Ärztehaus

Diskussion mit Ärzten im „geschützten Raum“ - Kreis sichert Unterstützung für Ärztehaus zu

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Nach Diskussion mit Laupheimer Ärzteschaft sollen Konzepte für künftige ambulante Versorgung entstehen
Veröffentlicht:25.11.2022, 19:45
Aktualisiert:28.11.2022, 14:19

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Nach dem Aus für das Laupheimer Krankenhaus haben die Stadt Laupheim und der Landkreis Biberach nun die Initiative ergriffen und die Laupheimer Ärztinnen und Ärzte am Donnerstag zu einer Diskussion eingeladen. In Zusammenarbeit soll ein Konzept entstehen, um die hausärztliche Versorgung vor Ort weiterzuentwickeln.

Rund 30 Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen haben sich am Donnerstagabend in der Mensa der Friedrich-Uhlmann-Schule versammelt, um über die künftige medizinische Versorgung zu diskutieren. Eingeladen wurden von der Stadt Laupheim und Kreis die Mediziner aus der Kernstadt und den Teilorten.

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Die Veranstaltung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Wir wollten, dass sich die Ärztinnen und Ärzte in einem geschützten Raum ganz frei äußern konnten“, erklärt Laupheims Oberbürgermeister Ingo Bergmann im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“.

Alternde Ärzteschaft ist drängendes Thema

Nach dem Aus für das Zentrum für Älterenmedizin im Landkreis Biberach (ZÄLB) wollen Stadt und Kreis „nach vorne schauen“, wie der OB betont. „Es ging bei der Veranstaltung nicht mehr um die Krankenhausschließung, sondern darum, was für Laupheim jetzt wichtig ist“, so Bergmann. „Unser Ziel war es, von den Ärzten zu lernen.“ Der Austausch mit den Medizinern habe bestimmte Themen in den Fokus gerückt. So beschäftige diese die Sicherung der hausärztlichen Versorgung vor dem Hintergrund einer alternden Ärzteschaft.

Wir als Stadt und Kreis wollen hierfür die Rahmenbedingungen gestalten.

Dem pflichtet auch der Leiter des hausärztlichen Qualitätszirkels Laupheim, Lutz Weber, bei. Er betreibt seine Praxis für Allgemeinmedizin im alten Laupheimer Krankenhaus. „Jeder dritte Arzt in Baden-Württemberg ist über 60 Jahre alt“, sagt Weber. Werde auf die demografische Entwicklung nicht schnell reagiert, werde sich die Situation im Kreis deutlich verschlechtern. Bereits jetzt fehlten landesweit rund 800 Hausärzte. Die Städte und Gemeinden befänden sich deshalb in einem Konkurrenzkampf um Ärztinnen und Ärzte.

Kreis möchte hausärztliche Versorgung sichern

Weber betont, dass andere Gemeinden und Städte hier bereits reagiert hätten. „In anderen Kreisen wird Ärzten der rote Teppich ausgerollt“, sagt er. „Der Kreis Biberach hat das bislang komplett verpennt.“ Die Gespräche mit Landrat und dem Laupheimer OB beschreibt Weber als angenehm. Deren Zeichen seien für ihn und seine Kollegen im Ärztehaus in der Eugen-Bolz-Straße richtungsweisend. „Uns wurde eine Perspektive gegeben“, sagt er.

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In der Haushaltsdebatte des Landkreises Biberach hatte Landrat Mario Glaser betont, dass der Kreis mit den Städten die ambulante Gesundheitsversorgung angehen und „beste Rahmenbedingungen“ schaffen wolle. Auch vor der Laupheimer Ärzteschaft bekräftigte Glaser diese Position. Aus seiner Sicht sei es auch gut gewesen, dass die Ärzte des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) von Sana mit dabei waren. Das Gespräch mit den anwesenden Ärztinnen und Ärzten sei „konstruktiv und zukunftsgewandt“ verlaufen.

Laupheimer Krankenhaus hat großes Potential

„Als Kreis nehmen wir mit, dass die Ärzteschaft einen weiteren und größeren Raumbedarf im Ärztehaus in der Eugen-Bolz-Straße sieht. Das deckt sich mit den Planungen des Kreises. Wir planen mit den dort ansässigen Ärzten auch weiterhin mit langfristigen Mietverträgen und möchten das Gebäude für die Zukunft weiter ertüchtigen und Erweiterungsmöglichkeiten schaffen“, wird Glaser in einer Stellungnahme zitiert.

Das Wichtigste ist jetzt nach vorne zu schauen.

Für die Ärzte sei dies eine Perspektive, dort bleiben zu können, und gebe ihnen darüber hinaus Planungssicherheit. Weber sieht in den Räumlichkeiten des alten Krankenhauses Potenzial. Die Infrastruktur sei gut, zwar müsse in die Bausubstanz investiert werden, aber die Möglichkeiten seien vielfältig. Die Versorgung zu verbessern, sei nur in guter Partnerschaft mit Stadt und Kreis möglich. Weber warnt auch davor, dem ehemaligen Laupheimer Krankenhaus zu lange nachzutrauern: „Das Wichtigste ist jetzt nach vorne zu schauen, und uns so aufzustellen, dass wir der Bevölkerung eine gute ambulante Versorgung anbieten können.“

Stadt will Konzepte für Gesundheitsversorgung erarbeiten

Dafür brauche es Infrastruktur auch in anderen Bereichen, erklärt OB Bergmann. So etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Ärzte. Auch hier wolle die Stadt Laupheim in die Zukunft denken. „Die Ärztelandschaft ist inzwischen weiblich“, so der OB. Die Betreuung von Kindern sei ein städtisches Thema und hier müsse Laupheim tätig werden, um attraktiv für die Ansiedlung von Hausärzten zu sein. Die Veranstaltung sei lediglich als Auftakt zu verstehen, um zielgerichtet Konzepte entwickeln zu können:

Wir von Stadt und Kreis machen uns daran, Ideen und Konzepte voranzutreiben.

In einem nächsten Schritt sollen laut dem OB Detailfragen geklärt werden und die Bürgerschaft in Veranstaltungen eingebunden werden. „Auch von der Bevölkerung wollen wir wissen, wo der Schuh drückt“, betont Bergmann. Auch die Pflegeversorgung habe die städtische Verwaltung auf dem Schirm, das Thema solle gesondert im Januar angegangen werden.