Insolvenz

Deutsche Investoren steigen bei derFirma Lindenmaier Slovakia ein

Laupheim / Lesedauer: 2 min

Gläubiger stimmen dem vorgelegten Insolvenzplan zu – Der InsolvenzverwalterHans-Jörg Derra spricht von einer „befriedigenden Lösung“
Veröffentlicht:31.01.2011, 17:30
Aktualisiert:25.10.2019, 21:00

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Vor vier Jahren war die Welt beim Automobilzulieferer Lindenmaier Slovakia in Ordnung. Damals weihte das Unternehmen in der Kleinstadt Surany für mehr als 7 Millionen Euro ein neues modernes Werk ein. Die Branche boomte.

Die Wirtschaftskrise setzte dem Höhenflug jäh ein Ende. Nach massiven Umsatzverlusten und dem Zusammenbruch der Firmenmutter und alleinigen Gesellschafterin Lindenmaier AG in Laupheim kündigte die Tatra Bank Bratislava im April 2009 sämtliche Kredite. Dem Geschäftsführer in Surany, Matthias Lindenmaier, blieb nur der Gang zum Insolvenzrichter. Der Firma drohte die Zerschlagung.

Seit gestern steht fest: Lindenmaier Slovakia hat eine Zukunft. Vor dem Amtsgericht Ravensburg billigten die Gläubiger einstimmig den vom Ulmer Insolvenzverwalter Hans-Jörg Derra ausgearbeiteten Insolvenzplan und machten so den Weg frei für eine Sanierung. Im Zuge eines Planverfahrens sollen die nicht gesicherten Gläubiger auf ihre festgestellten Forderungen eine Quotenzahlung in Höhe von 36 Prozent erhalten. Die Tatra Bank als Hauptgläubigerin verzichtet auf einen siebenstelligen Betrag und wandelt die verbleibenden Forderungen in einen langfristigen Kredit um; als Sicherheiten dienen die Firmengebäude und das Grundstück. Eine slowakische Baufirma akzeptiert eine Einmalzahlung und lässt alle weiteren Ansprüche fallen.

Die Geschäftsanteile der Lindenmaier Slovakia werden von der in Schwerin ansässigen Länneken Invest GmbH übernommen. Dahinter stehen nach Auskunft von Hans-Jörg Derra norddeutsche Unternehmer, die in der Automobilindustrie tätig sind. Matthias Lindenmaier sei ebenfalls Gesellschafter bei Länneken, „aber nicht der bestimmende“. Er soll auch künftig den Betrieb in der Slowakei leiten. Der Firmenname bleibt zunächst. Die Investorengruppe garantiert die Erfüllung des Insolvenzplans und stellt das für die Sanierung benötigte Kapital bereit.

„Das ist eine befriedigende Lösung und für die Gläubiger eine achtbare Quote“, sagt Hans-Jörg Derra. Bei einem Aus für das Unternehmen hätten sie sich „deutlich schlechter“ gestellt. Die Zeit drängte, hatten doch die wichtigsten Kunden von Lindenmaier Slovakia angekündigt, in Bälde ihre Aufträge abzuziehen, sollte das Insolvenzverfahren nicht beendet werden. Sie sahen ein unvertretbares Risiko, dass ihr Lieferant ausfallen könnte.

Vergeblich hatte Derra sich bemüht, das Unternehmen im Zuge einer übertragenden Sanierung zu veräußern. Knackpunkt sei stets der Kaufpreis der Betriebsimmobilie gewesen.

Die jetzige Lösung entschulde Lindenmaier Slovakia und erhalte die Arbeitsplätze, erklärte Derra. Aktuell beschäftigt die Firma 129 Mitarbeiter, „mit steigender Tendenz“. Vor der Insolvenz waren es bis zu 280 gewesen. Unter den heutigen Kunden ist auch der Lindenmaier-Nachfolger in Untersulmetingen, MSR.