Vorlesungsreihe

Philosophische Vorlesungsreihe im Podcast-Format

Biberach / Lesedauer: 3 min

Hochschule Biberach bietet Blick über den fachlichen Tellerrand hinaus – und zwar nicht nur für Studenten
Veröffentlicht:30.03.2021, 17:12

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An einer Hochschule für angewandte Wissenschaften sind philosophische Vorlesungen eher ungewöhnlich. An der Hochschule Biberach ( HBC ) werden sie als zusätzliche Reflexionsebene seit einem Semester angeboten und zwar im Rahmen des Studium generale. Dieses Programm ermöglicht Studierenden in Vorlesungen und Workshops, die nicht im direkten Zusammenhang mit ihrem eigentlichen Fachstudium stehen, den Blick über den Tellerrand und die Möglichkeit, andere Techniken und Sichtweisen auszuprobieren. Dazu zählt neben Fotografie das Erlernen von Fremdsprachen, aber auch die Philosophie, die dank Gastprofessor Harald Schwaetzer bereits zum zweiten Mal angeboten wird, unter anderem in Form eines Podcast, der nicht nur Studierenden offensteht.

In der neuen Podcastreihe spricht Schwaetzer gemeinsam mit Anette Schober-Knitz, Pressesprecherin der HBC, über aktuelle Themen aus der Sicht der Philosophie. Denn gerade in Zeiten, wie wir sie gegenwärtig erleben, „vermag die Philosophie wesentliche Hilfestellungen und Anregungen geben, um Orientierung zu gewinnen“.

Im Mittelpunkt der Vorlesungen steht im Sommersemester 2021 die Frage, wie Menschen gemeinsam Wandel gestalten können. Dazu thematisiert die Reihe unächst den Begriff der „Grenze“, der politisch und ökologisch zentral ist eine Gemeinschaft von Menschen geradezu auszeichne. Von da aus geht Schwaetzer in der Reihe auf „Begegnung“ über: „Durch und in Begegnungen gestalten wir uns selbst und die Welt: Seien es Begegnungen mit Menschen, der Natur oder Geistigem. Begegnung ist die Form, die zu Wandel führen kann, heutzutage gerne als ,Changemaking‘ bezeichnet.“ So ergibt sich im dritten Audio-Podcast die Frage, wie Wandel zustandekommt: Wie gestalten wir ihn und er uns? Wie ist es um unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zu einem „Sinneswandel“ bestellt? Wo ich Sinn einfach nur als „meinen Sinn“ setze oder erlebe, sei die Gefahr groß, so der Philosoph im vierten Podcast, die Welt zu übergehen und mich selbst zu täuschen. Weiterführender sei es, sich zu besinnen, wie man Sinn in der Begegnung mit und durch Welt erlebt.

Diese Gedankengänge lassen sich in der Idee des Kosmopolitismus zusammenfassen – der Idee von globaler Tragweite und der Vision, dass alle Menschen Bürger einer Welt, sogar eines Kosmos sind. Das Konzept des Kosmopolitismus geht auf die Antike zurück und hat besonders durch und in der Zeit von Christoph Martin Wieland (1733-1813) eine Renaissance erfahren. Der Dichter, Übersetzer und Herausgeber lebte zur Zeit der Aufklärung und verbrachte viele Jahre seines Lebens in Biberach .

Kerstin Bönsch, Geschäftsführerin der Wieland-Stiftung in Biberach, bringt im fünften und letzten Podcast die von Schwaetzer entwickelten Gedanken mit denen Wielands zusammen. Um einen angemessenen und maßvollen Umgang mit den Herausforderungen des Anthropozäns zu gewinnen, sei ein Kosmopolitismus, der geistige, menschliche und geschichtliche Entwicklungen und Wandlungen zu denken und in die Gestaltungsprozesse einzubeziehen vermag, unerlässlich.

Der Podcast ist ein Vorgeschmack über eine Veranstaltungsreihe zum Thema Kosmopolitismus, die die Wieland-Stiftung und die HBC gemeinsam für den Sommer vorbereiten. Geplant sind Formate im Freien, angepasst an die dann geltenden Regeln.