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Geben sie ihre Anlagen auf?

Warum bei Betreibern von Biogasanlagen der Frust groß ist

Biberach / Lesedauer: 4 min

Gibt mancher Landwirt bald seine Biogasanlage auf? Bei vielen endet in den nächsten Jahren die Förderung. Was das für Betreiber bedeutet und welche Folgen es haben kann.
Veröffentlicht:13.02.2024, 05:00

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Für Frust bei Landwirten sorgen zurzeit nicht nur Agrardiesel und Bürokratie. Bei denjenigen, die Mitte der 2000er-Jahre eine Biogasanlage bauten, läuft in den nächsten Jahren die Förderung aus. Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbands Biberach-Sigmaringen Alexander Keller betreibt in Zillishausen eine Biogasanlage. Er berichtet, warum es für die Anlagenbesitzer so schwierig ist, und warum er erwartet, dass manche ihre Anlagen und eventuell gleich den ganzen Hof aufgegeben werden.

Der Landwirt wird zum Energiewirt lautete Mitte der 2000er-Jahre eine Strategie für Betriebe. Die Idee: Sie bauen sich mit Biogasanlagen ein weiteres Standbein auf.

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Interessant war das Ganze, weil das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Landwirten auf 20 Jahre einen festen Abnahmepreis für ihren Strom garantierte. Neben dieser Förderung gab es noch Boni zum Beispiel dafür, dass sie die Anlagen mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben.

125 Biogasanlagen im Landkreis Biberach

Die Idee verfing. In den 2000er-Jahren boomte der Biogasanlagenbau. Heute gibt es im Landkreis Biberach 125 Anlagen mit insgesamt 56,4 Megawatt Leistung. „Der größte Teil wurde zwischen 2005 und 2011 gebaut“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbands Biberach-Sigmaringen Alexander Keller.

Für viele ländliche Kommunen bildet die Biogaswärme die einzige Chance für ein Wärmenetz.

Alexander Keller

„In den vergangenen Jahren kamen nicht mehr viele Neue dazu.“ Denn die Förderung war niedriger, die Investitionssummen hoch.

Stromverkauf an der Börse lohnt sich nicht

Die in den Boomjahren errichteten Anlagen fallen nun nach und nach aus der 20-Jahresförderung. Die Besitzer haben zwei Möglichkeiten, wie sie ihren Strom dann verkaufen können. Die eine lautet: Ihn direkt an der Strombörse vermarkten. „Das lohnt sich bei einem Börsenstrompreis von durchschnittlich sechs Cent pro Kilowattstunde aber nicht“, sagt Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas.

So viele kamen bei Ausschreibung nicht zum Zug

Alternativ können sich die Landwirte an den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur beteiligen. Sie bewerben sich um eine Anschlussvergütung im EEG um weitere zehn Jahre. Dazu reichen sie Angebote ein, wie viel Cent pro Kilowattstunde sie für ihren Strom wollen. Diejenigen, die am wenigsten fordern, kommen zum Zug. Im Oktober waren 288 Megawatt Biogasleistung ausgeschrieben.

„Eingegangen sind Gebote im Umfang von 910 Megawatt - das heißt zwei von drei Geboten haben keinen Zuschlag erhalten“, so Andrea Horbelt. In der nächsten Runde im April dürfte der Andrang folglich nicht weniger groß sein, lautet ihre Einschätzung.

Hinzu kommt, dass so mancher seine Anlage aufrüsten muss. Denn die EEG-Förderung gibt es nur noch, wenn man die Anlage flexibel fahren kann, also in der Lage ist, in Spitzenlastzeiten mehr Strom zu produzieren. „Dafür muss man einiges investieren. Für viele rechnet sich das nicht“, berichtet Andrea Horbelt. Die Stimmung bei den Anlagenbetreibern sei schlecht. Sie seien frustriert.

Welche Möglichkeiten es für die Landwirte noch gibt

Wer bei der Ausschreibung keinen Erfolg hatte, kann versuchen, Wärmeversorger zu werden. „Für viele ländliche Kommunen bildet die Biogaswärme die einzige Chance für ein Wärmenetz“, sagt Keller.

Das Biomethan aufzubereiten und ins Erdgasnetz einzuspeisen sei ein anderer Weg, das Gas zu vermarkten. Der eigne sich aber eher für große Anlagen. Entscheidend sei zudem, wie weit eine Anlage vom Erdgas- oder einem Wärmenetz entfernt liege. Biomethan oder Wärmeversorgung dürften als Standbein also nicht für jeden infrage kommen.

Weshalb sich das Höfesterben verstärken könnte

Keller rechnet damit, dass der eine oder andere seine Biogasanlage aufgeben wird. In manchen Fällen lohne es sich dann nicht mehr, den Hof weiter zu betreiben. Das Höfesterben könnte sich dadurch verstärken, vermutet er.

Man zweifelt schon an der Sinnhaftigkeit.

Alexander Keller

Weshalb Aufrüsten zum Nachteil werden kann

Für seine mit Gülle betriebene 75-KW-Biogasanlage endet die Förderung erst in sieben Jahren. Gerne hätte er im Zuge eines anstehenden Motorwechsels die Leistung schon jetzt erhöht. Denn mittlerweile würden die Reststoffe aus Gülle und Mist ausreichen, um die doppelte Leistung zu erzeugen, sagt er. Aber dann würde er aus seiner EEG-Förderung herausfallen.

Biogasanlagenbetreiber sehen sich auf Abstellgleis

„Man zweifelt schon an der Sinnhaftigkeit“, sagt Keller über die Vorgaben und Regelungen für Biogasanlagen. Denn für ihn ist klar: Dieser Strom, der rund um die Uhr produziert werden kann, trägt dazu bei, die Grundlast zu decken. Strom, Wärme und Biomethan aus Biogasanlagen könnten einen Beitrag zur Energieversorgung leisten, auf den man nicht verzichten sollte, findet er.

„Wir Landwirte sind mit der Politik seit langem im Kontakt, aber wir dringen im Bundeswirtschaftsministerium nicht durch“, erzählt Keller. „Biogas ist für die Politik offensichtlich nicht relevant. Sie hat sich auf Wind- und Solarenergie eingeschossen.“ Dabei müsste die Politik doch das Ziel haben, die aktuelle Anlagenleistung zu erhalten, sagt er. Fielen die sechs Gigawatt Leistung, die die Biogasanlagen in Deutschland produzieren, weg, bräuchte man zwei bis drei zusätzliche Gaskraftwerke, sagt Andrea Horbelt.