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Ärztliche Versorgung

Kreis investiert 2,6 Millionen Euro in Laupheimer Ärztehaus

Laupheim / Lesedauer: 4 min

2,6 Millionen Euro Investition in die Sanierung des Gebäudes sowie Praxen für neue Ärzte - im Ärztehaus in der Eugen-Bolz-Straße tut sich was.
Veröffentlicht:02.12.2023, 11:50

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Es tut sich was bei der medizinischen Versorgung in Laupheim. Im Ärztehaus in der Eugen-Bolz-Straße haben die Umbauarbeiten des ehemaligen OP-Bereichs begonnen. Dort soll bis zum Sommer kommenden Jahres das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Sana Kliniken Landkreis Biberach GmbH einziehen. Für die Modernisierung des Hauses investiert der Landkreis Biberach gut 2,6 Millionen Euro. „Wir bauen und gestalten dort“, erklärt Landrat Mario Glaser. Dies sei ein wichtiges Signal für die Raumschaft Laupheim.

Der Klinik-Ausschuss des Kreistags hat am Dienstag den Weg für weitere Sanierungsmaßnahmen im Ärztehaus freigemacht. Nachdem bereits der frühere Bettenaufzug durch einen modernen Personenaufzug erneuert wurde, hat der Ausschuss am Dienstag weitere Sanierungsarbeiten im Gesamtumfang von mehr als einer Million Euro vergeben.

Bessere Versorgung

446.000 Euro sind für die Erneuerung der Heizungs- und Lüftungsanlagen sowie des Sanitärbereichs eingeplant. Weitere 364.000 Euro werden für Elektroarbeiten veranschlagt. Und 218.000 Euro sind für Trockenbauarbeiten vorgesehen. Zudem wird die Westseite des Gebäudes mit einer Verschattung versehen. „Ich bin sehr froh, dass der Kreistag hier die Mittel zur Verfügung stellt“, sagt dazu Landrat Glaser. Der Landkreis sei zwar per se nicht für die ambulante medizinische Versorgung zuständig.

Als Eigentümer des Gebäudes sieht Glaser den Landkreis dennoch in der Pflicht. „Diese Investitionen helfen, dass Praxen bleiben und neue dazukommen. Wir müssen hier keine große Rendite erzielen und wollen den Ärzten ordentliche Räume zur Verfügung stellen.“ Durch die Modernisierungsmaßnahmen werde sich die Qualität der Versorgung deutlich verbessern, ist Glaser überzeugt. „Da sind wir sehr glücklich.“

OP-Bereich wird geräumt

Das nächste größere Projekt, das nun angegangen wird, ist die Komplettsanierung des dritten Stocks, auf dem früher der OP-Bereich untergebracht war. Allein dafür sind Investitionen von 1,15 Millionen Euro veranschlagt. Aktuell werde der OP-Bereich ausgeräumt, erklärt Holger Thiessen, Leiter des Amts für Liegenschaften und Gebäude. „Dieser Stock wird dann komplett umgebaut.“

So würden bisherige Wände entfernt und der Zuschnitt der Räume neu gestaltet. „Wir wollen das im ersten Halbjahr durchziehen“, erklärt der Amtsleiter. Bis zum Sommer sollen auf 550 Quadratmetern neue Praxisräume entstehen, in die dann das MVZ der Sana einzieht. Die gynäkologischen, chirurgischen und orthopädischen Praxen sind bisher über die Stockwerke verteilt.

Gespräche mit Ärzten

Die dann freigewordenen Praxisräume müssten anschließend ebenfalls „etwas modernisiert werden“, so Thiessen. Ein Allgemeinarzt und ein Facharzt hätten bereits zugesagt, mit einem weiteren Facharzt sei man in Gesprächen, verrät der Amtsleiter. Näheres könne er jedoch erst im neuen Jahr verkünden. Für die mögliche dritte Praxis seien dann noch einmal Arbeiten in Höhe von 500.000 Euro veranschlagt.

Und auch was die Zukunft des früheren Klinik-Gebäudes betrifft, zeigt sich Landrat Glaser zuversichtlich. Es sei im höchsten Interesse der Stadt, dies zu entwickeln. „Aus meiner Sicht kann nichts Besseres passieren, als die Liegenschaft in eine gute Nutzung zu bringen“, so Glaser. Derzeit nutzt der Landkreis das Gebäude zur Zwischenunterbringung von Geflüchteten. Im Oktober hatte der Laupheimer Oberbürgermeister Ingo Bergmann bekräftigt, dass die Stadt das Klinikareal im Frühling 2024 vom Kreis erwerben will. Neben der Erweiterung der Kita „Am Schlosspark“ plant die Stadt in der ehemaligen Klinik Teile der Verwaltung unterzubringen. Der Bauausschuss hatte im Herbst die Anpassung des Bebauungsplans beschlossen.

Der Landkreis steht zu seinem Wort
Kommentar von Thomas Werz

Der Landkreis steht zu seinem Wort

Es ist gut ein Jahr her, dass die Sana das Ende des Laupheimer Klinik-Standorts besiegelte und das Zentrum für Älterenmedizin aus wirtschaftlichen Gründen beerdigte. Der 28. Oktober 2022 wird wohl als rabenschwarzer Tag in die Geschichte der Laupheimer Gesundheitsversorgung eingehen. Der Ärger und die Enttäuschung in der Bevölkerung und in der Lokalpolitik waren groß – vermutlich auch, weil so mancher das aufziehende Unheil nicht erkennen wollte.

Doch der Landkreis hatte angekündigt, die Stadt bei der medizinischen Versorgung zu unterstützen. Und er steht nun zu seinem Wort. Mit den nun beschlossen Sanierungsarbeiten und der anvisierten Investition von 2,6 Millionen Euro in das Ärztehaus werden in der Eugen-Bolz-Straße Fakten geschaffen, um die ambulante Versorgung für Stadt und Umland zu stärken.

Denn der Blick in die Region zeigt, das Kliniksterben ist in vollem Gange: Laupheim, Riedlingen, Bad Waldsee, Bad Saulgau, Pfullendorf, Leutkirch, Weingarten und Isny sind dicht. In den Häusern in Lindenberg und Sigmaringen werden massiv Stellen abgebaut. Alles in allem ist das eine mehr als beunruhigende Situation für die Bevölkerung zwischen Alb und Bodensee. Zwar ersetzt auch ein ambulantes Ärztehaus trotz aller Investitionen keine notfallmedizinische 24-Stunden-Versorgung. Doch mit modernen Praxisräumen zu fairen Mieten kann der Kreis zumindest die Voraussetzungen und ein Umfeld schaffen, in dem sich weitere Allgemein- und Fachärzte ansiedeln wollen. Und das ist nach den Hiobsbotschaften in der Region ein positives Signal. (tw)