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Umgestaltung Biberacher Marktplatz

Riesenärger um Parkplätze in der Innenstadt: Bäcker und Metzger sind sauer

Biberach / Lesedauer: 4 min

Der Biberacher Gemeinderat will zentrale Parkplätze streichen. Einige Geschäfte am Marktplatz wollen aber keine Außengastronomie und finden deutliche Worte. 
Veröffentlicht:12.02.2024, 05:00

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Nach einigen Anläufen und vielen Diskussionen hat sich der Biberacher Gemeinderat am Donnerstag endlich auf eine Lösung für die Umgestaltung des westlichen Marktplatzes geeinigt.

Es soll mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten und im Gegenzug weniger Parkplätze geben. Doch dieser Kompromiss, den das Gremium damit bereits eingegangen ist, kommt nicht bei allen gut an.

Vor allem die ansässigen Bäckereien Zoll und Keim & Brecht und die Metzgerei Koch sehen für sich keinen Gewinn. Eher im Gegenteil. Eine Außengastronomie komme in der aktuellen Situation nicht infrage, vor allem nicht, wenn dadurch Parkplätze gefährdet sind.

Bereits im Dezember hatten sich die betroffenen Bäckereien und die Metzgerei mit einem Schreiben an die Biberacher Stadtverwaltung und die Fraktionsvorsitzenden gewandt, scheinbar ohne Erfolg. Denn geplant ist nun, dass auf der Südseite fünf Kübel mit Bäumen platziert werden und dafür soll jeweils ein Parkplatz wegfallen.

Kunden wollen vor der Tür parken

„Der Wegfall von Parkplätzen direkt vor unserem Standort würde einen spürbaren Umsatzrückgang mit sich bringen. Eine Bäckerei lebt davon, dass die Kunden vor der Tür parken können“, sagt Daniel Zoll, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei. „Die Parkplätze brauchen wir dringend.“

Die Parkplätze am Marktplatz sind für uns überlebenswichtig.

Michael Koch

Ähnlich sieht das auch Michael Koch, Inhaber der Biberacher Metzgerei Koch, der sich das Geschäft am Marktplatz mit der Bäckerei Keim & Brecht teilt: „Die Parkplätze am Marktplatz sind für uns überlebenswichtig. Die Menschen wollen direkt vor der Tür parken und ihre Erledigungen machen“, sagt er. „Jeder Parkplatz, der wegfällt, ist ein Schritt in die falsche Richtung.“

Zu wenig Frequenz in der Stadt

Aus seiner Sicht sterbe die Biberacher Innenstadt aus, wenn man den Verkehr herausnehme. „Wir haben aktuell schon zu wenig Frequenz in der Stadt“, sagt Koch. „Wenn jetzt auch noch weitere Parkplätze gestrichen werden, dann sieht die Zukunft für uns düster aus.“ Und wenn die Strukturen erst einmal zerstört seien, dann ließe sich die Zeit auch nicht so einfach wieder zurückdrehen.

Auch Alexander Keim, Inhaber der Bäckerei Keim & Brecht, hat bereits einige Rückmeldungen von anderen Einzelhändlern der Stadt bekommen, dass die Parkplätze für alle wichtig seien: „Es ist nun einmal so, dass viele Menschen mit dem Auto kommen und wir müssen auf unsere Kunden Rücksicht nehmen.“ Selbst die Einbahnstraßenregelung am Marktplatz hätte sich bereits negativ auf das Geschäft und die Umsätze ausgewirkt.

Auto ist wichtig im ländlichen Raum

Und bei all den Diskussionen um eine grünere und lebenswertere Innenstadt, dürfe man nicht vergessen, dass die Stadt Biberach immer noch ländlicher Raum sei. „Und im ländlichen Raum sind viele Menschen eben auf das Auto angewiesen oder wollen nicht darauf verzichten“, sagt Daniel Zoll. Ihn ärgert es, dass die betroffenen Geschäfte weder informiert noch in die Planungen der Stadt miteinbezogen wurden: „Keiner hat uns gefragt, wie wir das finden.“

Ihm sei aber durchaus bewusst, dass man es nie allen recht machen könne: „Aber Fakt ist, dass wir Frequenz in der Innenstadt brauchen und die kommt eben auch durch genügend Parkplätze.“ Auch in anderen Städten, in denen die Bäckerei Zoll Filialen hat, würden die am besten laufen, die an Parkplätze angebunden seien.

Unsere Außensitzplätze, die wir haben, reichen uns so völlig aus.

Daniel Zoll

Im aktuellen Beschluss des Gemeinderats heißt es, dass es neben Baum- und Pflanzkübeln, weitere Fahrradbügel geben soll sowie die Möglichkeit für Bäcker und Metzger, einen Teil der Parkplätze für Außengastronomie zu nutzen, sofern sie dies möchten. Auch dazu wurden die betroffenen Geschäfte nicht gefragt.

Vor der Bäckerei Zoll gibt es bereits ein paar Tische und Stühle: „Unsere Außensitzplätze, die wir haben, reichen uns so völlig aus. Wir sind eine Bäckerei mit einem Café mit Selbstbedienungssystem und keine Gastronomie mit Bedienung“, sagt Daniel Zoll.

Am Ende geht es um die Existenz der Geschäfte

Auch Michael Koch und Alexander Keim haben dieses Thema bereits besprochen. „Das lohnt sich für uns einfach nicht. Wir sind kein Café und auch keine Gastronomie. Das ist ein Wunschdenken des Gemeinderats“, sagt Koch.

Dass sich in der Innenstadt aber etwas verändern sollte, das sieht Michael Koch schon. „Als ich letztens mal wieder durch die Hindenburgstraße gelaufen bin, bin ich erschrocken, wie viele Geschäfte dort leerstehen.“ Aus seiner Sicht sollte man lieber an anderen Stellschrauben drehen, statt in eine (noch) funktionierende Straße einzugreifen.

Und auch für Daniel Zoll hat alles irgendwann ein Ende: „Wir sind durch alle Krisen gegangen und haben es irgendwie geschafft, aber alles können wir auch nicht verkraften, hier geht es um Arbeitsplätze und am Ende auch um unsere Existenz.“