StartseiteRegionalRegion BiberachBiberachDieser Mann besitzt alle 575 Bände des „Lustigen Taschenbuchs“

Sammelserie „Wer bietet mehr?“

Dieser Mann besitzt alle 575 Bände des „Lustigen Taschenbuchs“

Biberach / Lesedauer: 4 min

Der 64-Jährige hat alle Disney-Comicbände gesammelt, die seit 1967 monatlich erschienen sind. Welche Rolle das Biberacher Schützentheater dabei spielte.
Veröffentlicht:20.09.2023, 17:00

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Vor dem Einschlafen taucht Thomas Fleischmann aus Biberach gerne in das Universum von Donald Duck und Micky Maus ein. Um das zu tun, hat der 64-Jährige eine reiche Auswahl. Er besitzt alle bislang erschienen 575 Bände der „Lustigen Taschenbücher“ von Walt Disney. Damit endet die SZ-Sommerserie „Wer bietet mehr?“.

Angefangen hat eigentlich alles im Biberacher Schützentheater.

Thomas Fleischmann

Mehr als ein zimmerhohes Regal füllen die bunten Comic-Bücher im Arbeitszimmer von Thomas Fleischmann. „Angefangen hat eigentlich alles im Biberacher Schützentheater“, erzählt er. Dort hat er als Schüler mehrere Jahre mitgespielt. „Da hatte man immer wieder Pausen, wenn man gerade nicht auf der Bühne war. In diesen Pausen habe ich angefangen, die Lustigen Taschenbücher zu lesen.“

Die „Lustigen Taschenbücher“ (LTB) ist neben dem klassischen Micky-Maus-Heft, das seit 1951 in Deutschland erscheint, vermutlich eine der erfolgreichsten Reihen mit Walt-Disney-Comics.

Von meinem Taschengeld als Schüler habe ich mir dann monatlich das neue Taschenbuch gekauft.

Thomas Fleischmann

Die rund 250 Seiten starken Bücher, die seit 1967 monatlich vom Verlag Egmont Ehapa Media (früher Ehapa-Verlag) herausgegeben werden, beinhalten jeweils mehrere angeschlossene Geschichten aus dem Disney-Universum.

Von seinem Taschengeld gekauft

Unzählige Kinder und Jugendliche dürften in den vergangenen 56 Jahren vermutlich die Abenteuer von Micky, Donald, Dagobert & Co. verschlungen haben. Comic-Fans wie Thomas Fleischmann, die tatsächlich alle LTB ihr Eigen nennen, dürfte es aber wahrscheinlich nicht so viele geben.

Inzwischen habe ich ein Abo und bekomme jeweils das neueste Taschenbuch gleich nach Erscheinen zugeschickt.

Thomas Fleischmann

Der Biberacher stieg wenige Ausgaben nach dem ersten LTB mit dem Lesen ein. „Von meinem Taschengeld als Schüler habe ich mir dann monatlich das neue Taschenbuch gekauft“, sagt er. Die kosteten zu Beginn noch 2,50 D-Mark, 1981 dann bereits fünf D-Mark, und heute muss man knapp acht Euro dafür berappen.

Fein säuberlich geordnet sind die Bände im Regal aufgereiht.
Fein säuberlich geordnet sind die Bände im Regal aufgereiht. (Foto: Gerd Mägerle)

Fehlende Nummern nachgekauft

Irgendwann als Schüler bemerkte Fleischmann, dass es ja schon LTBs gab, bevor er in die Reihe einstieg. „Ich habe dann versucht, die ersten paar Bücher nachzukaufen.“ Diese wurden nämlich auch nach ihrem Erscheinen in den Folgejahren immer wieder in kleineren Auflagen gedruckt.

So ist Fleischmanns Ausgabe des LTB Nummer 1 („Der Kolumbusfalter und andere Abenteuer“) zwar nicht von 1967, aber doch bereits aus dem Jahr 1971.

Die Taschenbücher sind nicht so schwer wie ein gebundener Roman.

Thomas Fleischmann

Von den Ausgaben der Folgejahre kaufte sich der Biberacher allerdings immer ein Exemplar der Erstauflage. „Mit Mitte 20 hat die Sammelleidenschaft dann für ein paar Jahre nachgelassen“, erzählt Thomas Fleischmann.

Mit Mitte 30 stieg er dann aber wieder in das LTB-Universum ein und hat in den vergangenen knapp 30 Jahren wieder jeden Band gekauft, sobald dieser erschienen ist. „Inzwischen habe ich ein Abo und bekomme jeweils das neueste Taschenbuch gleich nach Erscheinen zugeschickt.“

Sammlung wird nicht verkauft

Die fehlenden Nummern aus seiner etwa zehnjährigen Sammelpause hat er inzwischen in Comicläden und auf Flohmärkten nachgekauft. Im Gegensatz zu manch anderen Dingen, die man sammeln könne, sei seine Sammelleidenschaft einigermaßen preiswert, meint er. Wobei seine Sammlung in Kreisen der LTB-Fans vermutlich einiges wert sein dürfte.

Gerade die älteren Erstauflagen werden auf Auktionsportalen zum Teil zu hohen Preisen gehandelt. Verkaufen will Fleischmann seine Sammlung aktuell aber nicht, „weil ich sie selbst noch nutze“.

Ich mag die alten Taschenbücher, in denen sechs Comicbilder symmetrisch auf einer Seite angeordnet waren, einfach lieber.

Thomas Fleischmann

Als Bettlektüre liegen immer ein paar der LTB als Einschlaflektüre bereit. Das hat auch ganz praktische Gründe: „Die Taschenbücher sind nicht so schwer wie ein gebundener Roman.“

Aus dem Disney-Universum hat es ihm vor allem Dagobert Duck angetan. Nicht so richtig anfreunden kann sich der 64-Jährige mit dem inzwischen eher abstrakteren, moderneren Stil, in dem die Comics gezeichnet sind.

„Ich mag die alten Taschenbücher, in denen sechs Comicbilder symmetrisch auf einer Seite angeordnet waren, einfach lieber.“ Positiv findet er hingegen, dass Donald Ducks Neffen Tick, Trick und Track die heutige Jugendsprache angeeignet haben, „und nicht mehr so gestelzt reden wie früher“.

Wie lange Thomas Fleischmann seine Sammelleidenschaft noch treiben will? „Auf jeden Fall, bis die beiden freien Fächer im Regal gefüllt sind“, sagt er. Das dürfte demzufolge noch mehrere Jahre dauern. Diese Woche kommt erst mal Band 576 neu dazu.