Laupheim

„Die Geierwally“: Am Ende atmen selbst die Nicht-Romantiker auf

Laupheim / Lesedauer: 3 min

„Die Geierwally“: Am Ende atmen selbst die Nicht-Romantiker auf
Veröffentlicht:29.09.2009, 08:32
Aktualisiert:26.10.2019, 08:00

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„Das Leben schreibt doch immer wieder neue Lieder – dies hier ist eins davon“, singt der Chor am Beginn der dramatischen Liebesgeschichte, die zugleich den Weg einer Frau beschreibt, die sich nicht den starren Regeln des Patriarchats beugt.

Zwei Menschen, die lieben bis zur Selbstaufgabe – aber nicht einander. Das Leben des einen endet tragisch, das des andern nimmt eine glücklichere Wendung. Walburga ist die Tochter des Höchst-Bauern Alois Stromminger. Mit nur 14 Jahren holt sich das Mädchen einen jungen Adler aus dem Nest und zieht ihn groß. Der „Hansl“ begleitet die fortan „Geierwally“ genannte junge Frau auf Schritt und Tritt.

Man schreibt das Jahr 1856. Wally ist anders als die Mädchen ihrer Zeit. Sie hat ihren eigenen Kopf, und als der Vater ihr die Liebe zum „Bärenjosef“ mit Prügeln auszutreiben und sie mit dem Vincenz zu verheiraten versucht, stellt sie sich stur. Zur Strafe wird sie auf den Gletscher verbannt, wo sie in Einsamkeit und Kälte selbst hart und kalt wird. Einzig ihre Liebe zu Josef lässt sie auf die Zukunft hoffen. Jahre vergehen, in denen Wally Entbehrungen und Katastrophen erlebt.

Nach dem Tod des Vaters ist Wally die Bäuerin und reich. Immer noch versucht Vincenz, ihr Herz zu erobern. „Was liegt mir an Gut und Geld – das was ich will, kann ich mir auch nicht dafür kaufen“, lamentiert er, als Wally ihm abermals eine Abfuhr erteilt.

Um die Angebetete zu gewinnen, schürt er ihre Eifersucht auf den Bärenjosef und die junge Afra. Es kommt zur Katastrophe: Wally, tief enttäuscht, verspricht, denjenigen zu heiraten, der den Bärenjosef tötet. Vincenz zögert nicht lange, doch als Josef in die Schlucht gestürzt ist, bereut Wally ihre Worte und holt den Schwerverletzten eigenhändig aus der Tiefe. Danach zieht sie sich – vom Leben gebrochen – auf den Gletscher zurück. Sehnsüchtig und melancholisch erklingt die Violine, während Wally ihren Traum begräbt.

In den Zuschauerreihen wird geseufzt. Wohl keine der anwesenden Damen wünscht sich in die raue Bergwelt des 19. Jahrhunderts zurück, in der starke Frauen offenbar dem Untergang geweiht waren. Doch noch ist das Stück nicht zu Ende; letztlich wendet sich alles zum Guten. Während Vincenz aus Verzweiflung Selbstmord begeht, löst Josef das Geheimnis um Afra auf und bekennt Wally seine Liebe.

Publikum spürt die Einsamkeit

Es ist ein Stück, das keinem Genre zuzuordnen ist; eine unterhaltsame Mischung aus Liebesdrama, Burleske und Musiktheater. In einem Moment zittert man mit Wally, im nächsten lacht man, wenn einer der Schauspieler den „Geier“ Hansl mit Krumen füttert: Der Vogel wird „gespielt“ vom Saxofon, das sich immer wieder lautstark bemerkbar macht. In mancher Szene sorgt ein derb-lustiger Spruch für Lacheffekte.

Und als sich Wally und Josef am Ende endlich kriegen, atmen nicht nur die Romantikerinnen im Publikum erleichtert auf.