Gaststätte

Gaststätte „Holzwurm“ steht bald wieder auf sicherem Boden

Burgrieden / Lesedauer: 4 min

Sanierungsarbeiten an der Gaststätte in Burgrieden werden voraussichtlich im Mai abgeschlossen
Veröffentlicht:26.02.2019, 18:08
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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Über Jahrzehnte hat die Gaststätte „Holzwurm“ auf Holzpfählen gestanden. Diese sind wegen Schwankungen des Grundwasserspiegels verfault und erfüllen ihre Aufgabe nicht mehr. Die Folge: Setzrisse, die sich quer über die Fassade erstrecken. Um ein Absacken des Gebäudes – und womöglich sogar einen Teileinsturz – zu verhindern, hat der Gemeinderat im vergangenen Dezember die Sanierung beschlossen. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich im Mai abgeschlossen sein.

Für Paul Landthaler , den verantwortlichen Ingenieur, gehört die Sanierung des „Holzwurms“ nicht zum alltäglichen Geschäft. Als Tragwerksplaner sorgt er dafür, dass Gebäude und Brücken einen sicheren Stand haben. Normalerweise kümmert er sich um Neubauten. „Ein Verfahren aus dem Lehrbuch, mit dem wir das Gebäude sichern können, gibt es nicht“, erzählt Landthaler. Deshalb sei die Firma ERKA Pfahl, eine Spezialfirma aus Baesweiler – das liegt in der Nähe von Aachen – mit der Sanierung beauftragt worden. Die Kosten: knapp 297 000 Euro. „Wir liegen im Budget“, versichert der Ingenieur aus Rot. Letztendlich sei die Sanierung günstiger als das Gebäude abzureißen und neu zu bauen. „Hinzu kommt, dass der Holzwurm zur Gemeinde gehört. Man kann ihn nicht einfach abreißen.“

Setzriss

„Holzwurm“ steht auf wackeligen Pfählen

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Die Firma ERKA Pfahl kennt sich in Sachen Gebäudestabilisierung aus. „Wir haben unter anderem schon einer Kirche bei Trier sicheren Boden unter dem Fundament verschafft“, erzählt Franz-Josef Kühn , der verantwortliche Polier auf der Baustelle. Außerdem habe es vor einigen Jahren eine Anfrage aus Italien gegeben. „Wir sollten den schiefen Turm von Pisa begradigen.“ Aber letztlich hätten sich die Bewohner von Pisa dagegen ausgesprochen – der schiefe Turm gehöre nun einmal zum Stadtbild. Gesichert ist er heute mit Stahlseilen.

Großteil der Pfähle im Boden

Seit Anfang Februar stehen Segmente von Pfählen auf dem Hof, die auf den ersten Blick ein wenig an Milchkannen erinnern. Nur, dass sie deutlich mehr Gewicht auf die Waage bringen. „Ein Segment wiegt über 90 Kilogramm“, erklärt Kühn. „Sie lassen sich zusammenstecken und werden nach und nach in den Boden gepresst, unterhalb des Mauerwerks.“ Paul Landthaler hat genau berechnet, an welchen Stellen das Gebäude gestützt werden muss. Bisher sind 33 von insgesamt 42 erforderlichen Pfählen an ihrem Bestimmungsort.

Zunächst müssen die Bauarbeiter die Wand aufstemmen, um an die vorgesehenen Stellen zu gelangen. Anschließend fügen sie Stahl- und Betonplatten sowie einen Querträger, der die Lasten verteilt, in die Wand ein. Unterhalb dieser Konstruktion installieren sie Spindeln, die auf einer weiteren Platte aufliegen – und unterhalb dieser Platte befindet sich das Pfahlsegment, das in den Boden gepresst werden soll. „In dem Zwischenraum, der von den Spindeln getragen wird, stellen wir die Hydraulikpresse“, berichtet Kühn. „Und die presst dann das Pfahlsegment mit einem Druck von bis zu 1000 bar in den Boden.“ Danach folgt das nächste Segment. Diese Prozedur wiederholen die Bauarbeiter so lange, bis sie die Torfschicht unterhalb des Gebäudes durchdrungen haben und auf den Kiesboden stoßen, der sicheren Halt bietet. Meistens benötigen sie dafür vier Pfahlsegmente, die zusammengesetzt ungefähr zwei Meter in den Boden ragen. Zum Schluss wird die Wand wieder versiegelt – dafür ist das Bauunternehmen Maucher aus Burgrieden zuständig.

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Gut im Zeitplan

„Bisher verläuft alles nach Plan“, resümiert Landthaler. Zwar seien die Bauarbeiter hin und wieder in der Erde auf die alten Holzpfähle gestoßen, dies habe allerdings keine Probleme verursacht. „Dass wir so gut im Zeitplan liegen, ist auch der guten Zusammenarbeit geschuldet“, sagt Landthaler. „Ich muss allen Beteiligten ein großes Lob aussprechen. Am Ende steht der Holzwurm so sicher wie nie zuvor.“

Auch der Gaststättenbetrieb bleibt für die Dauer der Bauarbeiten ohne Einschränkungen aufrechterhalten. Lediglich der Kühlraum musste für ein paar Wochen in einen provisorischen Kühlwagen im Innenhof ausgelagert werden. „Wir nehmen sogar auf die Schlafenszeiten des Wirts Rücksicht, der manchmal bis spät in den Abend arbeitet“, sagt Kühn und schmunzelt. „Morgens erledigen wir nur die Arbeiten, die keinen Lärm verursachen.“