StartseiteRegionalRegion BiberachLaupheimIm Tanzcafé „Moonlight“ feierten die Verkrachten und Übriggebliebenen

Leser aus Schwendi erinnert sich

Im Tanzcafé „Moonlight“ feierten die Verkrachten und Übriggebliebenen

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Stars wie Roy Black, Karel Gott und Wolfgang Petry traten in dem Club auf. Ein SZ–Leser erinnert sich an das „Moonlight“ in Laupheim. Dort lernte er auch seine Frau kennen.
Veröffentlicht:24.08.2023, 05:00

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Im „Moonlight“ in der Laupheimer Berblingerstraße haben einst Stars wie Roy Black, Karel Gott und Wolfgang Petry mit Auftritten die Herzen höher schlagen lassen. Von der Stuttgarter Gegend bis an den Bodensee reichte das Einzugsgebiet des Tanzcafés. SZ–Leser Alwin aus Schwendi hat das Lokal von Anfang bis Ende als Gast miterlebt. Der heute 61–Jährige lernte vor rund 20 Jahren auch seine Frau Elke dort kennen.

Ein Ort für die „Verkrachten“ und „Übriggebliebenen“

Runde Sitzecken auf Teppichboden, eine verspiegelte Bar vor gefliester Tanzfläche und aus den Lautsprechern perlten ungewöhnlich viele Schlager. „Das Ambiente, die Musik und vor allem das Publikum, da hat einfach alles gepasst“, schwärmt Alwin aus Schwendi, der sich für die „Schwäbische Zeitung“ an seine Zeit im „Moonlight“ erinnert. Die Welt der „Disco“ öffnete sich für den gebürtigen Maselheimer schon als Teenager. Ende der 70er legt sein Bruder im legendären Tanzcafé „Lau“ in Laupertshausen auf, der nimmt ihn mit. Mit dem ersten Moped ist Alwin regelmäßig Gast.

Nach oben gab es keine Grenzen.

Alwin

Nachdem das „Lau“ dicht gemacht hatte, kam die Eröffnung des „Moonlights“ Ende der 80er genau zur rechten Zeit. Während das Lokal beim jungen Publikum weniger ankam, war es laut Alwin der Ort schlechthin für Menschen ab 30. „Nach oben gab es keine Grenzen“, lacht er. Hinter vorgehaltener Hand sei dem „Moonlight“ der Ruf eines „Second–Hand–Shops“ vorausgeeilt. „Da verkehrten viele Verheiratete, Verkrachte und Übriggebliebene.“

Stars und Sternchen verkehrten im „Moonlight“

Viele der Gäste reisten mehr als 100 Kilometer an: Autos mit Biberacher Kennzeichen waren meist sogar in der Unterzahl, wie aus einem Zeitungsbericht aus 2007 zur Schließung nach 20 Jahren hervorgeht. Auch in der Clique von Alwin sind damals weit Gereiste. „Mein einer Kumpel kam aus Günzburg, der andere aus Augsburg“, sagt er.

Da lief einfach super Musik.

Alwin

Das Erfolgsrezept des „Moonlights“ erklärt Alwin sich so: „Da lief einfach super Musik“, schwärmt er. Getanzt wurde Discofox, Boogie oder Foxtrott zur Musik von internationalen Künstlern wie etwa den Bee Gees, Michael Jackson und Bryan Adams; aber auch zu Liedern von deutschen Stars wie Sandra, Hubert Kah, und Markus. Während am Wochenende DJs für Stimmung sorgten, sei der Montagabend für Live–Musik von Tanzkapellen reserviert gewesen.

Strenge Türpolitik verleiht dem Tanzlokal Charme

„Der damalige Besitzer Georg Birk hat viele gute Acts und Prominenz herbekommen“, sagt Alwin. So griffen neben anderen Berühmtheiten Wolfgang Petry, Karel Gott, Roy Black und die von Birk geförderte Claudia Jung im „Moonlight“ zum Mikrofon. „Claudia Jung hat ihre Karriere dort begonnen!“ Für eine gewisse Exklusivität des Tanzcafés und dessen guten Ruf habe auch die strenge Türpolitik gesorgt. Für Gäste im Schlabber–Look hätten die Karten auf Einlass schlecht gestanden. „Da mussten manche Gäste postwendend an der Türe umdrehen.“

Ich habe dort meine Frau Elke am Nikolaustag 2002 kennengelernt.

Alwin

Viele in seinem Alter würden es schade finden, dass es das Moonlight heute nicht mehr gibt. „Das war eine schöne Zeit. Die Ära Moonlight habe ich komplett mitgenommen“, sagt Alwin. Er fand dort auch die Liebe seines Lebens. „Ich habe dort meine Frau Elke am Nikolaustag 2002 kennengelernt.“ Damals gehörte er auch zu den „Verkrachten“.

SZ–Leser lernt im „Moonlight“ seine Frau kennen

Doch zur Musik von Phil Collins fand Alwin beim Tanz mit der Unbekannten neues Glück. Der erste Abend endete mit der neuen Bekanntschaft im McDonalds. „Ich habe ihr meine Nummer gegeben, aber sie hat mich erst abblitzen lassen.“ Doch dann das Happy End: Am letzten Tag des Ulmer Weihnachtsmarkts habe die Angebetete seine Nummer rausgekramt und sich gemeldet. „Wir sind auch noch weiterhin zusammen ins Moonlight gegangen.“

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