Ittenhausen

Dem Himmel ganz nah

Ittenhausen / Lesedauer: 3 min

Bei Ittenhausen zeigt sich die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht
Veröffentlicht:23.12.2013, 12:30

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Die Nacht bricht herein. Am Himmel zeigen sich die ersten Sterne, Kassiopeia und der Große Wagen sind zu erkennen. Wenn es dunkler wird, zeigt sich bei Ittenhausen ein Nachthimmel in atemberaubender Pracht. Weil es dort wenig Lichtverschmutzung gibt, ist bei Neumond und guter Sicht eine Vielzahl von Sternen zu erkennen - das ist anderswo im Land kaum mehr möglich. Da fühlt sich der Mensch „dem Himmel ganz nah“.

Neumond, klare Sicht und eine geringe Luftfeuchtigkeit sind ideale Bedingungen, um nachts einen überwältigenden Sternenhimmel zu erleben. „Solche Voraussetzungen für Sternenbeobachter gibt es vielleicht in sechs oder sieben Nächten im Jahr“, sagt Hobbyastronom Hans-Jürgen Merk aus Biberach. Seit seiner Kindheit ist er fasziniert von den Sternen und immer auf der Suche nach idealen Beobachtungsplätzen.

Er habe die ganze Schwäbische Alb vermessen, erzählt Merk. Das heißt, er hat die Himmelshelligkeit an ausgewählten Stellen mit speziellen Messgeräten gemessen und visuell beurteilt . Zwischen Alb und Allgäu war er auf der Suche nach geeigneten Plätzen zum Sterne beobachten. Bei Ittenhausen, beim Denkmal Gulde, hat er 2007 einen der „dunkelsten Plätze in ganz Deutschland“ gefunden. Bei idealen Bedingungen lässt sich dort die Milchstraße mit bloßem Auge erkennen. „Allerdings werden die guten Plätze immer weniger, weil die Lichtverschmutzung zunimmt“, bedauert der Hobbyastronom.

Deshalb engagiert er sich im Projekt „Sternenpark Schwäbische Alb“. Ins Leben gerufen hat das Projekt Matthias Engel , ebenfalls Hobbyastronom, aus Stuttgart. Er und seine neun Mitstreiter engagieren sich für den Erhalt des dunklen Nachthimmels und für umweltgerechte Beleuchtung. Neben Ittenhausen haben auch Upflamör, Indelhausen, Tigerfeld und Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Münsingen noch einen annähernd natürlichen Nachthimmel.

Die letzten intakten Nachtlandschaften sind durch zunehmende Beleuchtung gefährdet. Deshalb suchen die Hobbyastronomen das Gespräch mit den Bürgermeistern der Gemeinden, um sie von umweltgerechter Beleuchtung (abgeschirmt, warmweiß) zu überzeugen, die eigentlich nur Vorteile aufweisen kann, bezüglich des Energieverbrauchs, der Gesundheit, Sicherheit und des Einflusses auf die Natur. Wenn die Gemeinden sich für den Erhalt der Nacht und Vermeidung von Lichtverschmutzung einsetzen, könnte die Schwäbische Alb als „Sternenpark“ anerkannt werden - so die Idee von Matthias Engel. Sogenannte „Dark Sky Parks“ gebe es schon in den USA, in Großbritannien und Tschechien. Auch touristisch ließe sich ein natürlicher Nachthimmel nutzen: Naturfreunde, Hobbyastronomen und Urlauber könnten sich an einem Sternenhimmel erfreuen, den es in Ballungszentren schon lange nicht mehr gibt.

Das Stuttgarter Licht ziehe bis auf die Alb, sagt auch Merk. Auch wenn Sommer und Herbst idealer sind, um in den Himmel zu schauen, gibt es auch im Winter klare und trockene Nächte. Zurzeit kann mit einem Fernglas der Komet „Lovejoy“ (C/2013 R1) beobachtet werden. „Im Sternbild Herkules im Nordwesten ist er zu sehen“, erklärt Merk. Der Blick in den Himmel lohnt sich, denn der Komet ist „unser aktueller Weihnachtstern“. Der wird aber leider jetzt jeden Tag schwächer zu sehen sein .

Info:

Mehr Informationen unter www.sternenpark-schwaebische-alb.de und www.astromerk.de .