Kreisbauernverband

Landwirte brauchen starke Nerven

lgenstadt / Lesedauer: 3 min

Landwirte brauchen starke Nerven
Veröffentlicht:30.08.2010, 15:55
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

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Die Ernte 2010 ist noch nicht vollständig abgeschlossen, eine erste Bilanz hat der Kreisbauernverband Biberach-Sigmaringen aber bereits gezogen. Es war ein hartes Jahr für die Landwirte. Die Erträge liegen 15 bis 20 Prozent unter denen der Vorjahre. Ein langer Winter, die große Nässephase und eine frühe Hitzewelle sind die Gründe dafür.

Von unserer Mitarbeiterin Dhala Rosado

Ein gemütliches Treffen im Pavillon der Familie Kettnaker, Landwirte in Fulgenstadt, war geplant. Wie schon so oft in diesem Jahr aber machte das Wetter dem Bauernverband Biberach-Sigmaringen einen Strich durch die Rechnung. Wegen der für den Monat August untypischen Kälte und wechselhafter Witterung wurde die Erntepressekonferenz für das Jahr 2010 nach drinnen verlegt.

Gerhard Glaser , Kreisobmann und Vizepräsident vom Bauernverband, schilderte die Situation. Die Ernte sei zwar noch nicht völlig abgeschlossen, 85 Prozent seien bereits geerntet und auf der Schwäbischen Alb stünden noch einige Weizenfelder, eine Zwischenbilanz könne aber gezogen werden. Er unterstrich den Kampfgeist, den die Landwirte in diesem Jahr an den Tag legen mussten. Arbeit, die gewöhnlich drei Wochen in Anspruch nehme, hätte dieses Jahr innerhalb von drei Tagen erledigt werden müssen. 14 Stunden auf dem Mähdrescher seien keine Seltenheit gewesen.

„Überregional wird viel gejammert, und viel war auch tatsächlich ärgerlich. Dennoch muss man sagen, dass wir verhältnismäßig gut davongekommen sind“, sagt Glaser. Es seien bis dato keine schweren Ernteunfälle bekannt. Hagelschäden habe es weniger gegeben und auch die Trocknungskosten hätten sich gering gehalten.

Die Grundvoraussetzungen für eine gute Ernte seien in diesem Jahr aber dennoch denkbar schlecht gewesen. Auf einen langen kalten Winter folgte ein nasser Mai, der das Wurzelwachstum der Saat beeinträchtigt habe. Diese sei der Hitzewelle im Juli nicht gewachsen gewesen. „Der viele Regen hat einiges Getreide vom Backtrog in den Futtertrog geleitet. Langen Unterbrechungen durch Regen und Gewittern folgte der ungemeine Druck für die Landwirte, innerhalb kürzester Zeit die plötzlich reifen Felder schnell abzuernten. Sie mussten starke Nerven beweisen“, so Glaser.

Wegen zu nassem Boden seien die Ackerflächen teilweise nicht einmal befahrbar gewesen, als das Getreide eigentlich hätte abgeerntet werden können. Trotz allem sei man froh, relativ glimpflich aus dem Sommer herausgehen zu können. Mit den Werten der Inhaltsstoffe sei man zufrieden gewesen und dank einiger Bestände aus dem Vorjahr sei ein Versorgungsengpass nicht zu befürchten.

Auch der stellvertretende Kreisobmann Thomas Zimmerer und Hubert Hopp, zweiter Stellvertreter, sowie Klaus Burger, Geschäftsstellenleiter in Sigmaringen, bestätigten diese Zusammenfassung und gaben einen Zukunftsausblick auch über die reine Getreidelandwirtschaft hinaus.

Reinhold Kettnaker schilderte die Situation aus den Augen eines hiesigen Landwirts. Insgesamt wünsche man sich eine stärkere Anteilnahme der Verbraucher an der heute schwierigen Situation der Landwirte.