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Theaterregisseurin übernimmt Stadtbuchhandlung in Biberach

Biberach / Lesedauer: 4 min

Corinna Palm zieht mit dem Laden 2024 in die Schrannenstraße um und hat noch weitere, innovative Pläne.
Veröffentlicht:09.12.2023, 17:00

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Die Biberacher Theaterregisseurin Corinna Palm übernimmt ab 2024 die Stadtbuchhandlung von Cristina und Hanspeter Huchler, die sich Ende nächsten Jahres in den Ruhestand verabschieden. Mit dem Buchladen zieht Corinna Palm in den nächsten Monaten vom Marktplatz 51 in die Schrannenstraße 4 (ehemals Reno-Schuhe). Außer dem Buchgeschäft will sie dort auch einen Ort für Kleinkunst schaffen.

Seit er und seine Frau öffentlich gemacht haben, dass sie allmählich in Rente gehen wollen, hätten sie viele Anfragen von Interessenten erhalten, die die 1996 eröffnete Stadtbuchhandlung übernehmen wollten, sagt Hanspeter Huchler. Mit einigen führten sie Gespräche, am Ende fiel die Wahl auf Corinna Palm. Die Theatermacherin, die in Biberach durch viele Produktionen bekannt ist, hat zur Stadtbuchhandlung eine besondere Beziehung. „Ich liebe Literatur, und ich kann ohne Bücher nicht sein.“ Seit sie 1998 nach Biberach gekommen ist, sei sie Stammkundin in der Stadtbuchhandlung. Als ihr Sohn vor mehr als zehn Jahren in jugendlichem Alter ums Leben kam, hätten Bücher und vor allem die Stadtbuchhandlung sie gerettet.

Neuer Laden ist größer

Dem Ehepaar Huchler schilderte sie ihre Idee der zukünftigen Stadtbuchhandlung. „Wir finden das Konzept super, weil es für die Stadt etwas ganz Neues sein wird“, begründet Kristina Huchler, warum sie und ihr Mann den Zuschlag an Corinna Palm gaben.

Geplant ist, dass die Theaterregisseurin ab Januar tageweise in der Stadtbuchhandlung mitarbeitet und sich das notwendige Fachwissen aneignet. „Ich komme ja nicht aus der Branche und muss und will vieles lernen“, sagt sie. „Dafür ist man nie zu alt.“ Im Juni zieht Corinna Palm mit der Stadtbuchhandlung in die Schrannenstraße 4 (früher Reno-Schuhe) um, zentral in der Altstadt gelegen. Hintergrund ist, dass der Mietvertrag in den bisherigen Räumen 2024 ausläuft, „und der Laden in der Schrannenstraße ist fast dreimal so groß und günstiger“, sagt Palm. Los gehen soll es dort im Juli.

Bühne für Aufführungen

Derzeit laufen die vorbereitenden Arbeiten und Planungen, denn die neue Betreiberin will der Stadtbuchhandlung noch einen Zusatztitel verleihen. „Mir schwebt so etwas vor wie ,Schrannen-Kult’.“ Denn im neuen Laden soll es nicht nur Bücher, sondern auch die Möglichkeit für kleine Kulturveranstaltungen geben. Im hinteren Bereich des Geschäfts soll eine Bühne samt Licht- und Tonanlage eingebaut werden. Rund 50 bis 60 Besucher sollen dort kleine Konzerte, Theateraufführungen, Kabarett oder Lesungen genießen können. „Von der Musikschule bekomme ich ein Leihklavier, im Gegenzug können bei mir Vorspiele stattfinden“, sagt Corinna Palm.

Auch mit der benachbarten Volkshochschule und dem Kulturamt hat die Theatermacherin bereits über ihre Pläne gesprochen. „Hier können auch Vorträge oder auch mal ein Yogakurs stattfinden.“ Vieles sei denkbar, Corinna Palm will ihr breites kulturelles Netzwerk in der Stadt nutzen, um in der Schrannenstraße etwas aufzubauen, was es in Biberach so bislang nicht gibt. Auch mit dem benachbarten Café und den Modegeschäften strebt sie Kooperationen an. „Die können hier zum Beispiel Modenschauen veranstalten.“

Bisherige Inhaber arbeiten noch mit

Der vordere Bereich der Geschäftsräume soll den Büchern gewidmet sein. Wichtig ist Corinna Palm aber auch, nicht nur Mainstream anzubieten, sondern besondere Literatur und andere „schöne Dinge“, wie sie sagt. „Im Vordergrund steht das Gespräch und die Beratung.“ Unterstützung bekommt Corinna Palm durch eine Bekannte, die in der Geschäftsleitung eines großen deutschen Verlags arbeitet. Außerdem werden Cristina und Hanspeter Huchler mit in die Schrannenstraße umziehen und dort noch bis Ende 2024 im neuen Laden mitarbeiten. Auch die langjährigen Beschäftigten der Stadtbuchhandlung haben signalisiert, weiter dabei bleiben zu wollen.

In der Buchhandlung soll es samstags auch ein Vorleseangebot für Kinder geben, damit die Eltern so lange zum Einkaufen gehen können. „Ich kann mich kaum retten vor Menschen, die den Kindern vorlesen möchten“, sagt Corinna Palm.

Kultur stärken

Bei all den kreativen Plänen habe sie aber auch gehörigen Respekt vor dem Schritt. „Das Ganze ist für mich ein Risiko. Wir sind gerade in schwierigen Zeiten. Aber ich fühle mich der Gesellschaft und der Stadt verpflichtet, dem schwindenden Kulturdenken etwas entgegen zu setzen“, sagt sie. „Kultur ist Bildung - und wie wichtig diese ist, haben wir in der Pisa-Studie wieder gesehen.“

Für Cristina und Hanspeter Huchler ist die Übernahme ihres Geschäfts durch Corinna Palm die Ideallösung. Auch die künftige Lage finden sie ideal. „Das Geschäft ist mitten in der Altstadt, barrierefrei und von allen Parkdecks aus in etwa gleich weit weg. Und es bietet die Möglichkeit zu zeigen, dass ein Laden nicht nur direkt am Marktplatz funktioniert“, sagt Hanspeter Huchler. Er hoffe, dass die Stammkundschaft in die Schrannenstraße folge und Corinna Palm mit ihrem Netzwerk neue Kunden anlocke. Dass der Laden eine gute Zukunft hat, dessen ist Huchler sich sicher: „Wir haben in fast 30 Jahren so viele Abgesänge auf den Buchhandel und unser Geschäft gehört - wir sind immer noch da.“