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Sammelserie: „Wer bietet mehr?“

Dieser Sammler besitzt 44 Borduhren der Luftwaffe 

Gutenzell-Hürbel / Lesedauer: 3 min

Peter Herle aus Gutenzell-Hürbel arbeitete für die Luftwaffe. Nun hat er eine große Sammlung an Uhren — die nicht ganz ungefährlich ist.
Veröffentlicht:23.08.2023, 05:00

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Es tickt laut und gleichmäßig in dem kleinen Raum bei Peter Herle. 44 Borduhren, auch Cockpit–Uhren genannt, schlagen hier im Takt. Daneben steht ein Messgerät, das die radioaktive Strahlung misst, die von einigen der Uhren ausgeht.

Was sind Borduhren?

Der 59–Jährige sammelt Borduhren, die vorrangig in militärischen Flugzeugen und Hubschraubern verbaut sind. Er besitzt unter anderem einige „Blindfluguhren“, die dabei helfen, sich in der Luft zurechtzufinden.

Sie sind ein Teil des Navigationssystems beim Instrumentenflug, erklärt der Sammler, der mit seiner Leidenschaft Teil unserer SZ–Sommerserie „Wer bietet mehr?“ ist.

Während eines solchen Flugs orientieren sich die Pilotinnen und Piloten dem Sammler zufolge nicht daran, was sie außerhalb des Flugzeugs sehen, sondern an den Instrumenten im Cockpit – die Borduhr ist eins davon. Mit deren Hilfe hätten die Piloten ausgemacht, nach welcher Zeit sie welchen Punkt in der Luft erreichten.

Uhren stammen teilweise aus dem Zweiten Weltkrieg

In erster Linie zeigen Borduhren somit die Uhrzeit an. Neben Blindfluguhren umfasst Peter Herles Sammlung auch Borduhren, die speziell für die Navigatoren und Funker konzipiert waren. Sämtliche Uhren stammen aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach, wie er sagt.

Die Farbe der Ziffern ist leicht radioaktiv

Die Ziffern einiger Borduhren des Sammlers leuchten ohne Batterie im Dunkeln, weil sie aus Farben bestehen, die mit einer radioaktiven Substanz zum Leuchten gebracht werden. Aus diesem Grund geben manche seiner Borduhren eine leicht radioaktive Strahlung ab. 

In meiner Verspieltheit habe ich die auseinander genommen, von der existiert heute nichts mehr.

Peter Herle

Dabei handelt es sich jedoch lediglich um „Alphastrahlung“, die Strahlen reichen somit nicht weit und werden mit der Zeit schwächer. Bereits die Vitrinen, in denen Peter Herle seine Borduhren aufbewahrt, schirmen die radioaktiven Strahlen ab.

Es begann mit der Uhr seines Opas

Seine erste Borduhr bekam er als Jugendlicher von seinem Opa geschenkt. „In meiner Verspieltheit habe ich die auseinander genommen, von der existiert heute nichts mehr“, sagt der 59-Jährige schmunzelnd.

Mit den Borduhren kam er auch im Erwachsenenalter noch in Berührung: Der heutige Industriemechaniker machte eine Ausbildung beim technischen Dienst der Luftwaffe und seine Stammeinheit befand sich am Flughafen Memmingerberg.

Der Sammler arbeitete bei der Luftwaffe am Memmingerberg

Dort hatte er Aufgaben wie tanken, Öl auffüllen, Reifen wechseln, Instrumente prüfen und Inspektionen durchführen, sagt Peter Herle. Auch die Borduhren im Cockpit testete er auf ihre Funktion.

Er bezieht seine Uhren über das Internet und andere Sammler

Dennoch setzt der Sammler seine eigenen Uhren nicht selbst instand, sondern lässt sie von Uhrmachern reparieren oder schickt sie bei den Original–Firmen ein, von denen sie stammen, zum Beispiel der Frankfurter Firma „Sinn“. Von diesem Unternehmen ist auch seine Lieblingsuhr, eine „Nabo 17 ZM“.

Von seinen Borduhren sei sie am weitesten entwickelt und mache auch optisch am meisten her, wie Peter Herle sagt. All seine Stücke bezieht er über Internetplattformen wie Ebay oder über befreundete Sammler, „von Kiel bis zum Bodensee“.

Neue Flugzeuge und Hubschrauber fliegen meist mit digitalen Instrumenten

Allerdings seien die Uhren eine „aussterbende Sache“, räumt der Sammler ein. Zwar gibt es noch Hubschrauber, in deren Cockpits sich Borduhren dieser Art befinden, aber neuere Hubschrauber wie der Ulmer Rettungshubschrauber Christoph 22 verfügen bereits über Cockpits mit digitalen Instrumenten.