Gasthof

Rössle in Füramoos: Ein Gasthof mit Tradition und gemütlichem Biergarten

Eberhardzell / Lesedauer: 4 min

An lauen Sommergarten ist der Biergarten des Rössle voll. Dort gibt es nicht nur die schwäbischen Klassiker, sondern auch vegetarische und vegane Kreationen, die neugierig machen.
Veröffentlicht:01.08.2022, 11:00

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Raus aus der Stadt, ab aufs Land: Egal ob am Wochenende oder im Urlaub, ein Ausflug ins Grüne lohnt in Oberschwaben immer. In loser Reihenfolge stellt die „Schwäbische Zeitung“ in dieser Sommer-Serie Gasthöfe rund um Biberach vor, die einen Besuch lohnen und sich gut mit einer Radtour, einem Spaziergang oder der Besichtigung einer regionalen Sehenswürdigkeit verbinden lassen. Lesen Sie, wer den Gasthof betreibt, was es dort Leckeres zu Essen gibt und wer sich dort trifft.

Um viertel vor fünf stehen die ersten Radler am Eingang vom Biergarten. Eigentlich ist noch gar nicht geöffnet, doch das stört nicht, willkommen sind sie auch jetzt schon. Die Tische im Biergarten sind gedeckt, ein laues Lüftchen weht zwischen den mächtigen Kastanien mit den weit ausladenden Ästen hindurch, trotz der Hitze an diesem Tag ist es angenehm kühl im Schatten. Für diesen Biergarten ist das Gasthaus Rössle in Füramoos bekannt – und für sein Hähnchen.

Schon damals, als noch die Mutter von Karl-Heinz Linder in der Küche stand, war das halbe Hähnchen das, das sich am besten verkaufte. Und das ist bis heute so. Inzwischen steigt der Gastwirt jedoch ins Auto und fährt eine knappe Stunde, um seinen Gästen freilaufende Hühner aus der Region Vorarlberg servieren zu können.

Speisekarte umgekrempelt

Seit der 44-Jährige zusammen mit seiner Ehefrau Irina den Gasthof Rössle übernommen hat, haben sie nach und nach die Speisekarte umgekrempelt. „Wir merken, dass die Gäste immer mehr Wert darauf legen zu erfahren, was auf ihren Teller kommt. Und uns ist das auch wichtig“, sagt er.

Der Schwerpunkt der Speisekarte liegt weiterhin auf traditionell schwäbischen Gerichten, es gibt Wurstsalat und Zwiebelrostbraten. Aber es gibt eben auch eine gute Auswahl an vegetarischen und veganen Speisen, die neugierig machen, wie zum Beispiel gefüllte Dinkelflädle mit Grillgemüse und Emmentaler überbacken oder Pfifferling-Gemüsestrudel mit Kräutersoße.

Lieferanten gewechselt

Vor allem in den vergangenen zwei, drei Jahren hat Familie Linder nach und nach die Lieferanten für ihre Lebensmittel gewechselt – es wird regionaler. Die Säfte kommen vom Bentele in Englisweiler, Familie Längle aus Mühlhausen liefert Kartoffeln und Blatsalate, das Hackfleisch kommt vom Badhof 5.

Die Gäste honorieren das, indem sie immer wieder kommen. An den meisten Abenden im Sommergarten sind alle Tische im Biergarten reserviert, so auch heute. Bis zu 90 Essen gehen an einem Abend über die Theke. Zur Mittagszeit hat das Gasthaus nur noch sonntags geöffnet, geschlossen ist aufgrund von Personalmangel inzwischen montags und dienstags. „Wir haben ein Einzugsgebiet von rund 25 Kilometern in alle Richtungen und wer einmal hier, kommt in der Regel wieder. Fast alle unsere Gäste sind Stammgäste“, freut sich die 41-Jährige.

Viele Stammgäste

Das ist bei diesem Standort aber auch nötig, denn aus Versehen verirrt man sich nicht nach Füramoos. Das kleine Dorf, das zu Eberhardzell gehört, liegt weit ab vom Schuss zwischen Wiesen und Wäldern. Diese Idylle ist es aber auch, die den Besuch so gemütlich macht. Es hockt sich gut in dem großen grünen Garten und so kommt es nicht selten vor, dass dem ersten Bier zwei, drei weitere folgen. Neue Gäste gibt es jedes Jahr immer dann, wenn das Biberacher Theater ohne Namen und die Füramooser Theatergruppe im großen Saal im Haus spielen, denn die meisten Zuschauer essen davor noch eine Kleinigkeit im Gasthof.

Karl-Heinz Linder hatte eigentlich nicht geplant, das Gasthaus zu übernehmen. Nach dem Schulabschluss lernte er erst einmal Schreiner und studierte danach BWL. Auch Profi-Fußballer zu werden, war viele Jahre lang ein Traum. Als sich jedoch dann abzeichnete, dass das Haus entweder grundlegend saniert oder der Betrieb aufgegeben werden muss, trafen er und seine Frau die Grundsatzentscheidung, zu übernehmen.

Seit vielen Generationen Familienbetrieb

Wie viele Generationen vor ihnen die Gaststätte schon bewirtschafteten, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. „Das Haus wurde aber schon 1632 als Gaststätte erwähnt und seitdem hat es immer meine Familie betrieben“, erklärt der 44-Jährige. Für ihn war klar, dass er diese Tradition nicht enden lassen möchte.

„Und gekocht habe ich immer schon gerne, schließlich bin ich hier im Haus aufgewachsen und habe meine Mutter stets beim Kochen zugeschaut“, erzählt er mit einem Lachen. Dort, wo sich heute im Obergeschoss die Fremdenzimmer befinden, wohnte die Familie noch, als Karl-Heinz Linder klein war. Heute wohnen er, seine Frau und die beiden Kinder genau gegenüber.