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Überblick in der Region Biberach: Narren übernehmen Macht in den Rathäusern

Region / Lesedauer: 6 min

Überall in der Region sind am Glompigen Donnerstag die Hästräger unterwegs, unsere Reporter sind vor Ort. Hier gibt es den Überblick.
Veröffentlicht:08.02.2024, 14:10

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Überall in der Region haben am Gompigen Donnerstag die Narren die Macht übernommen. Sie stürmten die Schulen, Kindergärten und Rathäuser.

Biberach

Die Narren sind auch in der Biberacher Innenstadt los. Pünktlich um 11 Uhr haben sie am Donnerstag lauthals die Stadt übernommen und Oberbürgermeister Norbert Zeidler den Rathausschlüssel entwendet.

Unterstützung bekamen die vielen Hästräger der Biberacher Narrenzunft traditionell von hunderten Kindergartenkindern, die sich extra für diesen Tag fantasievoll verkleidet hatten. Mit dem bekannten Ruf „Ratza Trepfles, Graba Nass“ holten sie das Stadtoberhaupt und all seine Untertanen schließlich aus dem Rathaus.

Das Motto lautete in diesem Jahr „Märchenwald“, zu sehen gab es unter anderem die sieben Zwerge inklusive dem Schneewittchen. Dabei durfte auch der Jäger nicht fehlen, dessen Rolle perfekt vom Ersten Bürgermeister Ralf Miller ausgefüllt wurde. Oberbürgermeister Norbert Zeidler kam als Prinz verkleidet und ließ sich von den Biberhexen in die Mangel nehmen. Er musste einige Märchen erraten und schnitt dabei gar nicht so schlecht ab – vor Schlimmerem blieb er deshalb verschont.

Die Kindergartenkinder hatten auch eine Überraschung für die Biberacher Narren und die Stadtverwaltung: Sie hatten im Vorfeld einige Märchenlieder einstudiert und sangen zuckersüß das Lied „Dornröschen war ein schönes Kind“. Die städtische Kita hatte sogar ihren eigenen Märchenwald dabei und spielten ihre Spiele mit Prinz Zeilder, Jäger Miller und dem Schneewittchen Verena Fürgut.

Auch die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer wurden mit fröhlicher Faschingsmusik in Stimmung gebracht und klatschten fleißig mit. Heinz Bork, Zunftmeister der Biberacher Narren, freute sich über die vielen großen und kleinen Gäste und bedankte sich mit einem kräftigen „Ratza Trepfles, Graba Nass“. Und nach einer kleinen Polonaise war das närrische Spektakel in Biberach auch schon wieder vorbei, bis die Narren im kommenden Jahr wieder das Rathaus stürmen.

Die Narren haben die Schule in Eberhardzell gestürmt.
Die Narren haben die Schule in Eberhardzell gestürmt. (Foto: Katrin Bölstler)

Eberhardzell

In Eberhardzell herrschte den ganzen Tag Ausnahmezustand. Im Kinderhaus der Umlachmäuse warteten die Kleinsten am Vormittag sehnsüchtig auf die Narren. Diese kamen um kurz vor zehn Uhr dort an, mit Bonbons und lauter Musik im Gepäck. Haare wurden verwuschelt und manches Kind durchgekitzelt.

Die Allerkleinsten, die das Ganze das erste Mal erlebten, schauten zu Beginn noch etwas misstrauisch, ließen sich jedoch schnell beruhigen, als sie entdeckten, dass unter den furchterregenden Masken sich ganz normale Menschen befinden.

Die meisten Kinder freuten sich über das ungewöhnliche Treiben, manch einer entdeckte Mama oder Papa unter der Maske. Ein paar der Kinder hatten sogar bereits selbst ein Häs der Zeller Katzen oder der Neidecker Hexen an.

Nach einer kurzen Pause ging es mit Marschmusik rüber zur Schule. Diese war mit rot-weißen Absperrbändern zugeklebt. Doch die Hoffnung, dass dies die Narren abhalten würde, war vergebens. In wenigen Sekunden hatten die Hästräger die Barriere durchbrochen und stürmten die Schule. Nach kurzem Widerstand übergab Rektorin Nicole Gering die Macht an Präsidentin Marina Hofbauer.

Gemeinsam sangen daraufhin alle das Narrenlied. Dritte Station an diesem Tag für die Narren war das Rathaus. Dort wartete Bürgermeister Guntram Grabherr und übergab ebenfalls ohne großen Widerstand seine Schlüssel für das Haus. Für die nächsten Tage regieren dort nun die Narren.

Die Narren haben im Rathaus in Eberhardzell die Macht übernommen.
Die Narren haben im Rathaus in Eberhardzell die Macht übernommen. (Foto: Katrin Bölstler)

Mittelbiberach

Auch die Kinder in Mittelbiberach wurden am Vormittag von den Narren der Zünfte Reute und Mittelbiberach aus den Schulen und Kitas befreit. Gemeinsam ging es für sie zum Rathaus, wo der Musikverein Mittelbiberach aufspielte.

Bürgermeister Florian Hänle übergab ohne große Gegenwehr den Schlüssel für das Rathaus. Bis Aschermittwoch sollen dort die Narren herrschen. Hänle wolle auch so richtig närrisch sein, einmal. „Ich seh’ schon, ihr denkt: Das ist der im Amt eh’ jedes Mal“, reimte er.

Mittelbiberachs Zunftmeister Stefan Kässer und sein Kollege aus Reute, Patrick Scheb, wollen an seiner Stelle gut regieren. „Die ganzen Anträg’ und Formulare hier, geben gutes Konfetti, isch ja bloß Papier“, verkündeten sie. Den Bürgermeister brachten sie dann noch dazu zu versprechen, nächste Woche Süßigkeiten für die Kinder zu organisieren - das haben sie sich nämlich gewünscht.

Mit vielen weiteren Programmpunkten starteten sie dann in den Rest des Gompigen, wo in der Halle die Kinderfasnet auf alle wartete.

Bad Schussenried

Die Narren in Bad Schussenried stürmten morgens um 10 Uhr bei bestem Wetter das Rathaus. Mit einer Leiter erklommen sie die Fassade und stiegen nach und nach durch das Fenster von Bürgermeister Achim Deinet im ersten Stock.

Der gab sich nach kurzem hin und her geschlagen und überließ den Hästrägern die Macht in der Stadt. Mit den Worten, „das Rathaus geht den Bach jetzt runter, wenn mit Fähnchen und Narren die Stadt wird bunter“, übergab der Schultes den Schlüssel zur Stadt an das Prinzenpaar Michael II. und Alexandra I. mit dem Kinderprinzenpaar Max I. und Emma I.

Die beiden Prinzen und Prinzessinnen verkündeten anschließend noch die Regeln für die Fasnetszeit, bevor die neuen Machthaber, angeführt von der Stadtkapelle, in Richtung der Schule aufbrachen, um auch die Schüler und Lehrer in den Feierabend zu schicken.

Ochsenhausen

Kurz vor Ende der Probezeit einfach abgesetzt. So ist es dem neuen Ochsenhauser Bürgermeister Philipp Bürkle am Donnerstag ergangen.

Kurz vor 15 Uhr hatte sich der Rathausplatz auf einen Schlag mit Musikern, Narren und kunterbunten kleinen Mäschkerle aus den Ochsenhauser Schulen und Kindergärten gefüllt. Die Prinzgardisten der Karnevalsgesellschaft steuerten zielsicher das Rathaus an. Dort komplimentierten sie Bürgermeister Philipp Bürkle mit sanfter Gewalt aus seiner Amtsstube. Der Neu-Schultes im Philipp-Bürkle-Kostüm trug es mit Fassung. Er begrüßte seine Kidnapper mit Handschlag, prostete ihnen mit Sekt zu und war sogar bereit für ein Selfie.

Die Uniformierten schleppten sodann das Stadtoberhaupt samt Insignien (Rathausschlüssel) vor die johlende Menge auf dem Rathausplatz. Dort übergab Bürkle klaglos die Macht an die Narren. Namentlich an Prinz Andrej I. und Prinzessin Lisa I. Im Tausch erhielt er von der blaublütigen Närrin einen Strohhut, den er nun, gepaart mit einer stets „fröhlichen Miene“ bis Aschermittwoch zu tragen hat. Damit nicht genug: Präsident Stefan der Steuernde trug dem Schultes zudem auf, nach der närrischen Zeit Ochsenhausen mit allerlei Freuden auszustatten.

Sei es, dass Bürkle verfügen möge, dass es am Ziegelweiher tagaus, tagein Pommes geben möge, auch bei Nacht. Dass jedes Kind beim Öchslefest „einen Bollen Eis“ umsonst bekäme und dass aus dem Marktbrunnen Cola und Fanta fließen möge. Die Narrengesellschaft auf dem Rathausplatz besiegelte diese Wünsche mit vielen „Ohu!“

So kurz vor Ende der Probezeit abgesetzt zu werden, „schmerzt scho a bissle“, gab sich Bürkle geknickt. Doch sei er sich sicher, „Kuhhausen ist bei Ihnen, verehrtes Prinzenpaar, in besten Händen“. Die Hoheiten könnten sich auf die Rathaus-Mitarbeiter verlassen. Besonders wolle er ihnen die Quadriga ans Herz legen: Rolf Baufix etwa, oder Ulrike Rechthabix, die auch beim närrischen Volk für Zucht und Ordnung sorge. Vor Kathrin Schul-, Betreuung- und Kulturfix müsse er aber warnen.

Mit ihrem ambitionierten Bauprogramm wolle sie dem „Kämmerer Peter Mirhandnix die letzten Sesterzen aus der Truhe locken“. Mit den guten Wünschen für die närrische Regentschaft trat Bürkle zurück ins – zum Narrenlied schunkelnden – Glied.