Kniegelenk

Sie tragen uns durchs Leben: Wie man Knie bis ins hohe Alter gesund hält

Biberach / Lesedauer: 4 min

Edwin Jäger von der AOK spricht über das Thema „Fittes Knie“ – Stärkung der Muskulatur ist wichtig
Veröffentlicht:30.07.2022, 17:00

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Unter dem Motto „Fit durch die Jahreszeiten“ bietet die AOK Ulm-Biberach in Zusammenarbeit mit der „Schwäbischen Zeitung“ verschiedene Kurse und Aktionen an. Am Mittwoch, 3. August, steht eine Schnupperstunde zum Thema „Fittes Knie“ auf dem Programm. Los geht’s um 18 Uhr im neuen Gesundheitszentrum der AOK in der Marie-Curie-Straße 6 in Biberach. Dieses Angebot richtet sich an alle, die präventiv oder nach einer Knieverletzung, gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur machen möchten. Geleitet wird der Kurs von Edwin Jäger , Sportfachkraft für Bewegung und Entspannung bei der AOK Ulm-Biberach. Im Interview spricht er darüber, warum das Knie bei vielen Menschen eine Schwachstelle ist.

Herr Jäger, was ist am Knie so besonders?

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers. Seine beiden Hauptbewegungsrichtungen sind die Streckung und die Beugung. Nur in gebeugtem Zustand ist auch eine Rotationsbewegung des Unterschenkels möglich. Man spricht daher von einem Drehscharniergelenk. An den Kniegelenken treten hohe Belastungen auf, da nahezu das gesamte Körpergewicht auf ihnen lastet. Beim Treppabsteigen zum Beispiel kommt das 3,5-fache vom Körpergewicht obendrauf.

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Die beiden knöchernen Gelenkpartner sind der Oberschenkelknochen und das Schienbein. Zur besseren Führung des Gelenkes sind diese mit einer Knorpelschicht überzogen. Der Knorpel ermöglicht in erster Linie ein reibungsarmes Gleiten der Gelenkflächen und federt Stoßbewegungen ab.

Unterstützt wird der Knorpel noch von beiden Menisken, die nochmals die Passung zwischen den beiden Gelenkpartnern verbessern und sehr wichtig sind. Die Bandstrukturen –also Innenband, Außenband sowie die beiden Kreuzbänder – verleihen dem Kniegelenk zusammen mit der Muskulatur und der Gelenkkapsel seine Stabilität. All dies bietet natürlich auch Schwachstellen für das Kniegelenk.

Wie wirken sich diese Schwachstellen aus?

Die ersten Anzeichen von arthrotischen Veränderungen sind häufig Abnutzungen und Einrisse der Menisken. Auch abgenutzte Knorpelschichten können nicht mehr neu gebildet werden und zu erheblichen Schmerzen führen. Die Verletzung von Bandstrukturen stellen für die Stabilität des Kniegelenkes ebenso Schwachstellen dar. Ein rechteckiger Tisch steht ja auch auf vier Beinen sicherer als auf drei. Mit einer gut ausgebildeten und ausgewogenen Muskulatur wird unser Kniegelenk gestützt und geschützt.

Wie mache ich das am besten?

Wir sind Beweger. Das heißt in erster Linie braucht unser Knie eine gute Be- und Entlastung. Über Bewegung wird Gelenkflüssigkeit produziert.

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Diese dient dem Gelenk als Schmiermittel und enthält Nährstoffe, die den Knorpel versorgen. Zur Stabilisation des Knies werden gezielt die Muskeln der Oberschenkelvorderseite sowie der Beinrückseite trainiert. Wichtig ist hierbei ein ausgewogenes Verhältnis. Oftmals ist die Muskulatur der Oberschenkelvorderseite viel stärker ausgeprägt, was ebenfalls zu Problemen führen kann.

Welche Übungen gibt es, um mein Knie präventiv zu schützen?

Von klassischen Kniebeugen bis hin zu Übungen auf wackeligem Untergrund gibt es eine Vielzahl von schönen und effektiven Möglichkeiten. Auch koordinative Übungen tragen zur Verbesserung der gesamten Bewegungsabläufe bei und schützen vor Verletzungen. Außerdem ist es wichtig, auf eine gute Flexibilität der Muskeln zu achten. Oftmals ist die Muskulatur der Oberschenkelvorderseite verkürzt, was zu Knieschmerzen oder auch Rückenschmerzen führen kann.

Was sollten Betroffene beachten, die zum Beispiel eine Knie-OP oder Probleme mit dem Knie haben?

Zum einen sollte die Eigenwahrnehmung geschult werden. Oft haben sich über Jahre ungute Bewegungsmuster eingeschlichen, die es gilt, wieder rückgängig zu machen. Zum Beispiel bei einer Kniebeuge genau darauf zu achten, dass Hüfte, Knie und Sprunggelenke in einer Achse verlaufen. Auch gilt Qualität vor Quantität bei Übungen und wichtig: nicht in Schmerzen hinein trainieren.

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Das Training sollte fester Bestandteil im Alltag werden und nicht erst, wenn die Schmerzen wieder da sind. Wir bieten von der AOK übrigens hierzu spezielle Knie- und Hüftkurse an, bei denen die Teilnehmer auch zweimal pro Woche ein Heimtraining absolvieren müssen.

Was bieten Sie außerdem in der Schnupperstunde an? Für wen ist sie geeignet?

Angesprochen sind alle, die präventiv oder nach einer Knieverletzung gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur machen möchten. Mein Ziel ist es, für jeden individuell ein paar Tipps und Anregungen zu geben. Nach einer kurzen theoretischen Einführung starten wir mit gemeinsamen Übungen und versuchen uns, aufs Knie und die umliegenden Muskeln zu konzentrieren. Denn eines ist klar: Eine gute und ausgewogene Muskulatur schützt das Knie – ob präventiv oder auch nach einer OP.

Anmelden können sich Interessierte bei der AOK Biberach unter Telefon 07351/501450. Die Teilnahme ist kostenfrei. Es sollten Sportkleidung und ein Handtuch mitgebracht werden.