Restekochen

Steuern, Upcycling, Restekochen: Projektwoche bereitet Schüle aufs Leben vor

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Projektwoche soll Abschlussklassen der Friedrich-Adler-Realschule auf den Alltag vorbereiten
Veröffentlicht:30.06.2022, 05:00

Von:
Artikel teilen:

Lernen Schüler zu wenig fürs Leben? An der Friedrich-Adler-Realschule haben sich die Lehrkräfte für die Abschlussklassen jedenfalls etwas überlegt, dass ihnen das niemand nachsagen kann: die True-Life-Projekttage. In einer unterrichtsfreien Woche mit Themen, die im Unterricht zu kurz kommen, sollen die Schüler aufs wahre Leben vorbereitet werden.

Schüler fertigen aus alten Jeans neue Produkte

„Ihr wisst, dass wir alle zu viel Müll produzieren“, sagt Lehrerin Angelika Fioranelli-Petersohn , die vor Schülern der Abschlussklasse steht. Dabei sei es so einfach, Gutes für die Umwelt zu tun, indem anstatt weggeworfen, wieder mehr Dinge repariert würden. Ihr Kurs bringt den Zehntklässlern das Upcycling von Kleidung näher. Aus Materialien, wie der alten Bluse, der verschlissenen Jeans und der knittrigen Baumwolltasche entsteht wieder ein nützliches Produkt.

Die Schülerinnen Julia, Luisa-Marie und Anika sitzen vor ihren ratternden Nähmaschinen. Die drei Mädchen arbeiten an der Aufwertung einer aus dem Kleiderschrank ausgemusterten Jeans. Sie haben sich für das Angebot „Aus alt mach neu“ eingeschrieben und wollen im Upcycling-Kurs ihre Tasche fertigstellen. Von der alten Jeans haben sie bereits die Hosenbeine abgeschnitten und einen Stoffrest fein säuberlich eingenäht.

„Jetzt fehlt nur noch ein Henkel aus dem Jeansstoff und ein Klettverschluss für die Hosentaschen“, erklärt Julia. Ihre Mitschülerinnen fangen erst an und brüten noch über ihren Ideen: Lucia möchte eine Schürze herstellen, Melissa einen Hygienebeutel und Jasmin eine Stoffbox.

Experten für Versicherungen und Steuern halten Vorträge

Die True-Life-Projekttage sollen die Schüler auf den späteren Alltag in der Arbeitswelt vorbereiten, erklärt Lehrerin Natalie Robinson-Haag, die die Projekttage organisiert hat. „Wir wollten die Zeit zwischen den schriftlichen Prüfungen und der Verkündung der Prüfungsergebnisse nicht nur überbrücken, sondern sinnvoll nutzen“, berichtet die Lehrerin.

Aus rund 20 Kursen haben die Schüler wählen können. Nicht nur Lehrer bieten Kurse an, die Schule hat auch Experten spezieller Fachgebiete eingeladen. Sie bieten den Schülern Crashkurse in Themen wie Versicherungen und Steuern an. Für die Abschlussklässler sicher auch bald wertvoll ist der Kurs

„Die erste eigene Wohnung“ der Genossenschaft für Wohnungsbau Oberland Laupheim. „Ich finde es gut, dass wir das anbieten, bei uns hat es das früher noch nicht gegeben“, erinnert sich Referendarin Katja Müller, die als Schülerin selbst die Friedrich-Adler-Realschule besucht hat.

Abschlussklässler lernen kochen mit Resten

Abwechslung zur Theorie bieten praktische Kurse, zum Beispiel der Kurs „Partytanz – interaktiv“ oder „Stressmanagement, Resilienz und Yoga“. „Diese Übungen könnt ihr machen, um euch zu entspannen, wenn ihr mal gestresst seid“, erklärt Lehrerin Christina Echtermeyer. Zu meditativen Klängen zeigt sie den Schülerinnen Yogaübungen für Einsteiger, die helfen sollen bei der Stellensuche oder im ersten Job runterzufahren. „Es tut einfach gut, sich zu bewegen“, sagt Schülerin Anna.

Bewegt wird sich zur gleichen Zeit auch in der Schulküche beim Kochen. Die Aufgabe: Aus Vorräten sollen die Abschlussklässler ein Essen zaubern. Nur wenige Zutaten durften sie dafür einkaufen. Als Schüler Semih die Erdbeeren entdeckt, ist ihm klar, dass es zum Nachtisch nur einen Erdbeerkuchen geben kann.

Kürzlich hatte er Geburtstag und was passe da besser als ein Kuchen, meint der Schüler. Die Gruppe um seine Mitschülerin Kim werkelt derweil einen Schokokuchen mit Kirschen. Zum Hauptgang gibt es bei beiden Schulgruppen den Vorratsklassiker: Nudeln mit selbstgemachter Soße.

Klasse vergleicht Fertigprodukte mit Selbstgemachtem

Im Kurs sei beispielsweise dafür sensibilisiert worden, dass Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht weggeworfen werden müssten, sagt Schülerin Kim. Der Kurs sei wichtig, denn wer das Wahlfach Alltagskultur, Ernährung und Soziales (AES) nicht in der Schule hatte, der lerne spätestens hier das Kochen mit Resten.

„Unsere Erfahrung zeigt, dass die Schüler viele Fertigprodukte zu sich nehmen. Deshalb vergleichen wir unser eigenes Essen im Nachhinein mit Fertigprodukten“, ergänzt Lehrerin Marion Hofmann. Die Erkenntnis bei ihren Schülern sei meist, dass sich die ins Kochen investierte Zeit lohnt: „Die Schüler waren wieder super kreativ – es kamen tolle Gerichte raus“, sagt Hofmann stolz.