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Musikwerk

Musikwerke als Boten von Licht und Farben

Dürmentingen / Lesedauer: 4 min

MV Dürmentingen gestaltet anspruchsvolles Kirchenkonzert – Matthias Hecht feiert Debüt mit H2D
Veröffentlicht:16.12.2018, 14:27

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Zur Adventszeit passend hat der Musikverein Dürmentingen ein gut besuchtes anspruchsvolles Kirchenkonzert gestaltet. Einzelne Titel des Programms waren Farben zugeordnet und erklangen so auf einem ausdrucksstarken Hintergrund. Zuvor gelang Matthias Hecht als neuem Dirigenten von H2D ein gelungener Einstieg.

Beginnend mit einem zarten Glockenspiel weitete sich „All I Want for Christmas“ alsbald zu einem klangvollen Eingangswerk, mit dem die Gemeindejugendmusikkapelle H2D das Konzert eröffnete. Seit einigen Monaten führt Matthias Hecht als neuer Dirigent etwa 30 junge Musiker aus Dürmentingen, Heudorf und Hailtingen. Mit klarer Melodiengebung, zusammen mit dem präzise agierenden Schlagzeugregister, stellte er bei seinem erfolgreichen Debüt einen harmonischen Klangkörper vor.

Ein Trompetensolo zu dezenter Begleitung des Orchesters war der Auftakt zu Peter Leitners „My Dream“. Das Thema wurde von den Tenorhörnern weitergeleitet und als Ganzes orchestral erweitert, um gegen Ende wieder zu den Klarinetten zurückzukehren. Zu adventlichen Gedanken jugendlicher Moderatoren passte auch „Gettin’ Gospel“ von Carmine Pastore. Auch hier folgte auf ein dezent angegangenes Thema jugendlich-freudvolles Musizieren. Dennoch wurde die eigentliche Basis im Gospel-Stil nicht verlassen, zumal unter dem schwungvollen Dirigat des neues Leiters auch tonlich zurückgenommene Legato-Partien ausdrucksvoll gestaltet wurden.

Aufsteigende Klänge

Nach der Begrüßung der vielen Zuhörer durch Helmut Stuhler, unter ihnen Vertreter von Kirche, Kommune, Schule und Blasmusikverband, wies Markus Geiselhart als einer der Moderatoren den Weg zu Licht und Farben, denen im Konzert symbolhafte Bedeutungen zugesprochen wurden. Im Gedenken an die Verstorbenen im Jahr 2018 bekam Mendelssohns „Hebe deine Augen auf“ aus dem Oratorium „Elias“ eine tiefgehende Bedeutung. Gedanken zu Licht – Liebe – Zuversicht wurden von Stefanie Kaiser am Pult umgesetzt in bedächtiges Choraltempo, mit dem aus dunklem Grund aufsteigende Klänge sich erhellend weiteten, ohne überzogen zu wirken. Vor allem das differenziert und sorgsam ausgearbeitete Thema fern von jeglichem Pomp wirkte berührend und zeitnah passend.

Die Farbe violett als Zeichen der ruhevollen Verbindung, aber auch der Emotionalität von Mensch und Himmel, prägte Philipp Sparkes „A Medieval Christmas“ als mittelalterliche Weihnacht mit alten Liedern und deren Bedeutung. Weiche, melodische Bögen der Holzbläser im Verbund mit dem Glockenspiel sorgten mit der Wärme im tiefen Blech für nachdenkenswerte Klangbilder, ohne die weihnachtliche Fröhlichkeit zu vergessen.

Grün gilt als Zeichen der Hoffnung – auch auf ein selbstbestimmtes Leben. „Highlights from Exodus“ von Ernest Gold erinnerten an jüdische Flüchtlinge. Beginnend mit mächtigen Klängen als Symbol der Hoffnung bestimmte weiches, abgerundetes Musizieren weite Teile der melodiösen Themen. Klangvolle Eckpunkte strukturieren das Werk. Mit ihrem impulsreichen Dirigat führte Stefanie Kaiser ihre Musikerschar zu einer facettenreichen Interpretation dieser anspruchsvollen Komposition.

„Lila vereint spannungsreiche Gegensätze von rot und blau, von Trauer und Hoffnung“ war in der Moderation zu hören. Lila war die Farbe von Kaisern und Bischöfen, umgesetzt aufs Neue tonangebend im tiefen Blech. Thematisch aufsteigend folgten helle Register, die spannungsreich weite Teile des emotional berührenden „Requiem Aeternam“ aus Puccinis Oper „Edgar“ in Töne fassten.

Blau stand für das Wiegenlied „Seal Lullabay“ von Eric Whitacre: Tonlich abgerundet mit dezenten Steigerungen, durchzogen von filigranen Passagen nicht nur der Klarinetten, feinsinnig Ruhe ausstrahlend, das Innere der Zuhörer berührend.

Die Wüste gilt allgemein als unfruchtbares Land. Symbolhaft steht sie für die Endlichkeit allen Lebens. Die Farbe gelb erinnert zugleich an das Ende der Trübsal und die Freude über eine neue Heimat. In „Jericho“ als traditional Spirit fallen die Mauern der Stadt; Freude und beschwingtes Musizieren brechen sich Bahn. Rhythmische Finessen und klangliche Vielfalt im gut besetzten Orchester – in Erinnerung an die legendären Trompeten von Jericho – erklingen bis zur marschähnlich gestalteten Siegesfreude.

Nun konnte der wohlverdiente lang anhaltende Beifall ausbrechen, denn das in sich geschlossene Kirchenkonzert sollte nicht durch stetes Klatschen unterbrochen werden. Die eingegangenen Spenden sind für die Jugendarbeit des Musikvereins bestimmt.