StartseiteRegionalRegion BiberachHolzgestalter will aus der Wielandlinde in Biberach ein Kunstwerk machen

Der 300 Jahre alte Baum ist krank

Holzgestalter will aus der Wielandlinde in Biberach ein Kunstwerk machen

Biberach / Lesedauer: 3 min

Der knapp 300 Jahre alte Baum ist krank. Welche Ideen Holzgestalter Bernhard Schmid jetzt für den für Biberach historisch bedeutsamen Baum hat.
Veröffentlicht:02.06.2023, 05:00

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Was wird aus der kranken Wielandlinde? Diese Frage beschäftigt seit Kurzem nicht nur Stadtverwaltung und Gemeinde, sondern Biberacher Bürgerinnen und Bürger, denen das Andenken an den großen Dichter Christoph Martin Wieland wichtig ist. Möglicherweise könnte der knapp 300 Jahre alte Baum ein zweites Leben als Kunstwerk erhalten.

Fakt ist, dass die Äste der pilzbefallenen Linde in nächster Zeit aus Gründen der Verkehrssicherheit gekürzt werden müssen. Dann steht von dem einst stattlichen Baum, unter dem sich im August 1750 Wieland mit Sophie Gutermann verlobt haben soll, nur noch ein Torso. Dieser soll laut einem Beschluss des Bauausschusses dann als Habitatbaum für verschiedene Arten stehen bleiben.

Besuch in Biberach

In der Bauausschusssitzung kam aber auch die Anregung, die Überreste des Baums künstlerisch zu gestalten. Freie–Wähler–Stadträtin Magdalena Bopp brachte den Namen des Holzkünstlers Bernhard Schmid aus Rettenbach (Kreis Günzburg) ins Spiel, zu dem auch Barbara Leuchten, Präsidentin der Wieland–Gesellschaft Biberach, bereits Kontakt aufgenommen hatte. Schmid hatte 2021 den abgestorbenen Jakob–Fischer–Urbaum in Rottum in Kunstwerke verwandelt.

Schmid war vorige Woche in Biberach und hat sich die Wielandlinde zusammen mit Barbara Leuchten, Magdalena Bopp und Grünen–Stadträtin Silvia Sonntag genauer angesehen. „Aus meiner laienhaften Sicht ist der Baum absolut angezählt“, sagt er zum Zustand der Linde. Er könne aber nicht in den Baum hineinschauen. „Ich bin auch nicht derjenige, der sagt: Macht den Baum um, und ich mache eine Skulptur daraus“, so Schmid.

Schreiben an OB und Landrat

Er wolle zunächst an Oberbürgermeister Norbert Zeidler und Landrat Mario Glaser schreiben, um zu erörtern, wie es mit der Linde weitergehen könnte und wie sie zu dem Thema stehen. „Der Baum hat meines Erachtens eine lokale, regionale, aber auch nationale Bedeutung, weil in seinem Schatten der Startschuss für Wielands weitere literarische Entwicklung fiel“, so Schmid.

Diese sei eng verknüpft mit Weimar, Goethe, Schiller und Herder. „Wielands enge Verbindung zu dieser Linde macht ihn als Mensch sichtbar, sein Lieben, sein Denken, seine Naturverbundenheit. Sein Entschluss, Schriftsteller zu werden nimmt hier seinen Anfang“, sagt Schmid.

Hier sei wie beim Jakob–Fischer–Urbaum die Verbindung Baum–Mensch sehr klar und überdauerte Generationen. „Für mich ist es wie ein ,Blättern’ in unserer gesellschaftlichen und kulturellen Vergangenheit“, meint der Künstler.

Ich stünde bereit, etwas aus dem Baum zu machen, wenn es für alle in Ordnung ist und aus Biberach das Signal kommt: Wir wollen da auch.

Holzgestalter Bernhard Schmid

Seit zwei Jahren seien die Jakob–Fischer–Skulpturen auch auf seinen Ausstellungen zu sehen. „Viele kannten die Frucht und die Streuobstsorte, jedoch sehr wenige die Geschichte und die nahe Heimat des Baums. Viele Besucher staunen und sind zutiefst berührt, nicht wenige erzählen mir ihre eigene Geschichte mit diesem Baum.“

„Ich bin kein Beuys“

So ähnlich könnte sich Bernhard Schmid das auch mit der Wielandlinde vorstellen. Derzeit sei er dabei, sich in die gesamte Thematik einzulesen und erste Gedanken zu entwickeln. Ideen seien da, aber noch nicht spruchreif.

„Ich stünde bereit, etwas aus dem Baum zu machen, wenn es für alle in Ordnung ist und aus Biberach das Signal kommt: Wir wollen da auch.“ Provozieren oder mit dem Kopf durch die Wand wolle er hingegen nicht. „Ich bin kein Beuys.“ Seine Vision sei, dass der Baum mit seiner Geschichte noch einmal neu weiterlebe und für die nächste Generation da sei.