StartseiteRegionalRegion BiberachDürmentingenVersuchter Mord: Mann sticht Kollegen Messer in den Rücken

Bluttat am Arbeitsplatz

Versuchter Mord: Mann sticht Kollegen Messer in den Rücken

Dürmentingen/Ehingen / Lesedauer: 3 min

Ein Mann aus Ehingen sticht in Dürmentingen seinen Vorarbeiter nieder. Der überlebt. Jetzt sehen sie sich vor Gericht.
Veröffentlicht:10.02.2024, 17:00

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Vor dem Landgericht Ravensburg hat der Prozess gegen einen 56-jährigen Mann aus Ehingen begonnen. Dieser soll im August vergangenen Jahres seinen ehemaligen Vorarbeiter in einem Betrieb in Dürmentingen mit einem Messerstich schwer verletzt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm eine heimtückische Tötungsabsicht vor, außerdem Trunkenheit im Straßenverkehr. Kurz nach der Tat war er mit 3,65 Promille im Blut verhaftet worden.

Ein verschlossener Kollege

Der Geschädigte, der noch heute mit den Folgen der Attacke zu kämpfen hat, beschrieb den Angeklagten als verschlossenen Menschen. Obwohl dieser seit 2006 in dem Betrieb beschäftigt war, hatte er wenig kollegiale Kontakte. Kurz vor der Tat hatte er gekündigt, wohl weil seine Arbeit als Schweißer ausgegliedert wurde.

Ich habe einen Stoß in den Rücken verspürt, dann kam der Schmerz. Ich ging zu Boden und bemerkte das Blut.

Das Opfer

Am Mittag des 21. August 2023 kehrte er zu seinem ehemaligen Betrieb in Dürmentingen zurück, ging in die Fertigungshalle und wollte seinen ehemaligen Vorarbeiter sprechen. Bei einem Gespräch vor der Werkshalle habe er ihn auf übelste Weise beschimpft und ihn für den Verlust des Arbeitsplatzes verantwortlich gemacht. „Ich bin noch nicht fertig mit dir“, habe er gerufen.

Unvermittelt von hinten zugestochen

Der Vorarbeiter ließ sich nicht provozieren und ging nicht auf die Vorwürfe ein. Er drehte sich um, ging zurück an seinen Arbeitsplatz und setzte sich auf seinen Gabelstapler. Der Angeklagte folgte ihm unter weiteren Beschimpfungen, ging auf den Gabelstapler zu und stieß dem Opfer unvermittelt von hinten ein Messer in die seitliche Flanke.

Der Geschädigte schildert die dramatischen Minuten so: „Ich habe einen Stoß in den Rücken verspürt, dann kam der Schmerz. Ich ging zu Boden und bemerkte das Blut. Dann habe ich zu meinen Kollegen gerufen: Holt einen Krankenwagen. Der hat mich abgestochen.“

In aller Ruhe das Messer eingesteckt

Die Kollegen setzten sofort einen Notruf ab, Krankenwagen und Notarzt waren in kürzester Zeit vor Ort und verhüteten das Schlimmste. Der Angeklagte habe nach der Tat in aller Ruhe das Messer eingesteckt und sei aus der Werkshalle gegangen, so ein Zeuge. Bei dem Vorarbeiter stellte man einen zwölf bis 15 Zentimeter tiefen Stichkanal fest, die Wunde war drei Zentimeter groß.

Rechtsmediziner spricht von Glück

Der Rechtsmediziner sprach von viel Glück für den Geschädigten. Es wurden durch Zufall keine inneren Organe geschädigt, jedoch Muskeln, Sehnen und Nerven waren verletzt. Der Vorarbeiter hatte sich kurz vor dem Stich nach oben bewegt, dadurch wurden wichtige Organe wie Niere oder Milz knapp verfehlt. Aufgrund des hohen Blutverlustes war die Situation trotzdem lebensbedrohlich.

Noch heute klagt das 51-jährige Opfer über Schmerzen im linken Bein, ausgelöst durch die verletzten Nerven. Er hinkt und kann keine schweren Sachen mehr heben. Ob er je wieder gesund wird, steht noch nicht fest. Zudem hat er psychische Probleme wie Schlafstörungen. Er selbst kann sich die Tat nicht erklären, habe doch der Angeklagte selbst seinen Arbeitsplatz gekündigt.

Tatverdächtiger mit 3,65 Promille Blutalkohol

Die Polizei gab eine Fahndung nach dem Täter und seinem Auto heraus und erhielt kurz danach eine Meldung, dass dieser in einem Rettungswagen liege, der sich vor dem Ortseingang von Uttenweiler befand. Zwei Frauen hatten ein stehendes Fahrzeug auf der Straße bemerkt; als sie durch das Fenster schauten, sahen sie einen Mann bewusstlos auf dem Fahrersitz. Sie alarmierten den Rettungsdienst.

Wie sich später herausstellte, war es der Beschuldigte. Er hatte 3,65 Promille im Blut. Nach einer ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus wurde er in Untersuchungshaft gebracht. Die Polizei fand im Fahrzeug des Beschuldigten die blutverschmierte Tatwaffe, ein Bowiemesser mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern.

Angehörige verweigern Aussage

Die Ehefrau des Angeklagten sowie sein Sohn machten vor Gericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Er selbst machte zu seiner Person und zur Tat selbst auch keine Angaben. Während des gesamten ersten Verhandlungstages sprach er kein einziges Wort und blickte mit gesenktem Kopf stur nach unten.