkreis Biberach ist.
Veröffentlicht:01.12.2023, 05:00

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Seit 35 Jahren macht der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten aufmerksam - auch um der Stigmatisierung Betroffener entgegenzuwirken.

Während die Zahlen der HIV-Infektionen in Deutschland stagnieren, nehmen die Infektionen anderer sexuell übertragbarer Krankheiten zu. Auch im Landkreis Biberach registriert das Kreisgesundheitsamt einen Anstieg von Infektionen.

So ist die Lage in Deutschland

Deutschlandweit stabilisieren sich die Zahlen von Infizierten mit HIV in den vergangenen Jahren nach Berichten des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf gleichbleibenden Niveau.

Für Baden-Württemberg schätzte das RKI Ende 2021 die Gesamtzahl der HIV-Infizierten auf 14.300 Menschen. Neuere Zahlen gibt es bislang nicht. In Behandlung können die HIV-Infizierten in der Regel ein normales Leben führen.

In Deutschland werden die Zahlen für sexuell übertragbare Krankheiten am RKI erfasst, jedoch sind nicht alle Infektionen meldepflichtig.

Außer HIV müssen andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Chlamydien von den testenden Laboren direkt an das RKI gemeldet werden. Daher gebe es keine konkreten Zahlen für den Landkreis Biberach, erklärt Pressesprecher Philipp Friedel auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“.

Steigende Hepatitis-B-Fälle im Landkreis

Allerdings registriere das Kreisgesundheitsamt einen Anstieg der Hepatitis-B-Fälle, so Friedel. Allerdings müsse dies nicht unbedingt mit einem generellen Anstieg der Infektionen zu tun haben.

Denn seit 2022 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen die Kosten für ein Screening auf Hepatitis B und C einmalig ab 35 Jahren. Dadurch würden auch mehr Hepatitis-Infektionen erkannt werden, lautet die Einschätzung des Kreisgesundheitsamts.

„Viele haben ungeschützten Geschlechtsverkehr.“

Petra Brauchle, Hygienekontrolleurin am Kreisgesundheitsamt Biberach

Ein vermehrtes Auftreten von anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) im Landkreis Biberach könne das Gesundheitsamt anhand der wöchentlichen STI-Sprechstunde nicht feststellen.

Diese findet anonym statt und auch Bewohner aus anderen Landkreisen können diese nutzen. Daher ließen sich allein aus der Sprechstunde keine Rückschlüsse auf die eigentlichen Fallzahlen sexuell übertragbarer Krankheiten schließen.

Bundesweit steigen die Infektionen von Geschlechtskrankheiten. Das liege unter anderem am fehlenden Wissen und der mangelnden Aufklärung, aber auch an der Zahl wechselnder Partner und den praktizierten Sexualpraktiken, erklärt Petra Brauchle, Hygienekontrolleurin am Kreisgesundheitsamt Biberach. „Viele haben ungeschützten Geschlechtsverkehr.“

Kollegin Raphaela Knecht beurteilt die Lage ähnlich: „Seit einiger Zeit fällt auf, dass die Personen, die zur STI-Sprechstunde kommen, oft sehr wenig über Erkrankungen wissen, die sexuell übertragbar sind. Gleiches gilt für die Möglichkeiten, wie man sich schützen kann. Hier besteht trotz umfangreicher Informationen in den sozialen Medien großer Aufklärungsbedarf - vor allem bei jüngeren Menschen.“

„Es geht bei dem Schutz nicht nur um Schwangerschaftsverhütung“

Lutz Weber, Allgemeinmediziner aus Laupheim

Ähnliche Beobachtungen macht auch Lutz Weber, Allgemeinmediziner aus Laupheim. Wenn Jugendliche das erste Mal zu ihm zur Untersuchung kommen, beobachtet er, dass diese sich oft nicht über die Konsequenzen von ungeschütztem Geschlechtsverkehr im Klaren sind.

Kondome schützen vor Übertragung

„Es geht bei dem Schutz nicht nur um Schwangerschaftsverhütung“, sagt Weber. Er sieht aber auch den medizinischen Fortschritt als Grund, warum auf sexuell übertragbare Krankheiten nicht mehr so geachtet werde.

Daher rät der Laupheimer Arzt, besonders bei einem neuen Partner oder neuen Partnerin oder bei häufig wechselnden Sexualpartnern immer ein Kondom zu benutzen.

Auch das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass Kondome, Femidome und Lecktücher bei richtiger Anwendung einen guten Schutz vor den meisten sexuell übertragbaren Krankheiten bieten. Einen hundertprozentigen Schutz gebe es aber nicht.

Dabei ist eine Infektion mit einer Geschlechtskrankheit nicht immer offensichtlich. Infektionen verlaufen oft unbemerkt oder nur mit sehr milden Symptomen, erklärt Petra Brauchle.

Bei Verdacht sich testen lassen

So zählen zu den frühen Symptomen oft ein Jucken im Intimbereich oder Hautveränderungen. Daher sollten Personen, die solche Symptome feststellen, einen Arzt aufsuchen, empfiehlt Weber.

Hier rät Allgemeinmediziner Weber den Betroffenen, offen anzusprechen, dass es zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr kam. „Vielen ist dies oft peinlich, aber wir Ärzte können ja keine Gedanken lesen.“

Übrigens: Auch wer keine Symptome hat, kann die STI-Sprechstunde des Gesundheitsamts im Landkreis Biberach aufsuchen und sich dort testen lassen.