StartseiteRegionalRegion BiberachBiberachLandrat Mario Glaser verteidigt Straßenamt gegen Kritik

Zu langsam bei den Radwegen?

Landrat Mario Glaser verteidigt Straßenamt gegen Kritik

Biberach / Lesedauer: 3 min

Die Kreisräte fordern ein höheres Tempo beim Radwegausbau im Landkreis Biberach. So reagiert die Verwaltung.
Veröffentlicht:03.12.2023, 11:50

Artikel teilen:

In regelmäßigen Abständen äußern Mitglieder verschiedener Kreistagsfraktionen Kritik am Straßenamt. In der Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses war es Landrat Mario Glaser und Finanzdezernent Holger Adler nun ein Anliegen, ihre Wertschätzung für die Arbeit der Mitarbeiter zum Ausdruck zu bringen.

Am deutlichsten wurde zuletzt Waltraud Riek (Frauen), die den Radwegeausbau in ihrer Haushaltsrede als „schleppende Angelegenheit“ bezeichnete. Simon Özkeles (SPD) wünschte sich ebenfalls ein höheres Tempo. Auch Grüne und ÖDP platzierten bereits Kritik am Radwegeausbau oder zum Thema „Mulchen“ am Rande der 548 Kreisstraßenkilometer.

Radreport als Referenz

Finanzdezernent Adler legte bei seinen Ausführungen zum Kreishaushalt 2024 einen Schwerpunkt auf das Thema Radverkehr und präsentierte dazu Auszüge aus dem Radreport des Landes Baden-Württemberg, der bereits in einer Oktobersitzung Thema war. „Wir liegen hier in der Spitzengruppe“, betonte Adler und ergänzte: „Andere Landkreise machen gar nichts.“

Adler bezog sich mit seiner Aussage unter anderem auf die Angaben zum durchschnittlichen Radverkehrsetat in den Jahren 2016 bis 2021. Demnach investiert der Landkreis 7,33 Euro pro Einwohner. Nur sechs Stadt- und Landkreise im Land weisen hier bessere Werte auf. Ein weiteres Ergebnis des Radreports war, dass der Anteil des Radverkehrs an den zurückgelegten Wegen im Landkreis bei zehn Prozent liege und damit weit über dem Landesdurchschnitt (sechs Prozent). Ruth Lang (Grüne) und Martina Miller (SPD) hatten sich schon im Oktober wenig beeindruckt von diesen Zahlen gezeigt.

Schwierige Personalsituation

Lang hatte damals auch auf die Zielvorgabe des Landes beim Radverkehrsetat verwiesen, die bei 30 Euro pro Einwohner liegt. Landrat Glaser erläuterte nun, dass in der Zielvorgabe auch die Beiträge von Bund und Land zu berücksichtigen seien. Die 7,33 Euro bezögen sich dagegen lediglich auf den Landkreis. Auch machte der Landrat deutlich, wie wenig er von dieser Zielvorgabe hält.

Tatsächlich würde auch der Landkreis gerne mehr für die Radwege leisten. Doch neben zähen Grunderwerbsverhandlungen bezeichnete Glaser die Personalausstattung als limitierenden Faktor. Amtsleiter Gunnar Volz stehen derzeit 17 Mitarbeiter zur Verfügung, verteilt auf rund 14 Vollzeitstellen. 1,8 Personalstellen sind für den Radverkehr zuständig.

Erfolg bei Fördermitteln

„Ich finde beeindruckend, was wir mit dem Personal leisten“, sagte Glaser. Amtsleiter Volz wies in der Sitzung auch auf den Riesenaufwand hin, der neben der Planung für Förderanträge und Grundstücksverhandlungen anfalle. Um noch mehr zu leisten, „brauchen wir mehr Personal und mehr Geld“, stellte Glaser fest. Das liege jedoch in der Verantwortung des Kreistags.

Einen Beleg für die gute Arbeit des Straßenamts konnte Glaser in der Sitzung mit der Abrechnung des Geh- und Radwegs Ahlen - Rupertshofen liefern. Vor allem dank erfolgreicher Förderanträge entfallen hier von den Gesamtkosten in Höhe von 266.000 Euro lediglich 38.000 Euro auf den Landkreis.

Viele offene Stellen bei Straßenmeistereien

Schwierig ist die Personalsituation auch bei den Straßenmeistereien. Finanzdezernent Adler zählte neun offene Stellen in der Zentralwerkstatt in Warthausen sowie den Straßenmeistereien Biberach, Laupheim, Riedlingen und Ochsenhausen auf. Allein für Ochsenhausen werden derzeit ein stellvertretender Straßenmeister und zwei Straßenwärter gesucht. Als Hauptproblem nannte Glaser und Adler das niedrige Gehalt. „Aber da können wir nichts machen“, sagte der Landrat und verwies auf die Tarifbindung. Glaser habe „größten Respekt“ vor der Leistung der Mitarbeiter und wünscht sich mehr Wertschätzung, auch seitens des Kreistags. Der Landrat schlug den Kreisräten vor, sich in Warthausen mit den Mitarbeitern auszutauschen.

Es gab aber auch Zuspruch für das Straßenamt von den Mandatsträgern. „Was der Landkreis bei den Radwegen leistet, ist beispielhaft“, sagte Jürgen Köhler, CDU-Kreisrat und Ertinger Bürgermeister. Gerade im Vergleich mit anderen Landkreises sei das Engagement lobenswert.

Ruth Lang rechtfertigte derweil ihre Kritik mit der großen Bedeutung, die der Verkehrswende für das Erreichen der Klimaziele zukomme. Sie finde es daher auch angemessen, die Bilanz des Landkreises Biberach nicht nur mit den schlechteren Kreisen zu vergleichen.