Wiedereinstieg

Verein unterstützt Mütter beim Wiedereinstieg ins Berufsleben

Biberach / Lesedauer: 4 min

Das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) begleitet und stärkt Frauen mit Kindern
Veröffentlicht:26.04.2022, 05:00
Aktualisiert:26.04.2022, 10:16

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Mütter stark machen für das Berufsleben: Das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) unterstützt Frauen kostenfrei beim Ein- oder Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Das Angebot ist auf die Bedürfnisse von Müttern angepasst, selbst wenn sie nicht mobil sind oder es an Betreuung fehlt. Es gibt weitere freie Plätze.

Etwa alle zwei Wochen bieten Isa Roy und Katharina Wiedergrün Workshops an. Darin geht es etwa um Zeitmanagement, Ernährung für die ganze Familie, Stressbewältigung, Motivationstechniken aber auch um Altersvorsorge für Frauen. Die beiden Sozialpädagoginnen, die sich eine Stelle teilen, sind selbst Mütter und bringen aus der Corona-Pandemie die Erfahrung mit, wie kompliziert der Alltag für berufstätige Mütter ist. Nun wollen sie anderen Frauen helfen, beruflich und auch finanziell Fuß zu fassen. Das berührt die unterschiedlichsten Bereiche.

Für Mütter mit minderjährigen Kindern

Das Programm Müstark wird vom Europäischen Sozialfonds finanziert und vom CJD angeboten. Es richtet sich an Mütter mit minderjährigen Kindern, mit oder ohne Migrationshintergrund, die allein oder in einer Partnerschaft leben und eine Arbeit oder eine Ausbildung aufnehmen wollen.

„Keiner soll verloren gehen“

„Keiner soll verloren gehen“ und „Jeder soll die Unterstützung bekommen, die er braucht“ - die zwei Grundsätze des CJD-Gründers, des evangelischen Pfarrers Arnold Dannenmann (1907 bis 1993), finden sich auch in der Ausgestaltung des Programms Müstark. Denn es passt sich den Bedürfnissen der Mütter flexibel an. So können alle Workshops auch online besucht werden. Isa Roy und Katharina Wiedergrün fahren sogar zu den Müttern nach Hause, wenn sie nicht mobil sind oder es an Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder fehlt.

Was die Fachfrauen dort tun, ist der zweite große Bereich des Programms: Die individuelle Beratung der Teilnehmerinnen. Roy und Wiedergrün stellen Kontakte her, beispielsweise zum Tagesmütterverein, sie erarbeiten mit den Frauen eine Bewerbungsmappe, feilen an Anschreiben, vermitteln sie in Sprachkurse, suchen mit ihnen Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen, begleiten sie auch in die Betriebe oder helfen bei Anträgen für Bafög oder Bildungsgutscheine.

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Die Mütter, die aktuell beraten werden, bringen unterschiedlichste Voraussetzungen mit. Manche wollen sich nach einer – wegen Corona – verlängerten Pause neu orientieren, andere möchten zum ersten Mal eine Ausbildung machen, manche haben eine Trennung hinter sich und müssen als Alleinerziehende auf die Beine kommen, auch Frauen mit hohen Schulden oder geringen Sprachkenntnissen kommen zu ihnen. Deren Ausbildung im Heimatland wird in Deutschland meist nicht anerkannt, das Selbstbewusstsein nimmt wegen der Sprachprobleme in der neuen Heimat Schaden...

Es fehlt an Teilzeitangeboten

Die Position von Müttern auf dem Arbeitsmarkt ist schwierig, das haben die beiden Sozialpädagoginnen feststellen müssen. Während im sozialen Bereich Teilzeitarbeit selbstverständlich ist, sei es in anderen Bereichen sehr schwierig, eine Teilzeitstelle oder Teilzeitausbildungsstelle zu finden. Aber darauf sind viele Mütter nun einmal angewiesen.

Dabei bringen Mütter doch Kompetenzen mit, die gefragt sind, finden Roy und Wiedergrün: Organisationstalent, Kreativität und Zeitmanagement beispielsweise. Teilzeitkräfte seien auch sehr produktiv, weil sie ihre Aufgaben in einem festen Zeitfenster erledigen müssten, sagt Wiedergrün, und absolut motiviert. „Unsere Teilnehmerinnen haben Lust zu arbeiten, sei freuen sich darauf, wieder etwas Anderes machen zu dürfen –und sie wollen sich selbst finanzieren können.“

Das dritte Element – neben Workshops und Beratung –, das Müstark ausmacht, ist der Austausch. „Jede Mutter für sich ist eine Expertin“, findet Isa Roy. In den Treffen berichten sich die Teilnehmerin gegenseitig von Erfahrungen, Möglichkeiten und Angeboten –und vernetzen sich. Neue Kontakte seien nach zwei Jahren Pandemie für die Frauen besonders wichtig.

Auch wichtig wären allerdings Arbeitgeber, die Teilzeitstellen oder Praktika anbieten, damit die Mütter ihr Können und ihren Fleiß beweisen können. „Über solche Angebote“, sagen Isa Roy und Katharina Wiedergrün, „würden wir uns sehr freuen.“

Mütter, die kostenlose Unterstützung für den Einstieg ins Berufsleben suchen, wenden sich an Katharina Wiedergrün, Telefon 07351/5879319, Mobil 0151/53643664, E-Mail [email protected] oder Isa Roy 07351/5879319, Mobil 0151/67821372, E-Mail [email protected]

Das Christliche Jugenddorfwerk, ein Verein in evangelischer Trägerschaft, unterhält in Biberach zwei Standorte. In der Leipzigstraße betreut der Verein Auszubildende des Zimmererhandwerks in einem Wohnheim. In der Freiburger Straße sind die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, die Sprachförderung (Deutsch als Zweitsprache) sowie die berufliche Bildung verortet. Das CJD unterstützt junge Menschen mit Migrationshintergrund bei Integration, Berufsorientierung, Krisen und Konflikten, Ziel sind Teilhabe und Chancengleichheit.

Im Bereich Berufliche Bildung bietet der Verein neben Müstark begleitende Projekte für Auszubildende in der Altenpflegehilfe, zur Vermeidung für Schulabbruch, für die digitale Teilhabe von Kindern und ihren Eltern. Neu ist Programm „Divers“, das digitales Know-how für jedermann vermittelt. Die Angebote sind offen für Teilnehmer jeder Konfession und Religion. Mehr Informationen zu den kostenfreien Angeboten bei Katja Schirrmeister, Angebotsleitung CJD Biberach, 07351/5879317 0151/40638020, E-Mail [email protected] oder www.cjd-bodensee-oberschwaben.de/standorte/standort-biberach