Borkenkäfersaison

Borkenkäfersaison: So ist die Lage in den Wäldern der Region

Biberach / Lesedauer: 5 min

So ist die Lage in den Wälder, diese Maßnahmen ergreifen die Forstämter
Veröffentlicht:30.06.2022, 17:00

Von:
Artikel teilen:

Borkenkäfer vermehren sich exponentiell. Je mehr Generationen das Insekt in einem Jahr ausbilden kann, desto riesiger ist die Zahl seiner Nachkommen und umso größer das Problem für den Wald. Im Trockenjahr 2018 konnte der Borkenkäfer sogar beginnen, eine vierte Generation zu bilden. In diesem Jahr waren die Startvoraussetzungen für ihn nicht so günstig. Wie ForstBW, Kreisforstamt und das Forstamt der Stadt Biberach die Situation einschätzen.

Befallene Bäume finden, um sie schnell fällen und aus dem Wald herausholen zu können: das ist zurzeit eine der wichtigsten Aufgaben der Forstbetriebe. „Das Borkenkäfermonitoring beschäftigt uns im Sommer ziemlich stark“, berichtet der Leiter des Forstamts der Stadt Biberach, Markus Weisshaupt . Um die Käfer nachzuweisen, werden zunächst Fallen aufgestellt. „Wenn wir viele Tiere in darin finden, wissen wir: Es heißt aufpassen“, sagt Weisshaupt.

Bohrmehl unterm Baum zeigt Käferbefall

Bei der Suche nach Käferbäumen orientieren sich die Mitarbeitenden unter anderem an Befallsbereichen des vergangenen Jahres. Systematisch gehen sie Bestände ab. Bohrmehl unter den Bäumen oder unter der Rinde am Einbohrloch zeigt, dass der Käfer am Werk ist. „Starker Wind und Regen kann das Bohrmehl allerdings abwehen, beziehungsweise abwaschen, daher sind trockene Tage für die Suche am erfolgversprechendsten“, weiß die stellvertretende Kreisforstamtsleiterin Karin Ott.

Der Specht als Indikator

Auch nach dem Specht, der Käferlarven sucht, halten die Mitarbeitenden Ausschau. „Bei stärkerem Befall ist auch er ein Indikator “, erläutert Weisshaupt. Zudem liefert der Zustand der Kronen Hinweise. „Bei Borkenkäferbefall sondert der Baum oben Harztropfen ab und die Krone wird schütter.“ Mit dem Fernglas werden deshalb die Fichtenkronen inspiziert. „Es ist mühselig“, weiß Weisshaupt. Alle Käferbäume könne man nie finden.

Per App Bäume erfassen

Zum Erfassen der befallenen Fichten werden Geoinformationssysteme genutzt. Per Handyapp halten die Fortwirtinnen und Forstwirte Standorte fest, berichtet Felix Groß , der Leiter des ForstBW-Bezirks Oberland mit Sitz in Bad Schussenried. Auch Zusatzinformationen, etwa über weitere Käferbäume in der Umgebung, werden in der App gespeichert. Die Daten gehen dann an den Förster, der die weiteren Schritte plant, an die Fahrer von Holzerntemaschinen und die Lkw-Fahrer, die das Schadholz aus dem Wald transportieren, so Groß. Das Ziel heißt, das Schadholz möglichst schnell aus dem Wald zu bekommen.

Zeitaufwendige Suche

Personal- und zeitaufwendig ist das Monitoring. Einen neuen Ansatz bildeten Drohnen, die die Nadelfarbe erfassen, erzählt der ForstBW-Bezirksleiter. Eine leichte Veränderung des Grüntons weise auf Käferbefall hin. Künstliche Intelligenz werte die gelieferten Bilddaten daraufhin aus. Der Forstbezirk setze diese Technologie aber nicht ein. „Aktuell halten wir es für das beste, wenn die Forstwirte den Wald abgehen“, betont Groß.

Darum ist der Käfer später am Start

„In diesem Jahr hat die Entwicklung der Borkenkäfer circa zwei Wochen später eingesetzt“, berichtet Groß. Der Grund: die Witterung. Das Frühjahr war kühler, die Käfer sind wie alle wechselwarmen Tiere bei niedrigeren Temperaturen weniger aktiv. Je später die erste Generation ausgebildet wird, desto weniger Zeit bleibt für die Ausbildung weiterer Generationen. Was letztere an Schadpotenzial bedeuten, zeigt Markus Weisshaupt auf: Aus der Brut eines einzigen weiblichen Borkenkäfers könne am Ende eine fünfstellige Zahl an Nachkommen heranwachsen.

Bäume vitaler

Nicht nur das kühlere Frühjahr hat sich auf die Startbedingungen des Borkenkäfers ausgewirkt. Im vergangenen Jahr gab es weniger Käfer, folglich waren nach der Überwinterung weniger Tiere vorhanden. Die Niederschläge hätten zudem die Vitalität der Bäume erhöht, heben Weisshaupt und Groß hervor. Geht es den Fichten gut, können sie sich gegen den Käfer wehren, indem sie ihn mit Harz abtöten. Wenn es für Fichten wie in den Trockenjahren 2018 bis 2020 aber ums Überleben gehe, hätten sie keine Energie mehr, um sich gegen Angriffe der Insekten zu verteidigen, berichtet der Vorstandsvorsitzende von ForstBW Max Reger in einer Pressemitteilung.

Noch ruhige Lage

„Momentan ist das Käfergeschehen noch ruhig“, schildert Karin Ott die derzeitige Lage. „Aber es ist auch noch ein früher Zeitpunkt in der Saison, die Entwicklung beginnt erst. Entscheidend werden die kommenden Wochen insbesondere die Monate Juli und August werden. Lange trockene Phasen begünstigen den Käferbefall, längere regnerische hingegen hemmen die Entwicklung.“

Hoffen auf nicht so heißen Sommer

„Wir befinden wir uns aktuell am Scheideweg“, sagt Groß. Die Käferpopulation sei umfangreich genug, um große Schäden anzurichten, sollte es heiß werden. „Wir tun, was wir können, und hoffen auf einen nicht ganz so heißen Sommer“, so der Forstbezirksleiter.

Der Käferbefall könne sich zwar noch verstärken, aber nicht so, dass es eine Katastrophe gebe, schildert Markus Weisshaupt seine Einschätzung der Lage. „Ende September lässt die Aktivität des Borkenkäfers bereits nach.“ Zwei Generationen würden es letztendlich eventuell werden. „Das ist ärgerlich, aber beherrschbar“, sagt er.

Nur noch 50 Prozent Fichte

Das Käferholz finden und schnell aus dem Wald herausholen, lautet also die Herausforderung in den kommenden Wochen. Die langfristige Herausforderung aber heißt, den Wald resistenter zu machen. Die anfälligen Fichtenbestände wollen die Forstämter deshalb reduzieren. „1970 lag der Anteil der Fichte bei uns bei mehr als 70 Prozent. Mittlerweile sind es noch 50 Prozent“, berichtet Weisshaupt über den Biberacher Wald.

Kreisforstamt

Wie das Kreisforstamt Biberach den Wald für den Klimawandel fit macht

qLaupheim

Vorteil von Artenvielfalt

Beim Umbau des Waldes werde auf Vielfalt geachtet, führt er aus. Auf einer Fläche, die 2021 einem Gewittersturm zum Opfer fiel, pflanzte das städtische Forstamt 23 verschiedene Baumarten. „Das bedeutet, dass wir breiter aufgestellt sind gegen Schädlinge“, führt Weisshaupt aus. Und die Vielfalt bringe zudem wirtschaftliche Vorteile. Denn auch bei wechselnden Holzartentrends kann so immer etwas am Markt angeboten werden.

Borkenkäfer

Wald in Not: Ein Konzept soll Wälder und Klima retten

qAus aller Welt

Waldbrandgefahr

Warum die Waldbrandgefahr im Norden Deutschlands höher ist als in der Region

qLaichingen

Klimawandel

Für einige Arten im Trossinger Wald wird es in Zukunft schwer

qTrossingen