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Biberacher Innenstadt

Großes Ziel: Leerstände wieder mit Leben füllen

Biberach / Lesedauer: 4 min

Mit der Aktion „Biberacher Freiräume - meine Chance“ bringt die Stadtverwaltung potenzielle Mieter mit Eigentümern von leerstehenden Gebäuden zusammen.
Veröffentlicht:04.12.2023, 05:00

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Unter dem Titel „Biberacher Freiräume - meine Chance“ hat die Stadtverwaltung am Donnerstag zu einem ersten Aktionstag eingeladen, an dem Interessierte mit Eigentümern von leerstehenden Immobilien in der Innenstadt ins Gespräch kommen können. Rund 25 Bürgerinnen und Bürger sind zu einem Informationsgespräch mit dem Bauverwaltungsamt ins Rathaus gekommen und erkundeten anschließend auf eigene Faust die zwölf leerstehenden Ladengeschäfte und Büroflächen, die Teil der Aktion waren.

Vor allem die Hindenburgstraße ist aktuell ein Sorgenkind in der Biberacher Innenstadt, hier stehen fünf Geschäfte leer. Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung, allen voran der Erste Bürgermeister Ralf Miller, erhoffen sich durch die Veranstaltung, Kontakte zwischen potenziellen Mietern und Eigentümern. Das Ziel ist klar: Biberacher Leerstände sollen wieder mit Leben gefüllt werden.

In der Hindenburgstraße tut sich was

Erst kürzlich hat Luis Chavillié das Gebäude Hindenburgstaße 6 erworben, zuletzt befand sich eine Filiale des Bekleidungsgeschäfts Kenny S. in der Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Mit Interessierten kam er an diesem Vormittag ins Gespräch. „Ich finde, diese Aktion der Stadtverwaltung eigentlich sehr gut. So kann man ganz unkompliziert ins Gespräch kommen“, sagt Chavillié. Das Räumlichkeiten sollen noch saniert werden, sodass an dieser Stelle etwas Schönes entstehen kann. „Vom Konzept her, sind wir sehr offen, was hier passieren könnte“, sagt der Biberacher. „Ich persönlich fände ein Café sehr schön, ich lasse mich aber überraschen, was kommt.“ Im Obergeschoss gibt es noch zwei kleine Wohnungen, die er sich als Airbnb-Ferienwohnungen vorstellen könnte und zusätzlich noch ein rund 200 Quadratmeter große Wohnung, die er gerne als WG vermieten möchte.

In diesen Räumen in der Hindenburgstraße 2 befand sich früher das Spielwarengeschäft Huber Harth. Eigentümer Julian Huber (rechts) reiste extra aus Berlin an, um mit Interessenten ins Gespräch zu kommen.
In diesen Räumen in der Hindenburgstraße 2 befand sich früher das Spielwarengeschäft Huber Harth. Eigentümer Julian Huber (rechts) reiste extra aus Berlin an, um mit Interessenten ins Gespräch zu kommen. (Foto: Tanja Bosch)

Johanna Wiedergrün sah sich die Leerstände als interessierte Biberacher Bürgerin an und kam mit den Eigentümern ins Gespräch: „Ich hatte bereits ein Geschäft in Bad Saulgau und bin sehr interessiert daran, was in Biberach passiert“, sagt die 35-Jährige. Erst kürzlich hat sie sich mit einer Beratung für Gründerinnen selbstständig gemacht, also hat sie auch ein berufliches Interesse daran, wie es in der Stadt weitergeht und vor allem auch daran, wie es um die Mieten steht. „Teilweise sind die Mieten einfach enorm hoch, das schreckt viele ab, einen Laden zu eröffnen“, sagt sie. Von der Stadt würde sie sich wünschen, da zu unterstützen und gegebenenfalls einzugreifen.

Realistische Mieten sind angebracht

„Das ist allein Sache der Eigentümer, da haben wir leider keinen Einfluss drauf“, sagt Carolin Ehringer, Leiterin des Amts für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung. „Wir appellieren aber schon an die Eigentümer, angemessene Mietpreise anzusetzen.“ Mehr sei aber auch nicht möglich.

Das weiß auch Julian Huber, Eigentümer des Gebäudes Hindenburgstraße 2, hier befand sich früher das bekannte Biberacher Spielwarengeschäft Huber Harth. Er ist gemeinsam mit seiner Nichte extra für den Termin aus Berlin angereist und erhofft sich Kontakte mit Interessenten. „Man muss mit den Preisen tatsächlich ein bisschen realistischer sein“, sagt er. „Vor Corona war ich nie so oft in Biberach wie in den vergangen paar Jahren“, sagt Huber. „Es ist der Wahnsinn, was diese Krise mit der Innenstadt gemacht hat.“ So viele Geschäfte seien leer.

„In Biberach ist tote Hose“

Auch Jürgen Zieher aus Stuttgart, Architekt und Eigentümer zweier Biberacher Geschäfte, beobachtet das aktuelle Geschehen in Biberach mit einem unguten Gefühl: „Meiner Meinung nach hat die Stadt versäumt, etwas für ihr Stadtbild und die Anziehungskraft zu tun. Im Vergleich zu anderen Städten in ähnlicher Größe ist in Biberach tote Hose“, sagt Zieher. Das liege unter anderem auch an vielen bürokratischen Hürden, die es in Biberach und den zuständigen Ämtern gebe. „In anderen Städten ist man da ein bisschen flexibler und das könnte Biberach auch nicht schaden“, so der Stuttgarter.

Die Aktion „Biberacher Freiräume“ findet Zieher dennoch gut und wichtig: „Schade ist nur, dass beim Rundgang kein Verantwortlicher der Stadtverwaltung dabei ist, denn hier gibt es die wirklich wichtigen Gespräche und Informationen.“ Auch er habe einige Zeit benötigt, um seine zwei Leerstände in Biberach wieder mit Leben zu füllen: „Das ging nur mit viel Eigeninitiative.“ Und genau das ist es auch, was die Stadt mit der neuen Veranstaltungsreihe erreichen will: Es geht um die persönlichen Kontakte zwischen potenziellen Mietern und Eigentümern.


Wer ebenfalls Interesse an Biberacher Leerständen hat und mehr erfahren möchte, kann sich bei Tanja Volk vom Leerstandsmanagement der Stadt melden unter Telefon 07351/51680 oder per Mail an: [email protected]