StartseiteRegionalRegion BiberachLaupheimAn der Öffentlichkeit vorbei: Laupheimer Firma Colep wickelt sich ab

„Klammheimliche“ Werksschließung

An der Öffentlichkeit vorbei: Laupheimer Firma Colep wickelt sich ab

Laupheim / Lesedauer: 4 min

Der Pharma-Verpacker aus Laupheim schließt sein Werk. Weder IHK noch Gewerkschaft bekommen etwas mit. Vieles liegt im Trüben, auch was mit den rund 100 Beschäftigten geschieht.
Veröffentlicht:30.09.2023, 17:00

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Der Aerosolabfüller und Verpackungsspezialist Colep schließt zum 31. Oktober seinen Standort Laupheim. Die Produktion wurde bereits im Frühling eingestellt, die Mitarbeiter freigestellt. Aktuell wickelt eine verbliebene Rumpfmannschaft die Laupheimer Niederlassung des zum portugiesischen RAR-Konzern gehörenden Unternehmens ab.

Ein Unternehmen muss nicht damit hausieren gehen, wenn es sich strategisch neu aufgestellt oder seine Geschäftstätigkeit einstellt.

Dennoch verwundert es, dass der Pharma-Lohnabfüller Colep, der bis zum Frühjahr um die 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Laupheim beschäftigte, sein Werk schließt und das Geschäft aufgibt, ohne dass dies in der Öffentlichkeit bekannt wird.

Nach Recherchen der „Schwäbischen Zeitung“ steht die Aufgabe des Laupheimer Werks bereits seit März 2022 fest. Auf der Website des Unternehmens finden sich bis jetzt dazu keinerlei Informationen.

Konzernbericht verweist auf geplante Schließung deutscher Werke

Im Geschäftsbericht für das Jahr 2022, den die Colep Consumer Products Portugal auf der Website des Mutterkonzerns RAR zum 30. März 2023 veröffentlichte, wird auf die Schließung der deutschen Werke in Laupheim und Bad Schmiedeberg (Sachsen-Anhalt) verwiesen. „Im ersten Quartal 2022 wurde die Entscheidung getroffen, den im Werk Bad Schmiedeberg angesiedelten Betrieb sowie den Produktionsbetrieb der Colep Laupheim GmbH & Co. KG einzustellen“, heißt es im Geschäftsbericht.

Das ist erstaunlich geräuschlos abgelaufen.

Tobias Keppler

Dort wird auch darauf verwiesen, dass alle Standorte und Betriebe die Herausforderungen des Jahres 2022 trotz Preissteigerungen, Energie- und Rohstoffkrise meistern hätten können. Der Gruppe sei es gelungen, „eine gute operative Profitabilität zu erreichen. Konsolidiert steigerte Colep Consumer Products seinen Umsatz von 251 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 283 Millionen Euro im Jahr 2022“, heißt es im Geschäftsbericht.

Noch im Frühjahr Hochregallager erweitert

Noch am 9. Februar 2023 hatte die „Schwäbische Zeitung“ darüber berichtet, dass Colep in der Fockestraße die Kapazität für sein Gefahrstofflager erweitern möchte, um dort 150 Tonnen entzündbare Gase und Flüssigkeiten lagern zu können. Bereits damals hatte das Unternehmen abgelehnt, sich zu den Plänen zu äußern. Doch offensichtlich war die Schließung des Werks zu diesem Zeitpunkt beschlossene Sache.

In einer Anzeige in der „Schwäbischen Zeitung“ am 11. September hatte das Auktionshaus Maynards mit für eine Online-Auktion geworben, in der die Betriebsausstattung von der Büroeinrichtung bis zur Prozesstechnik des Colep-Werks in der Fockestraße versteigert wird. Die Auktion endete bereits am 26. September.

Geschäftsführung nimmt keine Stellung

Trotz mehrfacher Nachfrage, telefonisch und per E-Mail, zu den Gründen der Schließung des Laupheimer Werks, gibt es von Seiten des Unternehmens keine Stellungnahme. „Wir verzichten darauf, Ihr freundliches Angebot zur Stellungnahme anzunehmen“, schreibt Geschäftsführer Christian Schmidt in einer kurzen E-Mail.

Weder Gewerkschaft noch IHK wissen Bescheid

Beim Ulmer Büro der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist man über die Nachfrage zur Werksschließung überrascht. Frank Plückelmann, Gewerkschaftssekretär des Bezirks Ulm, erfährt durch die SZ-Recherchen davon. „Von Colep wurden wir nicht informiert. Wir haben zur Schließung des Betriebs keine Information“, erklärt Plückelmann. Zum Unternehmen haben die IG BCE in den vergangenen Jahren keinen Kontakt gehabt.

Wir wissen nicht, dass Colep Laupheim Schwierigkeiten hatte.

Petra Engstler-Karrasch

Auch bei der Industrie- und Handelskammer Ulm liegen keine offiziellen Informationen zur Geschäftsaufgabe von Colep in Laupheim vor. „Jedes mittelständische Unternehmen, das wegbricht, ist für einen Standort traurig“, sagt Petra Engstler-Karrasch, Hauptgeschäftsführerin IHK Ulm. Es betreffe nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch den Branchenmix.

„Wir würden uns wünschen, dass Unternehmen mit uns ins Gespräch gehen. In vielen Fällen kann man gemeinsam mit dem Land gemeinsame Lösungen finden.“ Allerdings habe es keinen direkten Kontakt zu Colep gegeben. „Wir wissen nicht, dass Colep Laupheim Schwierigkeiten hatte. So ist davon auszugehen, dass es sich um eine Konzernentscheidung handelt“, vermutet Engstler-Karrasch.

Colep informierte laupheimer Unternehmerkreis

Beim Laupheimer Unternehmerkreis (LUK) weiß man offenbar seit Anfang September 2022 von der geplanten Werksaufgabe Bescheid. Damals hatte Geschäftsführer Christian Schmidt den LUK-Vorsitzenden Tobias Keppler in einer E-Mail „über die schrittweise Schließung des Colep-Werks in Laupheim informiert“.

Er habe die Mail auf Schmidts Wunsch an alle LUK-Mitglieder weitergeleitet. Auch mit der Möglichkeit, Colep-Mitarbeiter an andere Laupheimer Firmen weiterzuvermitteln. „Das Angebot wurde von den LUK-Unternehmen begrüßt und genutzt“, so Keppler.

Die Mitgliedschaft im LUK sei durch Colep im Frühling 2023 gekündigt worden, diese laufe Ende dieses Jahres aus. Im Kündigungsschreiben habe Colep erneut darauf hingewiesen, „dass die Produktion am Standort Laupheim eingestellt und das Werk ab Ende Oktober 2023 stillgelegt sein wird“, schreibt Keppler. Im Gespräch mit der SZ sagt er: „Das ist erstaunlich geräuschlos abgelaufen.“

Was nach dem 31. Oktober mit dem Firmengelände und den Betriebsstätten passiert, ist wohl noch nicht völlig geklärt. Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ gibt es wohl Interessenten für die Weiternutzung des Areals.