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Landwirte und Einwohner genervt

Schon wieder Ärger mit den Saatkrähen

Laupheim / Lesedauer: 5 min

Aus der Innenstadt vertrieben - und dennoch präsent: Die Saatkrähe beschäftigt Laupheim und die Ortsteile. Vor allem in Baustetten gibt es Ärger mit Bevölkerung und Landwirtschaft.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:00

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Auch wenn die Saatkrähen derzeit nicht mehr die Bäume der Laupheimer Innenstadt bevölkern, halten sie dennoch die Verwaltung auf Trab - und sorgen bei Teilen der Bevölkerung nach wie vor für Ärger. Dennoch bezeichnet die Sachgebietsleiterin Umwelt, Ulrike Stöhr, im Umweltausschuss am Montag die Krähenvergrämung 2023 als Erfolg. Die Innenstadt sei frei von Krähen und auch die Anzahl der Nester habe sich im Vergleich zum Vorjahr reduziert. Damit dies so bleibt, will die Stadt auch im kommenden Jahr 40.000 Euro investieren. Dies hat der Ausschuss einstimmig beschlossen.

Krähenkolonie verlagert sich in Richtung Baustetten

In diesem Jahr konnte die gesamte Innenstadt samt Friedhöfen und Parkanlagen von Krähen durch die falknerische Vergrämung freigehalten werden, erklärte Stöhr im Umweltausschuss. Zwischen Ende Januar und Mitte April war dafür Falkner Leo Mandlsperger mit seinen Greifvögeln in Laupheim unterwegs. Die Saatkrähen-Kolonie verlagerte sich aus dem Stadtbereich in Richtung Baustetten. Eine Wiederbesiedelung des Schlossparks, der Höhenanlage oder des Rentschler-Geländes sei durch Nestentnahmen Mitte Februar verhindert worden. Nisteten 2022 noch 274 Brutpaare im Grundgraben, waren dieser und der weitere innerstädtische Bereich Saatkrähen-freie Zone. Zumindest fast.

Zehn Brutpaare nisten in der Biberacher Straße

Denn in der Biberacher Straße zwischen Polizei und Ran-Tankstelle nisteten zehn Brutpaare. Diese Nester seien jedoch erst nach der Vergrämung entstanden, erklärte Stöhr. Die allermeisten Saatkrähen hätten mittlerweile das Stadtgebiet verlassen und sich in dem Wäldchen am Kreisverkehr an der B30-Auffahrt Süd angesiedelt. Dort listet das Amt für Tiefbau und Umwelt am 3. Mai 453 Nester, im Vorjahr waren es dort noch 195. Auch im Hölzle, dem Wäldchen zwischen Laupheim und Baustetten, gibt es 33 Nester. Stöhr vermutete, dass es sich bei diesen Brutpaaren um Rückkehrer aus Baltringen handelt.

Auffallend war, so Stöhr, dass sämtliche Stadien der Saatkrähen-Brut gleichzeitig beobachtet wurden - vom Nestbau über die Brut bis zur Aufzucht. „Das war in ganz Süddeutschland so, eine Erklärung dafür haben wir nicht“, erklärte Stöhr.

Ortsvorsteher Kögel: Baustetten extrem betroffen

Dass das Krähen-Problem keinesfalls gelöst ist, zeigte sich daran, dass einige betroffene Anwohner der Biberacher Straße und des Baustetter Hungerbergs die Sitzung verfolgten. Er habe die Sitzungsvorlage aufmerksam gelesen und erhebliche Zweifel an der Erhebung, erklärte Baustettens Ortsvorsteher Dietmar Kögel. „Ganz Baustetten ist extrem betroffen von den Saatkrähen, vom Geschrei und den Exkrementen.“ Es gebe extrem viele Klagen aus dem Wohngebiet Hungerberg. Der gesamte Osten und die Ortsmitte seien betroffen, so Kögel. „Ein Zustand, der nicht mehr haltbar ist.“

Mehr als 50.000 Euro Schaden bei Biolandwirt

Mit Befremden habe er festgestellt, dass die Krähen an der Auffahrt Laupheim Süd angesiedelt werden sollen, erklärte der Ortsvorsteher. Die Vögel hätten einen enormen Schaden in der Landwirtschaft verursacht. Bei einem Biolandwirt betrage dieser 50.000 Euro. Für Landwirte und Bevölkerung sei dies nicht mehr hinnehmbar. „Es steht Menschenschutz gegen Tierschutz. Und ich bin der Meinung, dass der Menschenschutz vorgeht“, sagte Kögel. Er appellierte an die Verwaltung, dass die Problematik nicht nur aus Sicht der Innenstadt betrachtet werde. „Man muss auch die Ortsteile und andere Bereiche schützen.“

Sven Rust (Freie Liste) zweifelte an der Wirksamkeit der Vergrämung. „Die Krähen sind nicht dumm, sie fliegen weg, wenn der Falkner kommt.“ Auf den Feldern seien Schussanlagen aktiv, um die Tiere zu stören. Raben- und Saatkrähen seien eine Belastung. „Wir sind bei einer Population angekommen, bei der man über Abschuss sprechen muss“, sagte Rust. Da müsse man die Jägerschaft mit ins Boot holen.

Martina Miller (SPD) sprach von einem typischen Nutzungskonflikt zwischen Natur, Naturschutz und den Anforderungen der Bevölkerung. Mit Blick auf 2017 sei die Vergrämung dennoch erfolgreich. Auch wenn dies mit einem hohen Preis bezahlt worden sei. Denn seit 2017 musste die Stadt knapp 370.000 Euro aufwenden. „Müssen wir dauerhaft damit planen, die Vergrämung zu finanzieren?“, fragte Miller.

Krähen-Problem an übergeordnete Politik adressieren

„Die 40.000 Euro für die Vergrämung sind gut ausgegebenes Geld, damit es nicht zur Rückbesiedelung kommt“, sagte Christian Biffar (CDU). Als Grundgraben-Anrainer habe er persönlich leidvolle Erfahrung mit den Krähen gemacht, daher könne er den Ärger der Bevölkerung nachvollziehen. Er forderte, das Thema an die Politik zu adressieren. Die Saatkrähe müsse raus aus dem Artenschutz. Biffar äußerte die Bitte, dass der Krähengipfel die übergeordnete Politik ins Boot holen müsse.

„Die Krähen sind ein Völkchen, das nicht nur schwarz und laut ist, sondern auch sehr intelligent“, sagte Karin Meyer-Barthold (Freie Wähler). Dennoch sei die Vergrämung aus der Innenstadt „ein voller Erfolg“. Die Krähen in die Außenbereiche umzusiedeln, gelinge jedoch nur, „wenn die Menschen keine illegalen Maßnahmen ergreifen“. Man müsse die Zersplitterung der Kolonie verhindern - und die betroffenen Anwohner die Krähen gegebenenfalls „ein oder zwei Jahre aushalten“. Diese Aussage wurde von Zwischenrufen aus dem Publikum begleitet.

Wenig Hoffnung für geforderte Dezimierung der Vögel

Ulrike Stöhr verwies darauf, dass der Falkner keineswegs nur im Stadtgebiet, sondern auch in den Ortsteilen aktiv war. Der geforderten Dezimierung der Vögel machte sie nur wenig Hoffnung: „Die Eientnahme bringt nichts, die Saatkrähen produzieren innerhalb von zehn Tagen neue.“ Und für den geforderten Abschuss brauche es eine Änderung des EU-Rechts.

Nach diversen Krähengipfeln habe man festgestellt, dass jede Stadt ihre eigenen Probleme habe, erklärte auch die Erste Bürgermeisterin Eva-Britta Wind. „Wir haben viel Geld investiert und wir versuchen, die Ausgaben so gering wie möglich zu halten.“ Die Krähen seien intelligente Tierchen und „es ist schwierig, ihnen so zu begegnen, dass wir alle zufriedenstellen können“.

So viel scheint jetzt schon klar: Der Ärger um die Laupheimer Saatkrähe, er geht trotz einiger Erfolge 2024 in die nächste Runde.