Torflinse

Weicher Boden treibt die Kosten

Laupheim / Lesedauer: 2 min

Weicher Boden treibt die Kosten
Veröffentlicht:29.09.2010, 23:15
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

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Eine Torflinse auf dem alten Bauhofgelände kommt die Stadt teuer zu stehen: 286 000 Euro mehr als bisher kalkuliert kostet die Verlegung von Laubach- und Grundgraben, die der Schulneubau an der Gymnasiumstraße erfordert. Zähneknirschend nahmen es die Stadträte am Montag zur Kenntnis.

Wie berichtet, erwies sich der Boden als nicht tragfähig genug, um die Betonrohre wie geplant aufzunehmen. Im August hatte die Firma Schwall damit begonnen, die Umleitungsstrecke herzustellen. Doch schon nach 30 Metern wartete eine unliebsame Überraschung: Die tragfähige Schicht begann immer tiefer. Die Arbeiten wurden gestoppt.

Eilends veranlasste die Stadt weitere Bodenproben. Das Ergebnis beschrieb Professor Heinz Nelskamp von der Ulmer Fides Projekt GmbH so: „eine Torflinse von außergewöhnlichem Ausmaß über nahezu die gesamte vorgesehene Trassenlänge, in bis zu sieben Meter Tiefe“. Da helfe nur eins: „Es muss anders gebaut werden.“

Die Ingenieure wollen nun den Boden bis auf den tragfähigen Grund hinab austauschen und Spundwände einziehen. Diese Lösung sei zu 100 Prozent sicher, versicherte Nelskamp. Die Gesamtkosten für die Kanalverlegung steigen um mehr als 100 Prozent auf 510 000 Euro.

Josef Kerler (Freie Wähler) schüttelte nur den Kopf. „Jeder Laupheimer weiß, dass die Bodenverhältnisse dort katastrophal sind“, sagte er und verlangte Auskunft, warum man erst im Nachhinein auf der Kanaltrasse Bodenproben gezogen habe: „Den Verantwortlichen möchte ich genannt haben. Den muss man belangen können.“ Auch für Clemens Graf Leutrum (CDU) stand die Haftungsfrage „durchaus im Raum“.

Man habe im Vorfeld dort gebohrt, wo künftig das Schulgebäude steht, erklärte Heinz Nelskamp – „wie üblich“. Entlang der geplanten Kanaltrasse sei nicht gebohrt worden – „das ist auch total unüblich“. Die Erkenntnis, dass es teurer wird, habe man dadurch zwar erst ein paar Wochen später gewonnen, bilanzierte Bürgermeister Rainer Kapellen. Teurer wäre es freilich auch dann geworden, hätte man früher um den schlechten Boden gewusst. „Eine Spundwand hätten wir vor vier Wochen gebraucht und die brauchen wir auch jetzt“, betonte der Ingenieur Walter Spleis.

Wie auch immer: Die Mehrkosten für die Kanalverlegung fressen die Reserve auf, die der Gemeinderat im 11,2-Millionen-Budget für die Schulerweiterung vorgesehen hatte. „Damit ist der Puffer bereits vor Beginn der Baustelle aufgebraucht“, stellt die Verwaltung fest. Ob die Kostendeckelung Bestand hat, „muss sich zeigen“, sagte Bürgermeister Rainer Kapellen. An der pädagogischen Ausstattung werde man jedoch, wie vom Rat ausdrücklich beschlossen, nicht ansetzen.

Der Terminplan sei trotz der Kanal-Malaise im Lot, beruhigte der Planer Nelskamp. „Das Gebäude ist in der Baugenehmigungsphase, da stört das wenig.“