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In Burgrieden entsteht ein Tiny-House-Baugebiet

Burgrieden / Lesedauer: 4 min

Fragen und Antworten zum geplanten „Tiny-House-Quartier“ in Rot im Überblick
Veröffentlicht:17.09.2022, 09:04

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„Das Tiny-House-Quartier Burgrieden ist ein deutschlandweites Modellprojekt“, so formuliert es das Planungsbüro Dr. Huchler und Partner auf seiner Webseite. Mit dem „Tiny-House-Quartier Burgrieden“ ist eine neu geplante Siedlung in Burgrieden-Rot gemeint, deren Bau aktuell im Gemeinderat Burgrieden diskutiert wird. Die „Schwäbische Zeitung“ gibt über die wichtigsten Fragen und Antworten einen Überblick.

Was ist genau geplant?

Auf einer aktuell noch unbebauten Fläche soll Platz für bis zu 35 Tiny- oder sogenannte Modulhäuser geschaffen werden. Die Fläche befindet sich in Burgrieden-Rot, parallel zur Bühler Straße und umfasst eine Fläche von 1,2 Hektar.

Welche Rolle spielt der Nachhaltigkeitgedanke?

Zentraler Aspekt des Baugebiets ist das Thema Nachhaltigkeit. Dies nicht zuletzt auch durch die minimalistische Bauweise der Gebäude. So müssen die Häuser, die die Bauherren aufstellen möchten, bestimmte Kriterien erfüllen. Maximal 50 Quadratmeter groß dürfen sie sein.

Verankert werden dürfen sie nur mit einem Punkt- oder Schraubfundament. Dadurch soll die Grundstücksfläche möglichst wenig versiegelt werden. Und auch die Straßen im Quartier werden nicht asphaltiert, sondern geschottert, um so bei einem eventuellen Rückbau der Fläche renaturieren zu können. Ebenfalls dürfen beim Hausbau lediglich recycelbare und nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen, die Dächer sollen begrünt werden.

Welche Energieversorgung ist geplant?

Als Heizung sind Wärmepumpen geplant, denn fossile Brennstoffe sind nicht genehmigungsfähig. Für Solarstrom sollen geplante zentrale Freiflächen-PV-Anlagen sorgen und auch eine Begrünung des Quartiers ist geplant. Um diese Grünanlagen zu bewässern, ist der Bau einer zentralen Regenwasserzisterne geplant. Das aufgefangene Wasser können die Bewohner sodann zum Beispiel auch als Spülwasser nutzen.

Worin liegt der Vorteil für Bauherren?

Ein großer Vorteil der mobilen Häuser ist die Flexibilität für die Bewohner. So können die Häuser mit ihren Besitzern „umziehen“ und je nach persönlichem Bedarf vergrößert oder verkleinert werden.

Was bietet das Quartier seinen Bewohnern?

Angebote für die Bewohner der Siedlung wie Carsharing, E-Ladesäulen und auch Co-Working-Angebote sind im Gespräch. Unter Letzterem versteht man einen Zusammenschluss von Menschen, die statt im Homeoffice gerne ein Großraumbüro teilen möchten. Auch Liefersysteme und gemeinsame Waschmöglichkeiten stehen auf der Agenda.

Was sagt die Bevölkerung dazu?

Zu dem Projekt gibt es bereits negative Stellungnahmen aus der Bevölkerung. Burgriedens Hauptamtsleiter Andreas Munkes nahm dazu in der jüngsten Gemeinderatssitzung Stellung. So wurde moniert, die geplante Zufahrt sei zu schmal für Gegenverkehr. „Aus diesem Grund wird es ein Einbahnverkehr. Abgeführt werden soll dann über eine neue Straße nach Osten hin“, sagte Munkes.

Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat ergänzte Mane Huchler vom Planungsbüro Dr. Huchler, das für die Planung zuständig ist, dass Landwirte weiterhin ein Zufahrtsrecht hätten. „Der Status Quo bleibt erhalten. Die Landwirtschaft darf die neue Straße von Osten her ebenfalls befahren.“ Zudem ergänzte Huchler, dass es sich bei dem Wohnquartier nicht um einen abgeschlossenen Bereich handele. „Selbstverständlich hat die Allgemeinheit ein Betretungsrecht.“

Da von einigen Bürgern Befürchtungen in Bezug auf Lärmbelästigung durch Wärmepumpen und Partys in den Gemeinschaftseinrichtungen geäußert wurden, besserten die Planer hier nach. Die sogenannten Sozialzentren, in denen sich die Quartierbewohner treffen können, wurden von der bisherigen Bebauung nach hinten verschoben, die Wärmepumpen sollen auf die Nordseiten der Häuser gebaut werden.

Und auch bei der Höhe der Bebauung wurde nachgebessert. Die bisherigen sechs Meter Maximalhöhe betreffen nun nur noch den Bereich im Osten. Die an die bestehende Bebauung angrenzenden Häuser wurden auf eine Maximalhöhe von fünf Metern reduziert.

Die immer wieder aufkommende Thematik der Stellplätze für Autos wurde ebenfalls im Gemeinderat diskutiert. So stellte sich hier die Frage, ob die geplanten 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit ausreichen würden. Dazu nahm Huchler Stellung: „Wir haben in unserem Quartier ein Carsharing-Angebot für E-Autos, bei dem die Bewohner beinahe kostenlos E-Autos ausleihen können.“

Er hoffe und erwarte, dass dies der Klientel der Bewohner entspreche und der Zweitwagen so entfallen könne. „Selbst wenn dies nicht der Fall wäre und pro Wohneinheit zwei Autos da wären, hätten wir genug Parkplätze“, erklärte er. Dennoch wurde ebenfalls im Vergleich zur ursprünglichen Planung nachjustiert und 14 zusätzliche Besucherstellplätze eingeplant. Bürgermeister Frank Högerle zeigte sich mit der Planung zufrieden. „Die Stellplatzrechnung halte ich für realistisch, da die Bewohnertypen auf Nachhaltigkeit Wert legen, das ist ein guter Kompromiss, der beiden Seiten Rechnung trägt.“

Wie geht es jetzt weiter?

Rechtlich musste in der jüngsten Sitzung noch geklärt werden, dass der bisherige Plancharakter als „Sondergebiet“ nicht zulässig ist und deshalb ein Tausch in den Gebietstyp „Wohnen“ nötig wurde.

Dadurch erhoffen sich die Beteiligten auch eine Beschleunigung des Verfahrens. Gleichzeitig wurde das Gebiet von „Tiny-House-Quartier“ in „Quartier für kleines Wohnen“ umbenannt. Die Entwürfe müssen nun öffentlich ausgelegt werden und die entsprechenden Behörden beteiligt werden.