Getränke

s

Ein Hailtinger und sein Traum

Dürmentingen / Lesedauer: 4 min

David Lüke organisiert das „Festival ohne Bands“ – Finanzierung über Crowdfunding
Veröffentlicht:06.12.2016, 15:52

Von:
Artikel teilen:

David Lüke ist ein ausgewiesener Festival-Liebhaber. Aufgrund seiner privaten und beruflichen Erfahrungen weiß er alles über Festivals, was man wissen muss. Schon lange hegt er den Traum, ein eigenes zu organisieren. Der könnte jetzt wahr werden: Vom 11. bis 14. Mai nächsten Jahres soll das „Festival ohne Bands“ in Hailtingen stattfinden. Sofern über das Crowdfunding genügend Geld zusammenkommt, um es zu finanzieren.

Das Prinzip des Crowdfundings ist einfach: Man bietet ein bestimmtes Produkt zum Verkauf an, um mit den Einnahmen ein Projekt zu finanzieren. Das Projekt wird aber nur dann umgesetzt, wenn ausreichend Geld gesammelt werden konnte. Für jeden, der das Projekt unterstützen möchte, besteht auch die Möglichkeit, einen beliebigen Betrag zu spenden. Im Fall von David Lüke ist das Projekt das Festival ohne Bands und das Produkt die Eintrittskarten (siehe Kasten).

„Mit dem Crowdfunding ist die Sicherheit gegeben, dass ich mich finanziell nicht übernehme“, erklärt der 29-jährige Hailtinger. Er arbeitet als ausgebildeter Veranstaltungskaufmann für den Laupheimer Partylikör-Hersteller EFAG und ist dort für Promotion und Vertrieb zuständig. Weil der Likör zu einem großen Teil auch auf Festivals vertrieben wird, kennt sich Lüke bestens in der Branche aus. „Ich kenne alle, die man für ein Festival braucht“, sagt Lüke – von den Licht- und Tontechnik-Firmen über die Security-Agenturen bis zu den Getränke- und Spirituosenherstellern.

Festival-Atmosphäre schaffen

Jetzt mag es vielleicht verwundern, das ausgerechnet ein Festival-Liebhaber ein Festival ohne die vermeintlich wichtigste Zutat – die Bands – auf die Beine stellt. Doch wie viele andere Festival-Gänger hat auch David Lüke irgendwann festgestellt, dass der Spaß auf dem Campingplatz mindestens genauso groß ist wie vor der Bühne. Als er und seine Freunde es bei einem Besuch des Rock-im-Park-Festivals dann nur zu den Auftritten von zwei Bands schafften – obwohl dort rund 80 Bands zu sehen sind – war die Idee geboren: „Nächstes Jahr gehen wir auf ein Festival ohne Bands!“

Lüke geht es dabei vor allem darum, die typische Atmosphäre eines Festivals zu kreieren – mit Fastfood, Dixi-Klos, Campingplatz und natürlich einer Bühne. Es tritt zwar niemand auf, aber Lüke betont: „Ohne Bühne würde mir etwas fehlen.“ Musik von Rock über Punk bis Heavy Metal gibt es nichtsdestotrotz, allerdings aus der Dose. Lüke sagt ausdrücklich, dass er nichts gegen Bands auf Festivals habe. Schließlich ist er selbst ein großer Fan der US-Metalband Korn. Aber er glaubt, „dass es da draußen genügend Festivalgänger gibt, die dieses Feeling genauso lieben wie ich, dass sie einmal im Jahr vielleicht gar nichts anderes brauchen“. Außerdem habe man wieder mehr Energie für die Band-Auftritte auf anderen Festivals, nachdem man sich auf dem Festival ohne Bands beim Feiern verausgabt hat.

Veranstaltungsort ist beim Funkenplatz zwischen Hailtingen und Betzenweiler. Für alle, die es genau wissen wollen, hat Lüke unter dem Stichwort „Festival ohne Bands“ eine Markierung bei Google Maps gesetzt. Die Gemeinde Dürmentingen hat das Projekt genehmigt, nachdem Lüke es im September der Verwaltung vorgestellt hatte. „Es hat mich erstaunt und gefreut, dass es so gut aufgenommen wurde“, sagt er. „Hätte ich schon am Anfang kämpfen müssen, ware das ein Grund gewesen, es zu lassen.“

So funktioniert das Crowdfunding

Das Crowdfunding läuft bis Montag, 3. April 2017. In diesem Zeitraum können Festival-Tickets im Wert von 20 Euro gekauft werden. Wer das Festival mit einem individuellen Betrag unterstützen möchte, kann dies über das Ticket-Bestellformular auf der Homepage tun oder eine E-Mail an [email protected] schreiben. Die Fixkosten für das Festival sollen mit der Crowdfunding-Summe gedeckt sein, bevor der erste Gast seinen Fuß auf’s Gelände setzt.

Wird die benötigte Summe nicht erreicht bekommt jeder sein Geld zurück – egal ob er mit einem freien Betrag oder durch ein Festival-Ticket das Projekt unterstützt hat. Der 3. April 2017 ist der Tag der Entscheidung: Wenn genügend Geld zusammengekommen ist, findet das Festival statt. Ist dem nicht so, wird es abgesagt. Bis zu diesem Stichtag bleibt das Crowdfunding-Geld auf einem eigenen Konto liegen. Findet das Festival statt, wird das gekaufte Ticket zur Eintrittskarte (für alle drei Tage plus Campingplatz).

Wird das Festival abgesagt, bekommt jeder sein eingesetztes Geld zurück. Der Rückgabezeitraum für die Tickets ist auf zwei Jahre ab dem 3. April 2017 begrenzt. Sollte danach noch Geld übrig sein, wird dieses mit den im Vorfeld des Festivals entstanden Kosten verrechnet und der Restbetrag einem wohltätigen Zweck gespendet. Detaillierte Informationen zum Rückgabeverfahren und zum Festival allgemein gibt es unter www.festivalohnebands.de