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Experte gibt Einblicke

Fünf Tipps für frisches Gemüse aus dem eigenen Garten

Region / Lesedauer: 7 min

Kein Erfolg mit dem eigenen Anbau? Der „Herr der Tomaten“ kennt typische Anfängerfehler. Und weiß, wie man sie vermeidet.
Veröffentlicht:26.12.2023, 17:00

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Zu holzig, zu klein, zu angeknabbert: Bei der Aufzucht von Gemüse kann man leicht die Motivation verlieren. Einer, der weiß, wie es richtig geht und worauf man achten muss, ist Michael Schick. Der gelernte Gärtnermeister aus Bronnen ist nicht nur Experte für den Anbau von Gemüse und Kräutern, er ist auch landesweit als der Herr der Tomaten bekannt.

Für ihn liegt der größte Vorteil im Eigenanbau darin, „dass man die Sachen reif und frisch, direkt vom Garten auf den Teller bekommt“. Mit diesen Tipps geht das auch ganz leicht.

Diese Fragen sollten Sie vorab beantworten

Wer sich entschieden hat, Gemüse anzubauen, sollte in einem ersten Schritt radikal ehrlich zu sich selbst sein. Wie viel Zeit habe ich wirklich? Wie geduldig bin ich? Bin ich möglicherweise längere Zeit im Urlaub? Wer die letzte Frage mit ja beantwortet, kann recht schnell einige anspruchsvollere Anbaupflanzen wie Gurke oder Brokkoli ausschließen.

Michael Schick wirbt dafür, Chilis im eignenen Garten anzubauen.
Michael Schick wirbt dafür, Chilis im eignenen Garten anzubauen. (Foto: Yannick Rehfuss)

Wer beispielsweise nicht abwarten kann, bis er sein eigenes angepflanztes Gemüse auch essen darf, sollte sich überlegen, Radieschen anzubauen. Sie sind nicht nur leicht zu ziehen und äußerst resistent gegen Kälte, sie sind auch schon nach etwa sechs Wochen reif zur Ernte. Ziemlich anspruchslos sind auch die meisten Kräuter und Salate.

Auch Chilis eignen sich als Einstiegspflanze. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbausorten sind sie nicht von der gefürchteten Braunfäule bedroht und lassen sich leicht in einem Blumenkasten aufziehen. Außerdem sind viele Arten so schön, dass sie auch als Zierpflanze durchgehen.

Sämlinge aufziehen hat einen entscheidenden Vorteil

Zu Beginn sollte man sich ein geeignetes Plätzchen für das Saatgut suchen, möglichst am Fenster. Das Fensterglas schützt vor UV-Licht, das gerade für junge Pflanzen schädigend sein kann.

Das Saatgut gibt man dann in einen Topf. Schick rät dazu, gleich mehrere Kerne zu säen und später den kräftigsten Sämling umzutopfen. Die anderen Sämlinge können als Nährstoffspender dazu gegeben werden. Schick will mit dieser Vorgehensweise die Natur nachahmen.

Wer es bequem mag, kann sich diesen Schritt auch sparen und Setzlinge aus der örtlichen Gärtnerei beziehen, diese sind allerdings oft Hybridsorten und somit „Einwegpflanzen“. Das Saatgut muss dann jedes Jahr neu gekauft werden.

Besondere Regeln im Freien

Haben die Setzlinge eine gewisse Größe erreicht, dürfen sie auch nach draußen. Dabei sollte man aber darauf achten, dass sie nicht allzu sehr der Sonne ausgesetzt sind. Schließlich können nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen einen Sonnenbrand erleiden.

Haben sie sich aber erst einmal an die Sonne gewöhnt, sollte man mit Sonnenstunden nicht geizen. Denn je mehr Sonne gerade etwas exotischeres Gemüse bekommt, desto aromatischer werden seine Früchte.

Angesichts zunehmender Trockenphasen ist die Bewässerung der Pflanze enorm wichtig. Michael Schick empfiehlt, sie vor allem morgens zu gießen und idealerweise immer wieder mit Flüssigkeit in einer Sprühflasche zu benebeln.

Wer nicht gießen will und handwerklich ein wenig begabt ist, sollte sich überlegen, ein Bewässerungssystem zu installieren. Denn insbesondere Gurken und Zucchini benötigen eine enorme Menge an Wasser.

Von einer Niederlage sollte man sich auf keinen Fall entmutigen lassen.

Michael Schick

Über diese absoluten Basics hinaus unterscheiden sich die Methoden von Hobby- und Profigärtnern deutlich. So geht Michael Schick deutlich weniger rabiat mit seinen Pflanzen um als andere. Er hält wenig davon, die Pflanzen zu „rupfen“. Wenn überhaupt, entfernt er welke Blätter und nutzt diese als Mulchschicht.

Die sogenannte Königsblüte, also die erste große Blüte der Pflanze, lässt er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen stehen. „Das ist im Prinzip wie Kindsraub“, meint Schick. Die Pflanze danke es ihm durch zum Teil kuriose Fruchtformen.

Es geht auch ohne Chemiekeule

Zur Gefahr für die Sprösslinge können auch Schädlinge werden. Schnecken etwa lieben das Gemüse und seine Blätter. Spinnmilben befallen fast alle Gemüsesorten. Ist eine Pflanze hiervon betroffen, rät Schick dazu, sich von ihr zu trennen - auch wenn es hart ist. So können sich die Schädlinge nicht weiterverbreiten. Von Pestiziden hält der Experte jedoch wenig.

Schließlich kann man sich auch ganz ohne Chemiekeule und nur mit ökologischen Haushaltsmitteln die unliebsamen Schmarotzer vom Leib halten. Besonders bewährt gegen Läuse, Mehltau und andere Schädlinge sind Sude aus klein geschnittenem Knoblauch und Zwiebeln, Oregano oder Brennnesseln.

Aber auch schon das regelmäßige Benebeln der Blätter bei Gurken wirke vorbeugend gegen Spinnmilbenbefall, sagt Schick.

Düngen mit Schafswolle

Je mehr Pflanzen angebaut werden, desto notwendiger wird ein Dünger. Doch Obacht! Billiger Flüssigdünger werde zum Teil auch aus ausgepressten Tierkadavern hergestellt, warnt Schick. „Mir ist da nicht wohl. Mir sind da die veganen Alternativen die liebere Methode.“

Er nutzt stattdessen Bioflüssigdünger und Schafswolle. Diese besitzt viele wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Schwefel sowie Phosphor, vor allem aber auch Kalium und Magnesium. Schafwolle eignet sich vor allem als Langzeitdünger.

Ernte gut, alles gut

Zwischen Sommer und Herbst können dann endlich die Früchte der Arbeit geerntet werden. Doch auch einem Experten wie Michael Schick gelingt nicht immer alles: „Von einer Niederlage sollte man sich auf keinen Fall entmutigen lassen“, findet er. Viel eher sollte man dem Gemüse im nächsten Jahr eine zweite Chance geben.