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Forderungen bei Kundgebung in Biberach

Gewerkschaften fordern Sozial– und Erziehungsberufe aufzuwerten

Biberach / Lesedauer: 4 min

Lehrer– und Erziehungsfachkräftemangel bildeten Themen bei der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Biberach. Das waren die Forderungen der Hauptrednerin.
Veröffentlicht:01.05.2023, 17:35

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Die Auswirkungen des Lehrermangels und der Bedarf an Fachkräften im Kindergartenbereich haben die Reden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bei der Maikundgebung am Montag auf dem Biberacher Marktplatz geprägt. Hauptrednerin war Monika Stein, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden–Württemberg.

Es ist schade, dass in Biberach bisher keine Straße nach Anton Mönch benannt wurde. 

Antje Trosien

„Mit dem Motto ‚Ungebrochen solidarisch‘ möchten wir am Tag der Arbeit ein Zeichen setzen für eine gerechte und friedliche Zukunft“, sagte Herbert Kasperek, Vorsitzender des DGB–Kreisverbandes Biberach, bei der Eröffnung der Veranstaltung. Weiter forderte er in seiner Rede einen starken Sozialstaat und eine leistungsfähige Daseinsvorsorge.

Erinnerung Biberacher Gewerkschafter

Die Gewerkschaftssekretärin des DGB Südostwürttemberg Antje Trosien ging in ihrer Ansprache auf den Sturm der Faschisten auf die Gewerkschaftshäuser vor 90 Jahren ein.

Sie als Gewerkschaften gehören zu einer funktionierenden Demokratie dazu. 

Landrat Mario Glaser

Sie erinnerte in ihrer Rede an die Biberacher Gewerkschafter Karl Arnold und Anton Mönch. „Es ist schade, dass in Biberach bisher keine Straße nach Anton Mönch benannt wurde“, sagte Antje Trosien an Bürgermeister Christian Kuhlmann gewandt.

So sieht Landrat Tarifeinigung

Landrat Mario Glaser lobte den kommenden Tarifabschluss im öffentlichen Dienst, bei dem die unteren Lohngruppen besser berücksichtigt würden.

„Sie als Gewerkschaften gehören zu einer funktionierenden Demokratie dazu“, sagte Glaser. Wo es keine Gewerkschaften gebe, gebe es auch keine Demokratie, führte er aus. Auch er erinnerte an die Zerschlagung der Gewerkschaften 1933.

Kitas gebaut, aber Personal fehlt

Baubürgermeister Kuhlmann ging auf den Fachkräftemangel im erzieherischen Bereich ein. „Wir haben Kindergärten eingerichtet“, berichtete er. Aber die Gruppen könnten nicht betreut werden, weil Fachkräfte fehlten. Und: „Als öffentlicher Dienst stehen wir am starken Wirtschaftsstandort Biberach mit großen Betrieben in Konkurrenz.“

Kitas sind keine Aufbewahrung für Kinder oder eine Betreuungsdienstleistung für Eltern.

Monika Stein

Es sei wunderbar, gemeinsam wieder ein starkes Zeichen zu setzen, ging die GEW–Landesvorsitzende Monika Stein auf den Slogan der Kundgebung ein. „Solidarisch begegnen wir allen Herausforderungen, von denen wir vor Jahren gar nicht wussten, dass wir sie zusammen meistern“ und solidarisch begegne die Gemeinschaft dem Klimawandel, zählte Stein unter anderem auf.

Gewerkschaft fordert kräftige Lohnzuwächse

Viele Hilfen, die die Regierung zur Entlastung der Bürgerinnen und Bürger angekündigt oder umgesetzt habe, „hätte es ohne den Druck von uns Gewerkschaften nicht gegeben“, sagte sie. Staatliche Hilfen seien aber nur ein Notnagel. Kräftige Lohn– und Gehaltszuwächse „sind das beste Mittel gegen steigende Lebenshaltungskosten“, so Monika Stein.

Kritik an Landesregierung

Das Streikrecht sei ein Grundpfeiler sozialer Demokratie, deshalb habe die GEW vor dem EuGH für ein Streikrecht der Beamtinnen und Beamten geklagt, sagte Stein weiter. Die Sozial– und Erziehungsdienste müssten aufgewertet werden, befand die Gewerkschafterin.

Allein in Baden–Württemberg seien bis 2030 40.000 Stellen unbesetzt. „Kitas sind keine Aufbewahrung für Kinder oder eine Betreuungsdienstleistung für Eltern.“ Kitas seien Bildungseinrichtungen. Seit zwölf Jahren werde Baden–Württemberg grün regiert und jedes Jahr stünden die Schulen und die Unterrichtsversorgung schlechter da, sagte Stein. Der GEW sei eine vorausschauende Personalplanung wichtig.

Jenseits der Iller 500 Euro mehr Gehalt

Weitere Themen ihrer Rede waren der Lehrkräftemangel und fehlende Studienplätze. Apropos Wertschätzung: Eine Grundschullehrerin in Biberach verdiene demnächst 500 Euro weniger im Monat als ihre Kollegin in Memmingen, sagte sie.

Die Gewerkschaft protestiere dagegen und mache Druck, damit nicht noch mehr Lehrkräfte in andere Bundesländer abwanderten, in denen sie mehr Wertschätzung erfahren würden.

Mit dem Arbeiterlied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ ging die Kundgebung zu Ende. Das Duo „Aja“ mit Martin und Andreas Gratz sorgte für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung.