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Nachhaltige Energieversorgung

Versorgt Handtmann das Kreisberufsschulzentrum bald mit Wärme?

Biberach / Lesedauer: 3 min

Der Landkreis und das Biberacher Unternehmen prüfen derzeit, ob eine Umsetzung möglich wäre. So könnte das Ergebnis aussehen.
Veröffentlicht:28.11.2023, 05:00

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Das Kreisberufsschulzentrum (BSZ) in Biberach bezeichnete Holger Thiessen, Leiter des Amts für Liegenschaften und Gebäude, schon des Öfteren als „Elefanten“. Diesen Spitznamen verdankt der große Gebäudekomplex seinem hohen Gasverbrauch und den damit verbundenen immensen Energiekosten. „Ziel des Landkreises ist es, die Wärmegewinnung für das gesamte Areal künftig auf neue Füße zu stellen“, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Eine entscheidende Rolle könnte dabei die Firma Handtmann spielen.

„Den größten Kostenblock bei den Energiekosten bilden weiterhin die Schulgebäude. Hier schlummert das größte Einsparpotenzial“, heißt es im Energiebericht 2022, den Thiessen den Kreisräten unlängst vorstellte. Bei der Suche nach möglichen Lösungen richtete sich der Blick auf die andere Seite der Bahnlinie, die Firmen- und Schulgelände trennt. Seit einiger Zeit befindet sich der Landkreis in Kontakt mit Handtmann. Die Frage lautet: Wie lassen sich die „Unmengen Abwärme“ (Thiessen) des Handtmann-Gusswerk als Wärmequelle nutzen?

Handtmann und Landkreis geben Machbarkeitsstudie in Auftrag

Bei Handtmann stößt dieser Ansatz auf Sympathie, wie Raymund Goester, Leiter Technische Dienste bei Handtmann, auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mitteilt: „Das ist eine gute Idee, die ersten Abschätzungen sind positiv. Wir sind Projektbeteiligter und haben gemeinsam mit dem Landratsamt ein Ingenieurbüro beauftragt, die technische und wirtschaftliche Machbarkeit zu prüfen.“ Handtmann verfüge in der Gießerei produktionsabhängig über Abwärmepotenzial, das bereits genutzt werde, aber noch ausbaufähig sei, so Goester.

Glutflüssiges Aluminium wird in eine Druckgussmaschine gegossen.
Glutflüssiges Aluminium wird in eine Druckgussmaschine gegossen. (Foto: Handtmann)

Diese Herausforderungen gibt es

Der Leiter Technische Dienst weist jedoch darauf hin, dass sich das Projekt erst ganz am Anfang befinde. „Die Herausforderung ist, im Anlagen- und Gebäudebestand Veränderungen zu planen, die umsetzbar sind. Aber zunächst ist zu bewerten, ob die Wärmeleistung, das Temperaturniveau und die zeitliche Verfügbarkeit mit den Bedarfen des Berufsschulzentrums zu vereinbaren sind“, erläutert Goester und ergänzt: „Ferner ist zu betrachten, wie bei reduzierter Produktion die Wärmebereitstellung sichergestellt werden kann.“

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden in der zweiten Jahreshälfte 2024 erwartet. Goester skizziert ein mögliches Szenario: „Denkbar ist, dass Handtmann die überschüssige Wärme in ein Nahwärmenetz einspeist, ein Netzbetreiber produktionsbedingte Schwankungen ausgleicht und die Versorgung damit sicherstellt.“

So steht es um die Wärmeversorgung im BSZ

Das Kreisberufsschulzentrum (BSZ) hat nach Angaben des Landratsamts zusammen mit der Schwarzbach-Schule, der Paul-Heckmann-Sporthalle und dem bisherigen Schülerwohnheim einen Wärmebedarf von mehr als fünf Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Derzeit werde die benötigte Wärme durch einen Energiemix aus Holzpelletkessel, Blockheizkraftwerk und Gaskessel gewonnen. Das sich im Bau befindliche neue Schülerwohnheim werde zukünftig mit einer Grundwasserwärmepumpe beheizt.

Aber auch bei seinen Bestandsgebäuden im BSZ hat der Landkreis bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise geplant, um die Energiekosten zu senken. Der energetische Gebäudestandard der kreiseigenen Liegenschaften sei laut Energiebericht des Landkreises bei vielen Gebäuden bereits auf einem sehr hohen Niveau. Zu den Leuchtturmprojekten gehört die inzwischen 20 Jahre alte Gebhard-Müller-Schule (GMS), die mittlerweile das Gebäude mit dem geringsten Wärmeverbrauch pro Quadratmeter ist. Zusätzlich zu der Photovoltaikanlage auf der GMS sollen weitere Anlagen auf dem BSZ-Gelände hinzukommen.