Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist wichtig, aber nicht beim Urlaub

Biberach / Lesedauer: 3 min

Eine Umfrage der Hochschule Biberach zeigt: nur 43 Prozent achten auf einen ökologischer Fußabdruck
Veröffentlicht:11.08.2020, 15:43
Aktualisiert:11.08.2020, 15:44

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In Baden-Württemberg haben die Ferien begonnen und viele Menschen fahren – soweit es die aktuelle Pandemie zulässt – in den Urlaub oder befassen sich mit der Planung für die kommenden Wochen. Doch wie sieht es mit dem Nachhaltigkeitsgedanken aus, wenn es um Reisen in andere Regionen und Länder geht? Unter anderem dieser Frage sind Studierende der Hochschule Biberach (HBC) nachgegangen. Von ihren Kommilitonen wollten sie wissen: Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit?

Die Antworten der mehr als 160 Teilnehmern aus allen Studiengängen zeigen, dass sich die Studierenden insgesamt durchaus mit der Thematik befassen. Gut zwei Drittel der Befragten achten zum Beispiel auf nachhaltige Produkte des täglichen Bedarfs und sind bereit für diese Konsumgüter mehr Geld auszugeben. „Einzig in Sachen Urlaub scheint der Nachhaltigkeitsgedanke verreist zu sein“, bringen Nick Sommer und Markus König das Ergebnis an dieser Stelle auf den Punkt. Die Architekturstudenten haben die Befragung gemeinsam mit sechs Kommilitonen entwickelt, durchgeführt und ausgewertet. „Lediglich 43 Prozent der Befragten achteten auf einen ökologischen Fußabdruck im Urlaub und sind bereit, dafür die Reisekasse zu belasten“, nennt Sommer die konkreten Zahlen.

Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem

Doch nicht nur das Reiseverhalten ihrer Kommilitonen wollte die Gruppe beleuchten, vielmehr stellten sie Fragen zu verschiedenen Nachhaltigkeitsaspekten. Die Umfrage haben sie im Auftrag von „Extension for Sustainability“ (X4S) durchgeführt, einem Hochschul-Team, das sich an dem internationalen Wettbewerb „Solar Decathlon Europe 21“ (sde21) beteiligt. Das interdisziplinäre Projektteam beteiligt sind Energie- und Bau-Ingenieure, Projektmanager und Architekten – entwickelt gemeinsam einen Beitrag für eine nachhaltige Quartiersentwicklung im urbanen Raum am Beispiel der Stadt Wuppertal. Dafür haben sie einen umfassenden Ansatz gewählt: „Wir wollen nicht nur Ideen für CO2-neutrales Wohnen und Leben entwickeln, sondern die Bevölkerung für ökologische Fragestellungen sensibilisieren“, sagt Lena Frühschütz , Leiterin des Wettbewerbsteam „X4S“. Hier sieht sie einen Bildungsauftrag für Hochschulen, den die HBC im doppelten Sinne wahrnimmt: Zum einen über ihre Aktivitätsfelder in Lehre, Forschung und Transfer, aber auch über die konkrete Teilnahme am Solar Decathlon Europe 21. „Wir wollen die Bürger da abholen, wo sie stehen und zielgerichtet die Informationen geben, die benötigt werden“. Aus der Befragung der Studierenden will das Team deshalb Hinweise ableiten, wo konkret Handlungsbedarf besteht. So zeigen die Ergebnisse deutlich, dass ein grundsätzliches Verständnis über den Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem vorliegt, so Frühschütz, die neben ihrer Tätigkeit als Projektleiterin Studentin des Master-Studiengang Gebäude- und Energiesysteme der HBC ist. Die Rückmeldungen jedoch machen auch deutlich, an welchen Stellen es an Bereitschaft fehle zugunsten des Umweltschutzes auf Komfort zu verzichten. „Hier muss noch ein Umdenken stattfinden“, fordert die studierte Bauingenieurin.

Weg zur Nachhaltigkeit ist komplex

So hat die Befragung zum Beispiel hervorgebracht, dass zwar zwei Drittel das Gleichgewicht von Nutzung und Regeneration von Ressourcen als wichtigste Säule der Nachhaltigkeit betrachten, doch nur jeder Fünfte die Notwendigkeit der Effizienz und nur etwa jeder Siebte den geringen Ressourcenverbrauch als zentrale Aufgabe ansieht. „Diese Daten belegten, dass der Weg zu mehr Nachhaltigkeit komplex ist“, so Lena Frühschütz.

Nicht nur für das sde21-Projekt müsse Energie nach Möglichkeit regenerativ erzeugt, effizient genutzt und wiedergewonnen werden. „Genau das ist eine Kernkompetenz der Hochschule Biberach“, so Professor Andreas Gerber aus dem Studiengang Energie-Ingenieurwesen, der das interdisziplinäre Projekt gemeinsam mit Lena Frühschütz vorantreibt. „Mit unserem Wettbewerbsbeitrag wollen wir zeigen, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf der einen und bezahlbarer Wohnraum und lebenswerte Stadt auf der anderen Seite sich nicht ausschließen“, so der Experte für klimagerechtes Bauen und Energiekonzepte.