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Gemeinde muss Biberprojekt alleine stemmen

Ertingen / Lesedauer: 4 min

Der Nager sorgt bei Binzwangen für Überflutungen. Rund 880.000 Euro Kosten kämen auf die Gemeinde Ertingen zu.
Veröffentlicht:02.12.2023, 11:50

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Seit etwa 13 Jahren sorgt der Biber am Soppenbach auf der Gemarkung Binzwangen für großflächige Vernässungen von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Aufstauungen durch Biberburgen überfluten immer mehr Flächen, die somit nicht mehr bewirtschaftet werden können; auch Ufergrundstücke am Soppenach werden unterspült.

Biber ist an allen Gewässern beheimatet

In der Sitzung des Eringer Gemeinderats in Binzwangen stellte der Leiter des Flurneuordnungsamtes beim Landratsamt Biberach, Christian Helfert, ein Biberprojekt in Unter-/Oberwachingen vor, das auch beispielhaft eine Lösung für den Bereich des Soppenbaches sein könne. Der Biberbeauftragte Josef Grom stellte gleich zu Beginn klar, dass es kein Gewässer in der Umgebung mehr gebe, an dem der Biber nicht beheimatet sei.

Flurneuordnung als wirksames Instrument

Bereits Anfang des Jahres fand eine Ortsbegehung am Soppenbach im Ortsteil Binzwangen und anschließender Diskussionsrunde mit den Fachbehörden des Landratsamtes, der Archäologischen Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Stuttgart, dem Binzwanger Ortsvorsteher Wolfgang Gaber, den Ortsobmännern Stephan Münst und Reinhold Mayer sowie dem Ertinger Bürgermeister Jürgen Köhler statt. Man war sich bewusst, dass bei einem solchen Projekt viele Beteiligte an einem Strang ziehen müssen, um eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden. Die Flurneuordnung sei hier ein wirksames und zukunftsträchtiges Instrument, um Nutzungskonflikte im ländlichen Raum nachhaltig zu entschärfen und dies auch über die Landkreisgrenzen hinweg.

Konflikt besteht seit 13 Jahren

Seit dem Jahr 2010 bestehe der Biberkonflikt am Soppenbach. Großräumig setze der Nager Wälder und Grundstücke unter Wasser und sorge auch für Unterhöhlungen, die gerade für die Landwirtschaft erhebliche Folgen haben können. Durch die Aufstauungen laufen auch Drainagen nicht ab, die laufend verstopft sind. „Seit letztem Jahr eskaliert die Situation zur Gemarkungsgrenze Hundersingen“, berichtete der Biberbeauftragte Josef Grom. Bisher habe man keine nachhaltige Lösung des Biberproblems in besagtem Gebiet gefunden. Gemeinden und Land und hier auch die Domäne, müssten seiner Ansicht nach Flächen einbringen, was für solch ein Biberprojekt nur nützlich sein könne. Allerdings gebe es keine finanzielle Förderung beim Grunderwerb. Eventuell müsste sich auch der Naturschutz bei FHH-Gebieten in dieser Sache beteiligen. Grom bezeichnete die Flurneuordnung als wichtiges Instrument, weil dadurch viel machbar werde.

Gemeinde hat kaum eigene Grundstücke

Christian Helfert vom Flurneuordnungsamt stellte dem Gemeinderat Lösungsmöglichkeiten im Rahmen eines Flurneuordnungsverfahren vor. Zuvorderst nannte er den Grundstückserwerb oder -tausch. So soll der Landwirt wieder bewirtschaftbares Land bekommen. Allerdings hat die Gemeinde in diesem Bereich so gut wie keine eigenen Grundstücke. Durch das Flurneuordnungsverfahren könne man links und rechts des Soppenbaches sogennante Gewässerentwicklungszonen schaffen, um dadurch landwirtschaftliche Flächen zu retten. Bei dieser Baumaßnahme werde auch der gezielte Wasseraufstau für den Bereich des Bibers vollzogen, so dass er dann in dem ihm zugedachten Bereich sein Revier und seinen Lebensbereich habe.

Zwei Millionen Euro an Ökopunkten

Bei so einem Biberprojekt werde das Flurneuordnungsverfahren mitgetragen, aber auf die Gemeinde Ertingen kämen Kosten in Höhe von rund 880.000 Euro zu. Ob hier der Naturschutz sich in den FFH-Gebieten mit einbringe, müsse man prüfen. „Nach heutigem Stand müsste die Gemeinde das Projekt selbständig stemmen“, so Christian Helfert. Als Refinanzierung stehen dem zwei Millionen Euro an Ökopunkten gegenüber, die aber momentan auch nicht mehr so stark gehandelt werden. Zudem müssten sich alle Grundstücksbesitzer an dem Projekt beteiligen. Wenn ein Grundstücksbesitzer nein sage, sei es zum Scheitern verurteilt.

Bereitschaft zu Tausch oder Verkauf nötig

Für Ortsobmann Stephan Münst aus Binzwangen führt kein Weg an einem Biberprojekt vorbei. Nur so könne langfristig vermieden werden, dass der Nager sich weiter am Soppenbach ausbreitet. Entscheidend für ihn ist die Bereitschaft der Landwirte und Grundstücksbesitzer, Flächen zu tauschen oder zu veräußern und wie dabei die Entschädigung oder der Ausgleich an bewirtschaftbaren Flächen für die betroffenen Landwirte aussieht.

Information für Landwirte und Eigentümer

Am 11. Dezember sollen die Landwirte und Grundstücksbesitzer über das Biberprojekt weiter informiert werden, um dann weitere Schritte zu gehen, was natürlich auch mit der Entscheidung des Gemeinderats zusammenhängt. Christian Helfert wird zusammen mit seinen Mitarbeitern an diesem Termin in den Räumen der Begegnung in Binzwangen dabei sein.