Amateurverein

Der Rasen ist sein Königreich

Dettingen / Lesedauer: 4 min

Alfred Walter vom Fußball-Bezirksligisten SV Dettingen ist seit 33 Jahren Platzwart
Veröffentlicht:28.02.2014, 22:10
Aktualisiert:24.10.2019, 16:00

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Für die Fußballer der meisten Amateurvereine, auch für die des Bezirksligisten SV Dettingen , ist die Winterpause bald Geschichte. Mit zahlreichen Trainingseinheiten und Vorbereitungsspielen soll die nötige Fitness für den im März beginnenden zweiten Teil der Saison erarbeitet werden. Auch für Alfred Walter, den langjährigen Platzwart des Illertalvereins, neigt sich die besinnliche Zeit dem Ende zu.

Innere Unruhe verspürt der 66-Jährige schon wieder seit Mitte Februar, seit es gilt, die beiden Plätze für die Frühjahrsrunde fit zu machen. Keine Jahreszeit setzt dem Rasen so zu wie der Winter. Der Frost muss aus dem Boden sein, um mit der leichten Walze die Unebenheiten auf dem Rasen auszugleichen und eine Rückverdichtung zu gewährleisten. Das neue Problem heißt dann Regen, denn zu feucht dürfen die Plätze nicht sein, wenn das schwere Ungetüm zum Einsatz kommt. Ist der Boden aber zu trocken, kann keinerlei Wirkung erzielt werden, weil das Wurzelwerk keinen Anschluss im Boden findet.

Moderne Beregnungsanlage

Nach der ersten Frühjahrspflege mit Rasendüngung, Regenerations- und Nachsaatmaßnahmen taucht schon das nächste Problem auf: Trockenheit und Hitze. Seit einigen Jahren ist auf dem neuen Spielfeld in Dettingen eine moderne Beregnungsanlage integriert, die in den heißen Monaten fast rund um die Uhr im Einsatz ist. Dass der SV Dettingen eine der schönsten Sportanlagen im Bezirk Riß besitzt, bestätigen immer wieder Spieler und Fans der Gästeteams. Das macht den Platzwart besonders stolz.

Der Rentner und sein fleißiger Helfer Ernst Kirchenmaier wissen, was ein guter und gepflegter Fußballrasen braucht. Zu wenig Phosphat, Kalzium oder Nährstoffe? Alles kein Problem für die zwei Greenkeeper des SVD. „Rasenpflege und Düngung ist fast schon eine Wissenschaft, aber mein Bauchgefühl entscheidet stark mit“, sagt Walter.

Und im Frühjahr, zur Hauptwuchszeit, schmeißt er ihn dann wieder an, den Aufsitzmäher mit andockbarem Mulchmähwerk. Oft zweimal in der Woche dreht er seine Runden auf den beiden Sportplätzen, die Schnitthöhe variiert von 20 bis 30 Millimetern. Dann folgt eine weitere Hauptaufgabe des Platzwarts: die Markierung des Platzes. Nach einer einmaligen Vermessung des Spielfelds dienen dem Dettinger Platzwart Festpunkte am Spielfeldrand zur Orientierung und Befestigung von Schnüren, an denen entlang er den Markierungswagen führt. In seinen Anfangsjahren als Platzwart geschah dies mit Sägemehl, einem Streuwagen aus Holz und einer Hilfsperson zum „Stochern“. Dann hielt die Technik Einzug: Zunächst revolutionierte ein Kreide-Markierungswagen mit Führungsrad die Markierungstechnik und seit einigen Jahren ist beim SVD ein Flüssig-Markierungswagen mit Elektropumpe im Einsatz. Hochfeine Farbpartikel bedecken die Grashalme beidseitig und sorgen für ein nahezu perfektes Markierungsergebnis. Rechnet man aus, wie viele Kilometer Linien er in seinem SVD-Platzwartleben gezogen hat, kommt man gut und gern auf 2000 Kilometer.

Der „Fred“ wie ihn seine Freunde nennen, schnürte selbst in den 1970er-Jahren die Fußballschuhe für den Illertalverein. Als eisenharter und konsequenter Verteidiger lehrte er den gegnerischen Stürmern das Fürchten. Nach seiner Zeit als Aktiver war er weit über ein Vierteljahrhundert im Vereinsausschuss des SVD tätig.

Walter mag und achtet Spieler, die nach einer Grätsche in den Rasen gerissene Löcher eigenhändig flicken. Es ist die Anerkennung für seine Arbeit und die Erkenntnis des Spielers, dass ein Fußballplatz weit mehr als nur eine landwirtschaftlich nicht genutzte Fläche ist. „Leider viel zu selten ist das zu sehen. Ich geh’ nach den Spielen immer noch über den Platz und mache die tiefsten Löcher zu“, sagt der treue SVDler, der kaum ein Heimspiel des Bezirksligisten verpasst. Das verdiente Bierchen darf dabei nicht fehlen. Mit scharfen Adleraugen verfolgt der Platzwart auch während des Spiels die oft auftretende Wegwerfmentalität einiger Fans und verschafft sich dann mit mehr oder weniger lauten Schimpfkanonaden Luft. Für seine Verdienste um den Verein wurde er am 31. Januar zum Ehrenmitglied des Sportvereins Dettingen ernannt.

Kein Job für den „Loddar“

„Der wird nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion“, meinte der ehemalige Bayern-Manager Uli Hoeneß, als er nach der Trainerperspektive von Lothar Matthäus gefragt wurde. Pech für „Loddar“: Auch beim SV Dettingen wird er diesen Posten vorerst nicht bekommen. Denn Alfred Walter ist immer noch mit Leib und Seele Platzwart beim SVD. Und das seit 33 Jahren, sein halbes Leben lang.