Reinheitsgebot

Als der Handel mit Hopfen gedieh

Laupheim / Lesedauer: 2 min

Sabine Maucher erzählte bei Museumsführung Laupheimer Biergeschichten
Veröffentlicht:28.04.2016, 15:52
Aktualisiert:23.10.2019, 16:00

Von:
Artikel teilen:

Es ist gerade in aller Munde, das Reinheitsgebot vom April 1516. Erlaubt ist demnach beim Bierbrauen lediglich die Verwendung von Gerste, Wasser und Hopfen. Der Handel mit Hopfen gehört zu Laupheim. Sabine Maucher hat aus diesem Anlass am Sonntag im Museum zur Geschichte von Christen und Juden über „Hopfen, Steiner und Laupheimer Biergeschichten“ berichtet.

Dass der Hopfen zu Laupheim gehört, liegt nicht zuletzt an der Beliebtheit des Gerstensafts in der Region. 785 Brauereien wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in Oberschwaben (genauer: im Donaukreis) gezählt. Bis zu 8000 Zentner Hopfen wurden zur Bierherstellung verbraucht. Da liegt es nahe, es einmal mit dem Hopfenanbau im eigenen Garten zu probieren, obgleich der Hopfen, so Sabine Maucher bei ihrer Museumsführung, als „launische Pflanze“ gilt. Doch nicht nur in Laupheim verdiente man im 19. Jahrhundert seinen Lebensunterhalt mit dem Hopfenanbau, sondern auch in Wain. 200 bis 300 Zentner konnte man hier im Jahr ernten, erzählte die Museumsführerin. Man lebte dabei wohl gar nicht schlecht: „Hopfenanbau macht reiche Leut“, dieser Spruch kreiste damals in der Region. Immerhin ein Drittel des Bedarfs bei der Bierbrauerei konnte einst aus dem Ertrag vom eigenen Grundstück gedeckt werden.

In Laupheim gedieh nicht nur die Hopfenpflanze, sondern auch der Handel mit Hopfen. Die Stadt wurde zum Geburtsort des internationalen Hopfenhandels. Dieser ist verbunden mit dem Namen Steiner. Im ehemaligen Esszimmer der Familie Steiner im Schloss Großlaupheim breitete Sabine Maucher die Geschichte der Familie aus. Das Interieur mit Täfelung und Kronleuchter stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und lieferte das passende Ambiente.

„Global Player“ im Hopfenhandel

Im 19. Jahrhundert wurde auch der Grundstein gelegt für eines der weltweit größten Handelshäuser für Hopfen. Gründer ist der im Jahr 1794 geborene Heinrich Steiner. Sein Sohn Simon Heinrich Steiner machte aus dem Betrieb seines Vaters einen „Global Player“. Der Nationalsozialismus setzte dem Laupheimer Hopfenhandel durch die Steiners vorübergehend ein Ende. Nach dem Krieg wurde der Handel bis in die 90er-Jahre in Laupheim fortgesetzt, dann in die Hallertau verlagert.

Das Schloss war lange Zeit Sitz einer Brauerei, Mälzerei und Brauereiwirtschaft. „Die Familie Steiner wurde mit ihrer Hopfenhandlung und ihrem Brauereibetrieb mit anschließendem landwirtschaftlichem Mustergut der größte Arbeitgeber in Laupheim“, erzählte Sabine Maucher bei ihrer aufschlussreichen Führung. Dies habe die Entwicklung Laupheims zur Oberamtsstadt entscheidend beeinflusst.

Mehr Berichte zum Thema „500 Jahre Reinheitsgebot“ unter: www.schwaebische.de/reinheitsgebot